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Ausgabe Nr. 39/2020 vom 22.09.2020, Foto: T. Narayan/Bloomberg/Getty Images
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Corona-Schnelltests könnten unser Leben normaler machen.
Ein Ergebnis nach wenigen Minuten
Pflegeheim-Bewohner nicht wegsperren, sondern Besucher innerhalb von Minuten testen. Das könnte mit neuen Corona-Schnelltests möglich sein. Ebenso wie Massentests vor Veranstaltungen. Oder ein schneller Test beim Hausarzt.
Husten, leichtes Fieber, Atemnot. Als eine Wienerin an einem Wochenende die Gesundheits-Telefonnummer 1450 wegen eines Corona-Tests wählte, kam sie zwar nach einigen Minuten durch. Doch dann folgte die Ernüchterung. Es könne bis Dienstag dauern, ehe ein Test-Team vorbeikäme, hieß es. Ein privater Gurgeltest, am Wochenanfang im Labor abgeliefert von einem gesunden Bekannten der Frau, brachte innerhalb weniger Stunden die Erleichterung. Das Test-Ergebnis war negativ. Das kostete aber 120 Euro aus der eigenen Tasche.
Immer wieder erzählen Betroffene, die sich an das Corona-Telefon wenden, von langen Wartezeiten auf einen Test und das Ergebnis.
In Wien will SPÖ-Bürgermeister Michael Ludwig jetzt das Personal deutlich aufstocken. Experten fordern zudem, dass auch Hausärzte künftig Corona-Tests machen sollen.

Antigen-Tests weisen Eiweiße nach
Doch viele Hoffnungen ruhen auf Corona-Schnelltests. Damit sind vor allem Antigen-Tests gemeint. Sie weisen Eiweiße von der Oberfläche des Virus nach. Beim PCR-Verfahren wird hingegen das Erbgut des Erregers aufgespürt. Die Abkürzung PCR steht für Polymerase-Ketten-Reaktion.
Die Auswertung von PCR-Tests dauert mehrere Stunden. Bei Antigen-Tests liegt schon nach wenigen Minuten das Ergebnis vor. Noch wird allerdings geprüft, in welchem Umfang Corona-Infektionen damit auch tatsächlich gefunden werden können.
Manche Experten gehen davon aus, dass die Schnelltests jedenfalls bei hochinfektiösen Fällen recht genau sind. Die Hersteller geben eine hohe Trefferquote an.
„Bei den Antigen-Tests sind wir mitten in der Bewertung“, sagt Georg Mustafa, der Präsident der Österreichischen Gesellschaft für Laboratoriumsmedizin und Klinische Chemie.

Unabhängige Studien bewerten die Schnelltests
„Nach ersten Tests schaut es durchaus vielversprechend aus, aber noch müssen wir Daten sammeln und können nichts Abschließendes sagen.“ Im Laufe des Oktobers, vielleicht aber auch schon früher, soll feststehen, ob die Antigen-Tests halten, was sie versprechen.
Die hiesige Gesundheitsagentur AGES plant etwa derzeit eine Studie mit zwei verschiedenen Antigen-Tests. Sie soll an zwei Universitätskliniken mit jeweils hundert Teilnehmern durchgeführt werden.

„Ich persönlich sehe sie durchaus als eine reale Chance, die PCR-Tests zu ergänzen und in gewissen Bereichen zu einer erheblichen Entlastung beizutragen“, ist der Salzburger Labormediziner Mustafa optimistisch. „Stellen wir uns vor, das Antigen-Verfahren wird in einem Seniorenwohnheim eingesetzt für die Menschen, die etwa von Verwandtenbesuchen zurückkommen. Es wäre gut, am Eingang einen solchen Test zu haben, der zeigt, wer infiziert ist und wer nicht.“ Aber auch der Hausarzt könnte demnächst innerhalb von Minuten herausfinden, ob es sich um eine Verkühlung oder eine Corona-Infektion handelt.
Allerdings ist derzeit auch für die Antigen-Tests ein Nasen-Rachen-Abstrich notwendig. Und der ist aufwändig, erfordert geschultes Personal und Schutzkleidung.

Das war auch beim Pilotprojekt mit 3.000 Studenten der Wirtschaftsuniversität im Wiener Austria Center zu sehen. Vor den Einführungsvorlesungen wurden sie mit einem Schnelltest des deutschen Herstellers „nal von minden“ unter die Lupe genommen. Insgesamt fünf Tests waren positiv. Ähnlich wie bei einem Schwangerschaftstest zeigen ein oder zwei Striche auf der Testkassette, ob jemand negativ ist oder positiv. Für größere Veranstaltungen ist das ein Hoffnungsschimmer, weil rasch Ergebnisse vorliegen. „Ein rundum positives Fazit“ zieht deshalb auch der Sprecher der Wiener Austria Centers.

Antigen-Tests bieten mehrere Firmen an. Der Schweizer Pharmakonzern Roche will Ende September einen Antigen-Schnelltest auf den Markt bringen. „Pro Monat werden weltweit 40 Millionen Tests zur Verfügung stehen. Die Kapazitäten werden bis Jahrsende verdoppelt“, heißt es bei Roche. Auch bei uns soll er verfügbar sein.

Vier von zehn Infizierten sind bis 19 Jahre alt
Rund die Hälfte der Corona-Infektionen konnte laut den Daten der Corona-Kommission Mitte September einer Quelle zugeordnet werden.
  • 10 Prozent hingen mit Reisen zusammen.
  • 28 Prozent der positiv Getesteten zeigten keine Symptome.
  • Die Intensivstationen waren zu 2,1 Prozent ausgelastet.
  • Es waren vor allem jüngere Menschen, die sich ansteckten. 43 Prozent waren in der Altersgruppe bis 19 Jahre, knapp ein Drittel bei den 20- bis 49jährigen, ein Fünftel in der Gruppe 65 Jahre und älter. Den kleinsten Anteil der positiv Getesteten machten mit 6,8 Prozent die 50- bis 64jährigen aus.
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LauraRohrer
Schnell Schnelltests, bitte!
Sehr geehrte Damen und Herren,

da ich einen Coronafall in meiner Klasse hatte, weiß ich, dass der Plan mit dem Testen Mängel aufweist. Ich und meine Kollegen, die als K2 eingestuft wurden, also nicht direkt neben dem Infizierten saßen, besuchten noch drei Tage nach Bekanntwerden der Erkrankung des Mitschülers den Unterricht. Erst danach bekamen wir den für den Test benötigten Code zugeschickt. Das Testergebnis erhielt ich nach 5 Stunden. Ich frage mich, warum nicht jede Schule von vornherein 10 Gurgeltests vorrätig hat für den Fall, dass aufgrund einer Erkrankung sofort die gesamte Klasse getestet werden kann und somit nicht unnötig Zeit verstreicht, in der es wiederum zu Ansteckungen kommen kann. Außerdem liegt das Testergebnis eines Schnelltests nach 15 Minuten vor. Hier geht wertvolle Zeit verloren!

Mit freundlichen Grüßen,
Laura Rohrer
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