Jetzt anmelden
Ausgabe Nr. 40/2020 vom 29.09.2020, Fotos: BKA/Andy Wenzel, ALPLA/Christoph Hoffmann
Artikel-Bild
Leonore Gewessler, Christoph Hoffmann
Mehr Glasflaschen gegen den Plastikmüll?
Rund 900.000 Tonnen Plastikmüll fallen jährlich in unserem Land an. Im Kampf gegen die Plastikflut setzt Klimaschutzministerin Leonore Gewessler (Grüne) auf eine Pflichtquote für Mehrweg-Flaschen, vor allem aus Glas. Doch aus dem Handel und der Industrie regt sich Widerstand. Die „Plattform Verpackung mit Zukunft“ warnt sogar vor negativen Auswirkungen auf das Klima. Ein Gründungsmitglied davon ist das kunststoffverarbeitende Unternehmen „ALPLA Group“.
JA:
Leonore Gewessler,
Klimaschutzministerin (Grüne)

„Ich habe mich sehr gefreut, dass man Milch seit Kurzem wieder in Mehrwegflaschen aus Glas kaufen kann. Und ich weiß, dass es vielen da genauso geht wie mir. Wir haben in Österreich ein Problem mit Plastikmüll. Im kommenden Jahr werden es schon eine Million Tonnen Plastikabfall sein. Und das ist kein Wunder: Wenn wir ins Geschäft gehen, ist fast alles in Plastik verpackt – Chips, Süßigkeiten, Wurst, sogar Obst und Gemüse. Und auch viele Getränke gibt es nur noch in Wegwerfplastikflaschen. In manchen Geschäften gibt es überhaupt keine Mehrweg-flaschen. Früher war das anders. In den 90er-Jahren mussten Supermärkte in ganz Österreich Getränke auch in Mehrweg-flaschen anbieten. Die Kundinnen und Kunden hatten damals beim Einkaufen noch echte Wahlfreiheit. Sie konnten aussuchen, ob sie zum Beispiel zur Glas- oder zur Plastikflasche greifen. Es war selbstverständlich, leere Flaschen beim nächsten Einkauf wieder zurückzubringen. Damals hatten wir deutlich weniger Plastikmüll. Wenn das früher funktioniert hat, kann es auch in Zukunft funktionieren. Darum möchte ich, dass man wieder in jedem Geschäft in Österreich Mehrwegflaschen kaufen kann.“

NEIN:
Christoph Hoffmann,
ALPLA Group

„Auf das Klima haben die von Klimaschutzministerin Leonore Gewessler präsentierten Maßnahmen negative Auswirkungen. Dafür sprechen alle Daten, die uns vorliegen. Die Ministerin will eine Mehrwegquote einführen und setzt damit auf Glas. Die Ökobilanzen von Verpackungen belegen jedoch deutlich, dass etwa Glas-Mehrweg-Flaschen nur bei kurzen Transportwegen ökologisch sinnvoll sind. Werden die Flaschen zum Waschen und Befüllen weiter als rund 150 Kilometer transportiert, überwiegen hingegen die negativen Auswirkungen auf die Umwelt. Hier sind Mehrweglösungen aus Kunststoff klimafreundlicher. Auch Plastik-Einweg-flaschen mit einem hohem Anteil an wiederverwertetem Kunststoff können hinsichtlich Umweltauswirkungen überzeugen, immer vorausgesetzt, die gebrauchten Flaschen werden richtig entsorgt und aufbereitet. Eines ist aber unmissverständlich klarzustellen: In der Umwelt haben gebrauchte Verpackungen wie etwa Plastikflaschen nichts verloren. Denn wir brauchen sie auch dringend in größeren Mengen als heute im Wertstoffkreislauf, um neue Flaschen daraus herstellen zu können.“
Weitere Inhalte dieser Ausgabe:
Ihre Meinung
Ihre Meinung ist uns wichtig.

Schreiben Sie Ihren Kommentar zu diesem Artikel, den wir dann prüfen und veröffentlichen werden.
Bitte melden Sie sich an, um einen Kommentar zu verfassen.
Werbung