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Ausgabe Nr. 40/2020 vom 29.09.2020, Fotos: ddp images/Twitter
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Alicia Keys.
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Mit Verspätung kam nun das Album „ALICIA“ auf den Markt. Es ist voller Gefühl und gegen Gewalt.
"Wir Frauen leisten Übermenschliches"
Sechs Monate nach dem geplanten Termin veröffentlichte Alicia Keys nun ihr siebentes Album. Es heißt schlicht „ALICIA“ und überzeugt mit starken Liedern, die Mut machen sollen. Den benötigt die 39jährige ebenfalls, denn die Menschen in ihrer Heimatstadt New York (USA) wurden arg von der Corona-Pandemie erwischt. Doch die Mutter der Söhne Egypt, 9, und Genesis, 5, steckt voller Optimismus, wie sie dem WOCHE-Reporter Steffen Rüth berichtet hat.
Viele Menschen in New York sind an dem Corona-Virus gestorben, die Stadt stand lange still. Wird sie sich wieder erholen?
Na klar, wir kommen wieder auf die Beine. Es läuft schon ganz gut. Überhaupt ist New York die widerstandsfähigste und zäheste Stadt der Welt. Ich bewundere die Menschen für ihre Stärke. New York wird sich niemals unterkriegen lassen.

Seit einem halben Jahr liegt wegen der Corona-Pandemie eine Art Schleier über der Welt. Wie sind Sie und Ihre Familie mit der Situation bislang zurechtgekommen?
Anfangs habe ich mich unsicher, unwohl und verwirrt gefühlt. Ich wusste nicht, was passiert und was ich tun sollte. Nach einer Weile habe ich erkannt, dass diese erzwungene Verlangsamung auch eine Chance bedeutet. Ich habe noch nie so viel Zeit an einem Ort mit meinem Mann und mit unseren Kindern verbringen dürfen. Wir waren die ganze Zeit zusammen.

Sie sind seit zehn Jahren mit dem Produzenten Swizz Beatz verheiratet. Konnten Sie noch neue Seiten an ihm entdecken?
Wir kennen uns in- und auswendig. Unsere Verbindung ist eng, wir haben eine wunderbare Freundschaft. Wir wissen aber auch, wann wir uns aus dem Weg gehen sollen, bevor wir uns gegenseitig auf die Nerven fallen.

Ist Ihr neues Lied, das temporeiche und hymnische „Love Looks Better“, auch von Ihrem Mann inspiriert?
Ja, unsere Liebe spielt definitiv mit hinein. Swizz ist einfach hinreißend. Jeder, der ihn trifft, findet ihn sympathisch. Er hat eine natürliche Art, mit Menschen umzugehen und sich ihnen zuzuwenden. Aber im Lied geht es um mehr. Es geht darum, wie wir im Alltag durchs Leben eilen, so viele Pläne und Erwartungen haben, so schnell sind und unsere Aufmerksamkeit überall verteilen, sodass die Menschen, die wir wirklich lieben, und auch wir selbst, oft zu kurz kommen.

Sie singen aber auch gern über starke Frauen …
Ja, weil wir Frauen zu übermenschlichen Handlungen fähig sind, wir müssen es manchmal auch sein. Und gleichzeitig sind der Ausgleich und die Balance wichtig. Damit meine ich: Sich selbst zu umsorgen, positiv dir selbst gegenüber eingestellt zu sein, auf dich aufzupassen und dir auch einzugestehen, dass es nicht egoistisch, sondern in Ordnung ist, an dich selbst zu denken und einzig auf deine innere Stimme zu hören.

Haben Sie bei der Arbeit zu Ihrem neuen Album „ALICIA“ über sich selbst auch etwas herausgefunden?
Ja, ich wollte die Leichen aus meinem Keller holen.

Wie meinen Sie das?
Ich meine den Teil von mir, der rot wird vor Wut. Von dem Teil, der niedergeschlagen und traurig sein kann. Alle die Teile, die nicht immer so „cool“ wirken. Auch der Teil, der ein gewisses Maß an Exzellenz verlangt und einfordert und nicht weniger als das Optimum akzeptiert. Früher neigte ich eher dazu, unter dem Radar zu fliegen und mich zurückzunehmen, selbst wenn ich das gar nicht wollte.

Das heißt, Sie haben an Selbstvertrauen gewonnen?
Auf jeden Fall, ich weiß heute, was ich kann und stehe dazu. Speziell Frauen kennen das: Wir machen wunderbare Sachen, beginnen fantastische Projekte und haben ausgezeichnete Ideen. Und doch ist da immer diese Unsicherheit, dieses Unbehagen, diese Hemmungen, das alles nach außen zu transportieren und selbstbewusst zu unseren Leistungen zu stehen – besonders, wenn diese außergewöhnlich und weit überdurchschnittlich sind. Wir Frauen fühlen uns oft nicht wohl mit unserer Macht, mit unserer Leistung und den wundervollen Dingen, die wir erreichen. Es ist fast, als wenn uns das peinlich wäre.

Das klingt alles sehr vernünftig und wohldurchdacht. Gibt es daneben eine Alicia Keys, die einmal richtig ausrastet?
(lacht) Natürlich, ich bin nicht immer die Ruhe in Person. Ausrasten muss nichts Schlechtes sein. Es ist ein Ausdruck von Freiheit, aus dir herauszugehen, den Druck von dir abfallen zu lassen, in deinem Herzen zu sein und nicht in deinem Kopf.
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