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Ausgabe Nr. 40/2020 vom 29.09.2020, Foto: Leika production/stock.adobe.com
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Beim Kittharz der Bienen sollte auf die Herkunft geachtet werden.
Krebs-Risiko durch belastete Propolis
Bei Erkältung, Zahnfleischentzündung oder „Halskratzen“ ist die Selbstbehandlung mit Propolis beliebt. Die bräunliche Substanz gilt als natürliche Arznei, doch Experten warnen vor so manchem Produkt.
Die Apotheke von Mutter Natur hält viel Gutes für unsere Gesundheit bereit. Als wirksame Arznei zur Stärkung des Immunsystems sowie zur Behandlung kleiner Entzündungen auf der Haut, im Mund oder Hals hat Propolis ihren fixen Platz in der Hausapotheke.
Tatsächlich wirkt Propolis gegen Bakterien, Viren und Pilze, das aber vor allem im Bienenstock. Dort wird die aus Laubbaumharz, Speichel, Pollenanteilen, Kaffeesäure, Vitaminen und Mineralstoffen gemischte bräunlich-spröde Substanz von den Bienen als Kittharz und zur Abwehr von Erregern verwendet. Die Wirkung der Propolis beim Menschen sei allerdings weit weniger gesichert, machen Verbraucherschützer und wissenschaftlich arbeitende Mediziner aufmerksam.
Im Handel sind Propolis-Produkte in verschiedenen Darreichungsformen zu finden. Die bitter-scharfe Propolis ist in Nahrungsergänzungmitteln verarbeitet, in Tinkturen, Salben, Lutschtabletten oder in Tropfen. Sogar Zahnpasten werden mit Propolis angereichert, um Zahnfleisch-Probleme zu bessern.

Es wird zu viel versprochen
Die Experten der deutschen Verbraucherzentrale mahnen, bei Nahrungsergänzungsmitteln mit Propolis vorsichtig zu sein. „Die Europäische Behörde für Lebensmittelsicherheit hat viele der von den Herstellern eingereichten Werbeaussagen geprüft. Sie hat festgestellt, dass zwischen diesen und dem Verzehr von Propolis kein ursächlicher Zusammenhang besteht. Aussagen im Zusammenhang mit der Einnahme von Propolis-Nahrunsgergänzungsmitteln und mit der Unterstützung der Atemwege, des Darms, der Leber, der Immunabwehr, der normalen Blutzirkulation, der Mundgesundheit und der antibiotischen und pilzabwehrenden Wirkung sind somit irreführend und unzulässig“, sagt ein Sprecher. Darüber hinaus gibt es keine wissenschaftlich aussagekräftigen Hinweise, die eine infekt-vorbeugende Wirkung von Propolis, etwa mit Blick auf Erkältung, Grippe oder das Corona-Virus, bestätigen.

„Propolis kann im Labor das Wachstum verschiedener Bakterien, Pilze und sogar Viren bremsen, das lässt sich aber nicht auf den Menschen übertragen. Die keimhemmenden Bestandteile von Propolis dürften vorher von unserem Verdauungssystem zersetzt werden. Sollten sie doch noch weitergelangen, würden Leber und Niere, die körpereigenen Entgiftungsorgane, sie zu unwirksamen Stoffen aubbauen und wieder aussscheiden“, erklärt ein Experte.

Sorgen machen Verbraucherschützern vor allem Substanzen in Propolis-Nahrungsergänzungsmitteln, die krebserregend wirken können. „Es gab laut dem europäischen Schnellwarnsystem mehrfach Warnmeldungen wegen zu hoher Gehalte an krebserregenden polyzyklischen aromatischen Kohlenwasserstoffen, kurz PAKs. Das Rohmaterial kam in allen Fällen aus China. Dazu könnte Propolis bestimmte Alkaloide enthalten, natürliche Inhaltsstoffe verschiedener Pflanzen, die beim Menschen das Erbgut schädigen und Krebs hervorrufen können. Sie sind dazu giftig für die Leber und schaden schon in kleinen Mengen. Besonders bei Produkten aus Australien, Neuseeland, Spanien, der Schwarzmeer-Region und Südamerika. Achten Sie daher auf die Herkunft des Propolis-Nahrungsergänzungsmittels.“

Kritisch sehen Fachleute auch Behauptungen, Propolis-Produkte wie Tinkturen, Salben und Lippenbalsam würden Entzündungen des Zahnfleisches oder der Mundschleimhaut bessern, etwa bei Aphten. „Wir haben nach wissenschaftlich fundierten Belegen für diese Wirkung gesucht. Unsere Recherche war enttäuschend. Die bisherigen Studien dazu sind nicht nach strengen wissenschaftlichen Regeln durchgeführt worden. Leider können diese nicht beantworten, ob Propolis heilend wirken kann oder nicht“, sagt Bernd Kerschner von medizin-transparent.at, einem Zusammenschluss von Ärzten und Wissenschaftern. Labor-Experimente haben zwar gezeigt, dass Propolis zumindest im Reagenzglas eine Wirkung gegen Bakterien, Pilze und Viren hat, ob diese auch beim Menschen eintritt, ist aber nicht gesichert und daher dem Selbstversuch jedes Einzelnen überlassen. Für eine Patientengruppe sollte Propolis allerdings immer tabu sein: die Bienen- und Wespengiftallergiker. Nehmen sie Propolis ein, kann dies allergische Reaktionen auslösen.

Beim Kauf von Propolis(produkten) vorzugsweise auf heimische Imker zurückgreifen. Infos zu Imkern im Bundesland finden Sie über die Landesverbände der Imker (www.imkerbund.at, Link: Landesverbände).
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Dodoheimarie
Die Pharma stellt ja jeden als Verschwörer hin, der sich mit Natur heilt. Vor allem jeden der sich mit Homöopathie heilt. Ich frage mich warum die Uni Graz da mitmacht!

Und aus China ist doch schon jedes giftig das zu uns kommt. Angefangen von Sojaprodukten über Kinderspielzeug bis hin zur Kleidung.
Aus China kaufe ich gar nichts!

Weil doch auch bereits in vielen Regionen Österreich's das Gift Glyphosat Eingang gefunden hat, das Geoengineering den Rest besorgt in anderen wiederum gefrackt wird, das den Boden genau so kontaminiert... außerdem Saatgut von Monsanto auch hier Fuß gefasst hat, sollten wir alle sehr achtsam sein. Nur, ich frage mich wie????, Zumal die Politik einen Großteil goutiert.

Geschützt sind wir nirgends mehr auf dieser Welt :( Nicht einmal im eigenen Garten, im eigenen Zuhause.
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