Jetzt anmelden
Ausgabe Nr. 38/2020 vom 15.09.2020, Foto: ALKIS KONSTANTINIDIS / REUTERS / picturedesk.com
Artikel-Bild
Die EU hätte den Menschen in Moria schon früher helfen müssen.
Die geheuchelte Flüchtlingshilfe
Europas größtes Flüchtlingslager stand in Flammen. Rund 13.000 Menschen haben alles verloren. Um die Aufnahme von Kindern aus dem griechischen Elendslager Moria ist ein heftiger Streit entbrannt. Reagieren hätte die EU aber schon viel früher müssen.
Sie haben die Flammenhölle von Moria überlebt und sehen einer ungewissen Zukunft entgegen. Rund 13.000 Menschen haben nach dem Brand in dem Flüchtlingslager Moria auf der griechischen Insel Lesbos alles verloren. Sie hoffen auf ein Leben in europäischen Ländern.

Doch die EU ist in der Flüchtlingsfrage gespalten wie eh und je. Einige Staaten wollen Migranten aus Moria aufnehmen, andere weigern sich. Darunter auch unser Land, wenngleich die türkis-grüne Koalition tief gespalten ist.

Denn während die Grünen Kinder aus Moria aufnehmen wollen und sich „kampfbereit“ zeigen, bleibt ÖVP-Bundeskanzler Sebastian Kurz hart. Er verweist auf 3.700 Kinder, denen in unserem Land heuer Asyl gewährt wurde.

„Wir nehmen deutlich mehr auf als andere und sind in Europa am drittstärksten betroffen“, ist er überzeugt. Die Hilfe vor Ort sei laut Kurz nachhaltiger.

„Wenn jetzt einige EU-Länder Kinder aufnehmen, ist das Symbolpolitik“, sagt Kurz in Anspielung auf Deutschland und Frankreich. Denn die deutsche Kanzlerin Angela Merkel (66, CDU) und der französische Präsident Emmanuel Macron, 42, wollen 400 Kinder aus Moria in der EU verteilen. Was mit den Tausenden anderen Menschen geschehen soll, bleibt vorerst aber offen. Eine heuchlerische Flüchtlingshilfe, denn Merkel und Macron haben bislang tatenlos die Missstände im Lager Moria hingenommen. Wie alle anderen Regierungen.

Indessen griff Luxemburgs Außenminister Jean Asselborn Bundeskanzler Kurz frontal an. „Er hat diese erbärmliche Situation als Allererster zu verantworten“, sagt er. „Ganz Europa ging Kurz‘ Gerede auf dem Leim, man müsse nur die Grenzen schließen, damit sich das Flüchtlingsproblem erledige“, kritisiert Asselborn.

In dem rund 16 Quadratkilometer großen Lager Moria lebten zeitweise, auf engstem Raum zusammengepfercht, bis zu 20.000 Menschen. Ausgelegt war es für 2.800. Die meisten der ehemaligen Moria-Bewohner kamen aus Afghanistan (rund 10.000), ein kleinerer Teil aus Syrien (8 Prozent) und dem Kongo (7 Prozent).

Zuletzt war das Lager wegen einer Corona-Ausgangssperre von der Außenwelt abgeschnitten. Schon vorher gab es Unruhen. Corona brachte das Fass zum Überlaufen.

Bis die Flüchtlinge selbst Feuer legten und das Lager niederbrannten. Das steht für die griechische Regierung fest. „Mit solchen Aktionen verhindern sie aber jede Lösung“, sagt der Sprecher der griechischen Regierung, Stelios Petsas. „Gelungen ist den Brandstiftern lediglich, Tausende Menschen obdachlos zu machen.“ Aber auch, die Regierungen zu Taten zu zwingen. rb
Weitere Inhalte dieser Ausgabe:
Ihre Meinung
Ihre Meinung ist uns wichtig.

Schreiben Sie Ihren Kommentar zu diesem Artikel, den wir dann prüfen und veröffentlichen werden.
Bitte melden Sie sich an, um einen Kommentar zu verfassen.
Werbung