Jetzt anmelden
Ausgabe Nr. 41/2020 vom 06.10.2020, Foto: Fotostudio Sissi Furgler
Artikel-Bild
Stefanie Werger wurde am 2. Juli 1951 in Maria Lankowitz (Stmk.) als Tochter einer Arbeiterfamilie geboren. Mit 20 Jahren gab sie ihre Stelle als Musiklehrerin auf und tourte 10 Jahre durch Deutschland und die Schweiz. 1982 erschien „Die Nächste bin ich“, das erste von 10 Alben. 1991 schrieb Werger, die mit ihrem Mann Karl-Heinz Stadlober in Graz lebt, mit „Am Anfang war die Liebe“ ihr erstes Buch.

Am 8. und 9. Oktober tritt die Künstlerin im Wiener Theater Akzent jeweils um 18 und 20.30 Uhr auf, am 3. November, 20 Uhr, im Kultur-Kongress-Zentrum in Eisenstadt (Bgld.).
"Langsam werde ich müde"
Stefanie Werger, die große Dame des Austro-Pop, verrät, dass sie nächstes Jahr auf Abschieds-Tournee geht. Obwohl sie der Bühne „ade“ sagt, heißt das nicht, dass sie „ihr Hirn in Pension schickt“. Geistig rege wird die kreative 69jährige weiterhin Liedtexte und Bücher schreiben.
Frau Werger, Sie haben früher auf Ihren Visitenkarten angemerkt „Nicht vor Mittag!“. Sind Sie inzwischen schon früher erreichbar?
Nicht viel früher, weil ich noch immer spät schlafen gehe. Aber ab 11 Uhr geht‘s schon. Vielleicht bekomme ich ja, was das Schlafen betrifft, bald die Alterskürze. Es heißt ja, dass ältere Menschen weniger Schlaf brauchen. Und immerhin werde ich nächstes Jahr siebzig.

Und sind dabei aktiv wie eh und je …
Soweit ja, dennoch mache ich nächstes Jahr meine Abschieds-Tour, das war‘s dann mit der Bühne. Geistig bin ich zwar rege und kreativ, aber meine Bandscheiben machen mir zu schaffen. Ich bin als Schmerzpatientin regelmäßig in Behandlung, lasse mich aber nicht operieren. Denn, wie ich weiß, geht‘s dem Wolferl (Anm.: Wolfgang Ambros, 68) nach seiner Bandscheiben-Operation nicht besser. Wahrscheinlich würde ich den schweren Eingriff gar nicht überleben. Es geht ohne OP auch.

Wird es anstrengend für Sie sein, am Donnerstag und Freitag im Wiener Akzent aufzutreten?
Um die aufgrund von Corona erforderlichen Abstandsregeln einzuhalten, trete ich an beiden Tagen jeweils zweimal auf, um 18 und 20.30 Uhr. Für mich wird es schon ein Marathon, denn zwischen den beiden Auftritten habe ich nur eine kleine Pause. Aber ich will meine Anhänger nicht enttäuschen und werde aus meinem jüngsten Buch „Als ich auszog, berühmt zu werden“ Anekdoten lesen und Lieder singen. Aufgrund meiner Schmerzen werde ich vorwiegend sitzen und nur für Momente aufstehen. Deshalb weiß ich, dass meine Abschiedstour im nächsten Jahr die wirklich alleraller­allerletzte sein wird. Die Menschen lieben mich zwar nach wir vor und ich bin gerne auf der Bühne, aber ich denke, ich darf nach fast vierzig Jahren abtreten. Irgendwann ist‘s genug, was nicht heißt, dass ich mein Hirn in Pension schicke. Ich werde weiterhin Bücher und Liedtexte schreiben.

Bringen Sie auch ein Album heraus?
In der Zeit, wo es hieß, „zuhause bleiben“, hat mir diese Ruhe gut getan. Mein Mann ging einkaufen, ich ging gar nicht außer Haus habe wunderschöne Lieder geschrieben. Das Album wird im Frühjahr erscheinen, mit dem Titel „Langsam werd‘ i miad“.

Fühlen Sie persönlich, dass Sie müde werden?
Selbstverständlich, ich war immer ein fleißiges Mädel, war jedes Jahr auf Tournee, habe viele Alben gemacht, Bücher und Kabarett-Programme geschrieben. Ich lass‘ es lieber gut sein, bevor die Liebe des Publikums in Mitleid umschlägt. Ich gehe nicht mehr gut, und ich kann nicht mehr so wie früher auf der Bühne herumspringen.

Was sich wohl keiner erwartet, oder?
Nein, denn so etwas kann ziemlich peinlich werden, wie uns einige Beispiele schon gezeigt haben. Ich denke da nur an Johannes Heesters, der mit weit über hundert am Klavier gestützt werden musste. Diesen Geltungsdrang habe ich nicht, ich muss nicht jedem beweisen, was ich noch kann.

Kennen Sie den Drang, jedem gefallen zu wollen?
Das will im Grunde jeder, da brauchen wir uns nichts vormachen. Ich schreibe aber in erster Linie Titel, von denen ich selbst zutiefst überzeugt bin, also Lieder, die aus meiner Seele kommen, mit Humor, Tiefgang und kritischen Ansätzen zu Themen, die mir über die Leber laufen.

Gab es da ein Thema, das sich wie ein roter Faden durch Ihre Arbeit gezogen hat?
Derzeit beschäftigen mich die Themen „Gier“ und „Umwelt“, weil sie allgegenwärtig und aktueller denn je sind. Um die wird es auf meinem neuen Album gehen, es sind berührende Texte und Melodien.

Womit lassen sich die Menschena m ehesten berühren?
Mit Ehrlichkeit, ich war immer ehrlich in meinen Balladen. Der Titel „I wü di gspürn“, der bald vierzig Jahre alt ist, ist noch immer hörenswert, das ist ein Klassiker.

Oder Ihre Mutmacher-Hymne „Stoak wi a Felsn“ …
Ja, denn es gibt noch immer so viele Frauen, die nicht aufmucken, still vor sich hinleiden und sich nicht zu gehen trauen, wenn eine Beziehung längst kaputt ist.

Sie gaben für Ihre Karriere Ihre pragmatisierte, quasi sichere Stelle als Musiklehrerin auf. Haben Sie diese Entscheidung je bereut?
Nie, es gibt keine Sicherheit, glaub‘ ich, und wir können uns auf nichts verlassen. Da ich 99 Prozent meiner Lieder selber geschrieben habe, kann ich gut von den Tantiemen leben. Ich bin oft in den regionalen Sendern zu hören, auch wenn Ö3 meine Lieder nicht spielt, was mir inzwischen wurscht ist. Führer habe ich mich darüber oft genug aufgeregt.

Kann Sie überhaupt noch etwas aufregen?
Nicht mehr jede Kleinigkeit, aber manches durchaus. Zum Beispiel habe ich dem Grazer Bürgermeister einen offenen Brief geschrieben, weil er unsere ganze Stadt versiegeln lässt. Ich sehe mehr Kräne als Grün. Niemanden interessiert, ob künftig das Wasser noch abrinnen kann, wenn alles zubetoniert ist. Für meine öffentliche Aufregung habe ich Zuspruch bekommen. Insgesamt versuche ich, mich auf das Wesentliche in meinem Leben zu konzentrieren.

Was ist Ihnen denn wichtig?
Ich mache das, was ich will und nicht das, was andere wollen. Wobei ich mich schon auch beraten lasse, wenn es mir notwendig scheint. Aber ich verplempere meine Zeit nicht mehr mit Unwichtigem.

Was ist Ihnen nicht wichtig?
Mir ist nicht mehr wichtig, welche Klunker oder welche Schuhe ich trage, also, ob ich modisch auf dem neuesten Stand bin. Ich will mich in meiner Kleidung wohlfühlen. Tätowiert bin ich auch noch nicht. Das klingt jetzt vielleicht alles ein bisschen bieder, ist mir aber auch egal, ich muss nichts mehr müssen.

Das heißt, sie können entspannt genießen?
Ja, mein Mann und ich können gut kochen, laden gerne Freunde ein oder gehen essen. Ich rauche nach wie vor, darf das aber in Gaststätten nicht mehr tun, was doch ungemütlich geworden ist. Rauchen ist mein einziges Laster. Hin und wieder trinke ich ein Glaserl Wein, während ich früher Gas gegeben habe. Hätte ich so weiter gemacht, wäre ich schon tot. Das interessiert mich alles nicht mehr, die Schickeria wäre mir zu anstrengend, ich bin keine „Szene-Tigerin“.

Sind Sie lieber daheim bei Ihrem Stuben-Tiger?
Auf jeden Fall, unser britischer Kurzhaar-Kater, mittlerweile meine neunte Katze, ist eine hübsche „Whiskas“-Katze. Er zerkratzt uns zwar alles, was ihm unter die Pfoten kommt, aber wir lieben ihn trotzdem.
Weitere Inhalte dieser Ausgabe:
Ihre Meinung
Ihre Meinung ist uns wichtig.

Schreiben Sie Ihren Kommentar zu diesem Artikel, den wir dann prüfen und veröffentlichen werden.
Bitte melden Sie sich an, um einen Kommentar zu verfassen.
Werbung