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Ausgabe Nr. 39/2020 vom 22.09.2020, Foto: Francesco Bergamaschi / robertharding / picturedesk.com
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Weinberge, mittelalterliche Dörfer und gutes Essen prägen die italienische
Region Piemont.
Den Wein der Könige schmecken
Der Genuss ist untrennbar mit der italienischen Region Piemont verbunden. Im kleinen Ort Barolo wird der gleichnamige Rotwein gekeltert, der als Wein der Könige in aller Munde ist. In der Stadt Alba wird im Spätherbst die weiße Trüffel serviert. Beide Orte gehören zu der vom Weinbau geprägten Landschaft Langhe-Roero, die zum Weltkulturerbe ernannt wurde.
Frühmorgens liegen die Weinberge des italienischen Dorfes Barolo noch in einem zarten Nebelschleier. Sobald er sich lichtet, herrscht Hochbetrieb in den umliegenden Weingärten. Ende September und im Oktober wird hier die spät reifende Nebbiolo-Traube gelesen.
Nur aus ihr darf der Barolo gekeltert werden. Der Rotwein, dessen Namensgeber der illustre Ort ist, gilt als Aushängeschild der norditalienischen Region Piemont.

Bis Ende des 18. Jahrhunderts war der Barolo ungenießbar. „Der Wein war ein süßes, grausliches Gesöff“, erzählt Francois Confino. Der gebürtige Franzose hat das im Ort Barolo ansässige Weinmuseum gestaltet, das im Schloss „Castello Comunale Falletti“ untergebracht ist.
Einst wohnte dort die Markgräfin Giulia Colbert Falletti von Barolo. Sie bat den französischen Kellermeister Louis Oudart, aus den Trauben, die auf ihrem Land wuchsen, einen edlen Wein herzustellen. „Oudart kelterte aus den Nebbiolo-Trauben trockene und hochwertige Rotweine“, sagt Confino.

Der Barolo lagert drei Jahre, ehe er verkostet wird
Die Markgräfin machte den Wein zum Botschafter des Piemont. Bald wurde er von Wohlhabenden sowie Adeligen gleichermaßen geschätzt. Es entstand die Redewendung „Barolo, der König der Weine, der Wein der Könige“.
Die Traube allein macht aber noch keinen Barolo. „Ein Barolo darf nur im gleichnamigen Ort sowie in zehn umliegenden Dörfern produziert werden. Er muss mindestens zwei Jahre im Eichenfass lagern und ein weiteres Jahr in der Flasche, ehe er in den Verkauf darf“, erklärt Confino. Die lange Lagerung ist notwendig, weil der Wein viel Gerbstoff und Säure enthält. Er braucht seine Zeit, um diese Schroffheit abzulegen. Erst nach zehn Jahren entfaltet der Barolo seinen eleganten Charakter. Der Einstiegspreis liegt bei 25 Euro pro Flasche.

Vom Geschmack des Barolo können sich die Besucher im Weinmuseum überzeugen. Im Keller, wo einst der französische Kellermeister hantierte, ist eine Vinothek untergebracht. „In den anderen Räumlichkeiten des Schlosses dreht sich alles um die Nebbiolo-Traube. Die Besucher lernen aber nicht, wie Wein hergestellt wird, sondern welche Beziehung der Ort zum Wein hat“, erzählt Confino.

Um eine Flasche zu öffnen, bedarf es eines Korkenziehers. Kuriose Exemplare finden sich im Korkenziehermuseum unweit des Schlosses. Besucher können in den Vitrinen 500 verschiedene Korkenzieher bestaunen.
Sie bestehen aus Holz, Eisen, Knochen, Bronze und sogar Elfenbein. Eine Vitrine ist Miniatur-Korkenziehern für Parfüms und Medikamente gewidmet, die für Wohlhabende von Goldschmieden hergestellt wurden. Oft sind sie mit den Wappen oder den Initialen der Familien verziert.
Reiche Adelsfamilien gab es in der Region früher in der Stadt Alba. Sie trägt den Beinamen „Hunderttürmige Stadt“, weil jede wohlhabende Familie einen Turm bauen ließ. Bis heute sind noch einige der Türme erhalten geblieben.

Alba befindet sich 15 Kilometer von Barolo entfernt. In der Hügellandschaft rund um die Stadt, die Langhe-Roero benannt wird und zum Weltkulturerbe ernannt wurde, wächst die Rebsorte Barbera. Daraus wird der Rotwein Barbera d‘Alba gekeltert.
Im Spätherbst pilgern Gourmets nicht nur wegen des Weines, sondern auch wegen eines edlen Speisepilzes in die Stadt. In der Umgebung rund um Alba wächst die weiße Trüffel. Der Delikatesse ist eine Trüffelmesse gewidmet, die dieses Jahr von 10. Oktober bis 8. Dezember stattfinden soll.

Die weiße Trüffel aus Alba ist eine Delikatesse
„Die Trüffel wird nur in dieser Zeit gefunden“, erzählt Liliana Allena, die ehrenamtliche Präsidentin der Trüffelmesse. „Sie wächst unter der Erde. Es braucht eine gute Spürnase eines Hundes, um sie zu finden. Früher wurden auch Schweine eingesetzt, doch sie sind in Italien mittlerweile verboten. Sie fangen bei einem Fund sofort zum Wühlen an und können dabei das Pilzgeflecht schwer beschädigen oder sogar zerstören“, erklärt die Italienerin.
Ein Trüffelsucher mit ausgebildetem Vierbeiner findet pro Tag höchstens 80 Gramm von der Spezialität. Aus diesem Grund ist die weiße Trüffel teuer. „Die Trüffel wird Gerichten gerne roh gerieben hinzugefügt. Geriebene zehn Gramm kosten 28 Euro.“

Zur weißen Trüffel mundet am besten ein Weißwein, zur schwarzen Trüffel ein Rotwein. „Passend zur weißen Trüffel wäre der Weißwein ,Roero Arneis‘. Zum Dessert schmeckt der Schaumwein Asti Spumante, er ist der bekannteste Süßwein Italiens“, erzählt Allena. Der Schaumwein kommt aus Asti, der Stadt der Kunst. Sie liegt eine halbe Autostunde von Alba entfernt.
Asti bietet mittelalterliche Paläste, eine historische Altstadt und eine Kathedrale, die zu den bedeutendsten des Piemonts gehört. „Im Piemont ist in nahezu jedem Ort Wein, Kultur und Genuss daheim“, schwärmt die Italienerin.
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