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Ausgabe Nr. 40/2020 vom 29.09.2020, Fotos: mauritius images / Francesco Puntiroli / Alamy, zVg
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Steinböcke nutzen gezielt die Wärme der Sonne und lassen sich von dieser aufwärmen um auf „Betriebstemperatur“ zu kommen. Das Horn dient beim Ruhen auch als Stütze zum Entlasten der Nackenmuskulatur.
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Auf den Spuren des Steinwildes
Im neu eröffneten „Haus der Steinböcke“ in Heiligenblut (K) können Besucher den „Alpenkönig“ und seinen Lebensraum in einer Dauerausstellung hautnah erleben.
Ab 1.10. (9 bis 17 Uhr). Info-Tel.: 04825/6161 oder www.hausdersteinboecke.at.
Der "Alpenkönig" beim Sonnenbad
Steinböcke faszinieren durch ihre Größe, ihre Trittsicherheit, ihre atemberaubenden Sprünge in Steilwänden oder Kämpfe auf ausgesetzten Felsen. Kein Wunder, dass der wiederkäuende Hornträger gern als „König der Alpen“ bezeichnet wird. Doch dieser König hat in der Vergangenheit wechselhafte Zeiten hinter sich.
Hoch über der Baumgrenze auf bis zu 3.500 Metern Seehöhe, wo schroffe Felswände mit rutschigen Geröllfeldern abwechseln, tummeln sich die Alpensteinböcke und beweisen, wie geschickt sie klettern, springen und balancieren können. Vor allem Wanderern bietet das stämmig gebaute Tier mit seinem zu-rückgebogenen, bis zu einem Meter langen und knapp 15 Kilo schweren Gehörn einen faszinierenden Anblick. Was noch verstärkt wird durch die eindrucksvolle Sze-nerie des felsenreichen Hochgebirges, dem großartigen wie harten Lebensraum des Paarhufers.
„So empfinden wir den Steinbock als edles Wildtier, als ein uriges, lebendiges Na-turdenkmal. Doch das war nicht immer so“, schreibt Dr. Gunther Greßmann in seinem neuen Buch „Steinwild am Großglockner“ (Verlag Anton Pustet, 2020).

Schließlich galten seit dem Mittelalter viele Teile des Steinbockes als Wundermittel. Hörner, Magensteine, Blut und Herzknorpel der Tiere sollten eine Vielzahl von Krankheiten heilen. Selbst der getrocknete Schwanz „in der Hand gehalten“ galt als eine sichere Hilfe gegen Zauberei. Dementsprechend groß war der Bedarf der Jagdherren und Wilderer an erlegten Steinböcken.
„Anfang des 19. Jahrhunderts waren die Tiere in Europa fast ausgestorben. Nur im heutigen Gebiet des Gran-Paradiso-Nationalparkes im nordwestlichen Italien überlebten wenige Exemplare – geschätzte 50 bis 100 Stück“, meint der Wildbiologe.

Als Erste fragten die Schweizer um ein paar Steinböcke an. Weil der italienische König aber keine Tiere abgeben wollte, stahlen sie einfach ein paar Kitze und brachten diese über die Grenze. „Aus der Schweiz stammen auch die in unserem Land heute heimischen Steinböcke ab. Diese wurden aber – ganz legal – gekauft und ab dem Jahr 1924 bei uns ausgesetzt“, berichtet Greßmann.

Nun, fast 100 Jahre später, gehen Forscher landesweit wieder von knapp 5.000 Steinböcken aus. „Der größte Feind des Steinbockes ist aktuell also nicht mehr die Jägerschaft, sondern die kalte Jahreszeit mit ihrem verknappten Nahrungs-angebot“, erklärt Markus Lackner vom Nationalpark Hohe Tauern. Immerhin überlebt die Hälfte der jungen Kitze einen milden Winter nicht, „in einem harten Winter können es sogar 70 bis 80 Prozent sein“, weiß der Fachmann. Energiesparen ist somit eine wichtige Überlebensstrategie im Gebirge. Weshalb bereits der Herbst bei den Steinböcken von einer gewissen Trägheit geprägt ist. Die Temperaturen sinken und der Stoffwechsel wird langsam in Richtung Winter gedrosselt. Was sich unter anderem in der Senkung der Herzschlagrate bemerkbar macht.

„Sie beträgt im Sommer bis zu 100 Schläge pro Minute und kann im Februar nur mehr 40 Schläge betragen. Für die Energiebilanz ist es für die Steinböcke ab September daher günstiger, Sonnenbäder zu nehmen, als noch allzuviel umherzustreifen“, erklärt Gunther Greßmann. Was auch uns Menschen zugute kommt, „da wir die Tiere nun stundenlang an sonnenexponierten Stellen beim Ausruhen bestaunen können“, so der Buchautor. Wanderer sollten dabei aber einen Respektabstand von mindestens zehn Metern einhalten, denn jedes einzelne Aufstehen und Vertreiben kostet dem „Alpenkönig“ wertvolle Energie, die mitentscheidend für sein Überleben in einem besonders strengen Winter sein kann.
Hwie
Von Böcken und Geißen
  • Kaum zu glauben, aber unsere Hausziege ist eine Verwandte des Königs der Alpen. Streng wissenschaftlich gehören beide zur Familie der Hornträger, die wiederum zu den Paarhufern gezählt werden. So wie Antilopen, Schafe aber auch Rinder.
  • Sein Fell, die „Decke“, ist braungrau bis rötlichgrau. Männchen (Böcke) werden bis zu 100 Kilo schwer, Weibchen (Geißen) bis zu 50 Kilo.
  • Der Steinbock ist ein genügsamer „Äser“. Bevorzugt ernährt er sich von dem, was in den Gebirgshöhen noch wächst – also Kräuter, Gräser und Sträucher.
  • Das Alter des Steinbockes kann anhand der Horn-Zuwachsringe festgestellt werden. Denn, anders als Hirsche oder Rehe, werfen Steinböcke ihren Kopfschmuck nicht ab. Das Horn wächst pro Jahr zwischen zwei und sechs Zentimeter.
  • Die Lebenserwartung der Tiere beträgt zehn bis 20 Jahre.
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