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Ausgabe Nr. 40/2020 vom 29.09.2020, Foto: Picsreports
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Ein gemüt­liches Wohnzimmer. Stimmungsvoll eingerichtet.
Umzug nach zwei Einbrüchen
Das Leben in der Stadt hat seine Nachteile. Lärm und Parkplatznot machten es der deutschen Schauspielerin Doris Kunstmann, 75, unerträglich. Deshalb verließ sie ihre Geburtststadt Hamburg (D) und suchte sich eine kleinere Wohnung im Grünen. Um ihrem Sohn und dessen Familie nahe zu sein. Aber auch, weil sie sich nicht mehr sicher in der Stadtwohnung gefühlt hat.
Mein größter Wunsch war es eigentlich, zusammen mit der Familie meines Sohnes in einem Haus zu leben, nur leider finden wir seit Jahren kein geeignetes Objekt“, sagt Doris Kunstmann. „Länger warten wollte ich auch nicht mehr. Also habe ich mir eine kleinere Wohnung in Wentdorf gesucht. Das ist ein Dörfchen am Rande von Hamburg (D). In der Stadt habe ich es nicht mehr ausgehalten.“

Dabei hat sie in der Hafenstadt im Norden Deutschlands praktisch ihr Leben verbracht. Es ist ihre Stadt, dort wurde sie am 22. Oktober 1944 geboren, absolvierte ihre Schulausbildung und erlernte das Handwerk der Schauspielerei. Im Jahr 1962 gab sie am Hamburger Jungen Theater ihr Debüt. Zahlreiche Auftritte in Filmen und Serien folgten und machten Doris Kunstmann weit über die Grenzen Deutschlands hinaus bekannt. Sie trat unter anderem in der Anwalts-Serie „Edel & Starck“ auf, mischte bei den Nonnen in „Um Himmels Willen“ mit, gehörte der Telenovela „Rote Rosen“ an und hatte Gastauftritte im „Tatort“.

Nur zehn Minuten von den Lieben entfernt
Privat lief es für die 75jährige dagegen nicht so gut. Die im Jahr 1976 geschlossene Ehe mit dem Kaufmann Michael Fuhrmann ging bald in die Brüche. Ihre Familie sind heute ihr Sohn Marc-Manuel, 43, sowie dessen Frau Kathleen, 41, und die beiden Kinder Cedric, 12, und Carlotta, 9. Das innige Verhältnis zu ihnen hat die Schauspielerin nun veranlasst, tätig zu werden, ihre Heimatstadt zu verlassen, um nah bei ihren Lieben sein zu können.

„Jetzt trennen uns nur noch zehn Autominuten. Anstatt immer Termine absprechen zu müssen, können wir einfach beim andern vorbeischauen und viel mehr Zeit miteinander verbringen. Die Kinder kommen regelmäßig am Wochenende zum Essen. Ab und zu unternehme ich etwas mit meinen Enkerln, wir finden immer wieder schöne Ausflugsziele. Sie zu beobachten, während sie sich freuen oder etwas Neues entdecken, was sie interessiert und was ihre Augen zum Leuchten bringt, bereitet mir ganz große Freude. Das genieße ich sehr“, erzählt die 75jährige, die sich vor dem Umzug von einigen Möbelstücken trennen musste. „Weil ich in meiner jetzigen Wohnung nur 84 Quadratmeter zur Verfügung habe, meine Stadtwohnung jedoch 125 Quadratmeter groß war. Also habe ich einen Flohmarkt organisiert und mich von kleinen Schätzen meiner Karriere, von Taschen, Bildern, Kleidern und vielen anderen Dingen verabschiedet.“

Dass sie ihrer Heimatstadt den Rücken kehrte, hatte allerdings noch andere Gründe. Weniger angenehme. „Es wurde auf Dauer immer lauter. Eine Baustelle folgte der anderen, und Parkplätze gab es auch kaum. Manchmal habe ich bis zu zwei Stunden lang einen Parkplatz gesucht. Auf die Gefahr hin, dass ich wieder keinen Parkplatz finde, bin ich oft gar nicht erst aus dem Haus gegangen, das war furchtbar. Schrecklich war außerdem, dass bei mir zwei Mal eingebrochen wurde. Das Gefühl, dass die Einbrecher wieder kommen könnten, machte mir Angst. Ich fühlte mich dort nicht mehr sicher, insofern war es in vielerlei Hinsicht eine gute Entscheidung, den Wohnsitz zu wechseln.“

Der Tisch, der sieben Brände überstand
Wenn sie jetzt aus dem Fenster sehe, genieße sie die Natur mit ihrem saftigen Grün, schwärmt die Schauspielerin. Auch finde sie ihre kleinere Wohnung „kuschelig“. Alle Möbel stehen an ihrem Platz, sogar ein neuer „Stressless“-Fernsehsessel, und ein weitläufiger Garten bietet sich für Familienfeste an schönen Tagen an. Zum Einkaufen hat es Doris Kunstmann auch nicht weit. „Alles, was ich brauche, kann ich zu Fuß erreichen. Den Supermarkt ebenso wie die Apotheke, die Post und andere Geschäfte. Für mein Auto gibt es einen Parkplatz in der Garage und direkt vor der Tür (lächelt). In meinem Mehrparteienhaus gibt es sogar ein Schwimmbad, eine Sauna, einen Turnraum und einen Tischtennisraum. Mein Enkerl Cedric ist ein begeisterter Tischtennisspieler, er freut sich jedes Mal, wenn er hier ist und spielen kann. Diese Wohnung ist ein Geschenk des Himmels, denn ich musste gar nicht lange suchen.“

Wehmut schwingt in den Worten von Kunstmann nicht mit. Das Vergangene hat sie abgehakt, loszulassen ist für sie kein Problem. Nur ihr antiker Esstisch, der musste mit, an dem hängt die Schauspielerin. „Weil er mich schon mein ganzes Leben begleitet“, sagt sie. „Ich habe ihn gekauft, als Marc noch ein Baby war. An diesem Tisch hat alles stattgefunden, sämtliche Besprechungen, berufliche und persönliche Entscheidungen, alle Familienfeiern, schöne Partys. Ich erinnere mich sogar daran, wie Marc als Kind teilweise unter dem Tisch lag und spielte und nach einer Weile einschlief, während wir noch feierten (lacht). Sogar meine Scheidung wurde an diesem Tisch abgehalten. Der Tisch hat außerdem schon sieben Brände überlebt.“

Dass der Tisch eventuell noch ein Liebesgeplänkel miterleben wird, hält Doris Kunstmann ebenfalls für möglich. „Warum soll ich mich nicht noch einmal verlieben“, meint sie mit einem Lachen. „Ich gebe die Hoffnung nicht auf, schließlich hat meine Großmutter mit 73 Jahren noch ein Mal geheiratet.“
Hagemann
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