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Ausgabe Nr. 41/2020 vom 06.10.2020, Fotos: Julius Hirtzberger, Stephan Wyckoff
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Kurt Egger, Johannes Wahlmüller
Winter-Gastronomie: Sind Heizstrahler die Lösung?
Die kalte Winterluft mit einem „Heizschwammerl“ zu erwärmen, das ist mancherorts verboten. Doch der ÖVP-Wirtschaftsbund will eine landesweite Erlaubnis der Heizstrahler. So sollen die Gastronomen auch im Winter ihre Gäste draußen bewirten können. In manchen Städten ist das Verbot schon gefallen. In Innsbruck werden elektrische Heizstrahler erlaubt. Auch Linz will sie zulassen. In Wien sind ohnehin nur Gas-Heizpilze verbannt. Aber Umweltschützer warnen.
JA:
Kurt Egger,
Wirtschaftsbund-Generalsekretär

„Wir befinden uns in einer Pandemie und der bevorstehende Winter wird für die Gastronomie zur Existenzfrage. Angesichts der ohnehin schwierigen Situation für die Branche darf es zu keinen zusätzlichen Beschränkungen kommen, im Gegenteil: Was unsere Gastrobetriebe jetzt brauchen, sind offene Schanigärten und Heizstrahler, um die Gästeversorgung auch im Freien sicherzustellen. So werden wir einerseits Arbeitsplätze retten und zeitgleich die Gesundheit der Konsumenten schützen, schließlich ist im Freien das Ansteckungsrisiko wesentlich geringer. Ob Heizstrahler österreichweit zugelassen werden, wird also mitunter darüber entscheiden, wie gut unsere Gastronomie durch den Winter kommt. Zeitgleich hängen Tausende Stellen davon ab. Gerade in Krisenzeiten müssen wir alles dafür tun, um die Betriebe am Laufen zu halten und nicht weiter zu belasten. Dieser einseitige Tunnelblick mancher Umweltschutzorganisationen hilft niemandem und ist in wirtschaftlich herausfordernden Zeiten sicherlich auch der falsche Ansatz. Mit solchen Diskussionen werden wir definitiv keinen Gastronomiebetrieb unterstützen und keinen Arbeitsplatz retten.“

NEIN:
Johannes Wahlmüller,
Global 2000-Klimasprecher

„Es ist keine Frage, dass sich die heimische Gastronomie in einer äußerst schwierigen Situation befindet. Deshalb braucht es staatliche Unterstützung, damit das Ende der Talsohle auch halbwegs unversehrt erreicht werden kann. So zu tun, als würden Heizstrahler die Saison aber retten können, ist der gänzlich falsche Ansatz. In der Übergangszeit kann man sich auch mit Decken und Heißgetränken draußen aufhalten, wenn es aber winterlich kalt wird, dann ist es auch draußen unterm Heizstrahler ungemütlich. Es braucht also ohnehin andere Lösungen. Für den Klimaschutz ist das Heizen draußen fatal. Während wir Häuser dämmen und energiesparende Geräte kaufen, soll im Winter die Straße geheizt werden. Das ist die größtmögliche Energieverschwendung, die man sich vorstellen kann. Hat ein Schanigarten fünf Heizstrahler über den Winter in Betrieb, ist der Stromverbrauch etwa so hoch wie der von zwei Haushalten im ganzen Jahr. Besonders bitter: Investiert die Gastronomie jetzt in großem Stil in Heizstrahler, werden sie auch nach der Corona-Krise weiterverwendet werden. Es bleibt also nicht bei der Ausnahme. Wir brauchen Unterstützung für unsere Gastronomie, aber keine Fehlinvestitionen, die wir bitter bereuen werden.“
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