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Ausgabe Nr. 38/2020 vom 15.09.2020, Fotos: Friedrich / Interfoto / picturedesk.com, mptv / picturedesk.com
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Sie galt als eine der begehrenswertesten Frauen ihrer Zeit.
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Marilyn Monroe und ihr Hund „Maf“, ihr letzter Begleiter.
Prominente Menschen und ihre geliebten Haustiere
Sie war berühmt, verheiratet und hatte zahlreiche Affären. Doch im Herzen blieb die Schauspielerin Marilyn Monroe allein. Trost gab ihr nur ihr kleines Hündchen, das sie „Maf“ getauft hatte. Ein Begleiter bis in ihren Tod. Über die Liebe der Schauspielerin zu ihrem Hund berichtet die Autorin Anja Rützel in ihrem Buch „Schlafende Hunde“, aus dem wir in dieser und den folgenden drei Wochen berichten.
Im Leben von Marilyn Monroe gab es viele Liebschaften. Die schönsten waren jene zu Hunden. Die erste innige Beziehung zu einem Vierbeiner hatte Monroe, da hieß sie noch Norma Jeane. „Tippy“ bekam sie von ihrem Pflegevater geschenkt, in dessen Familie sie gelandet war, weil ihre Mutter wegen ihrer Schizophrenie nicht für sie sorgen konnte. „Tippy“ war ein schwarzweißer Mischling, ein Streuner, der jeden Tag sein Mädchen in die Schule begleitete. Dort wartete er auf sie und in der Pause spielten die beiden gemeinsam. Ein paar Jahre später schrieb das Mädchen ein Gedicht für den Hund, es heißt „Der Hund, der beste Freund des Menschen (Hommage an ,Tippy‘)“.

Der rätselhafte Tod des kleinen "Tippy"
Es beschreibt, wie sie, ihr Pflegebruder Lester und „Tippy“ jeden Tag gemeinsam die Vorschule besuchten. Leider geht das Gedicht nicht gut aus, die letzten beiden Strophen erzählen von „Tippys“ grausigem Ende. Ein Mal zu viel rollte sich der Hund auf dem Rasen des Nachbarn herum. „Tippy“ starb, als Norma Jeane ungefähr sechs Jahre alt war. „Der Nachbar hat den Hund erschossen, weil er sich davon belästigt fühlte, dass sich ,Tippy‘ gern einmal vor Behagen in seinem Garten herumwälzte“, sagte ihre Pflegemutter.

Wie der Hund tatsächlich zu Tode kam, bleibt allerdings rätselhaft. Monroe erzählte später, der Nachbar habe ihren Hund mit dem Spaten erschlagen und beinahe in zwei Hälften geteilt. Ihre Pflegemutter behauptete, sie habe die Geschichte mit dem Erschießen erfunden, damit sich Klein Norma Jeane keine Vorwürfe machte, sie hätte besser auf den Hund aufpassen müssen. Denn tatsächlich sei er überfahren worden.

„Tippy“ blieb in der Erinnerung der wohl berühmtesten Blondine der Welt, die von 1926 bis 1962 gelebt hat, stets lebendig. Das war wohl mit ein Grund, warum die Schauspielerin immer wieder ihr Herz an Vierbeiner verlor. Unter anderem an „Muggsie“, einen Collie, den sie während ihrer ersten Ehe mit James Dougherty adoptierte, dann kam „Josepha“, ein Chihuahua, ein Geschenk zu ihrem 24. Geburtstag. Mit dem Schriftsteller Arthur Miller, den Monroe im Jahr 1956 geheiratet hat, trat „Hugo“ in ihr Leben, sein Basset.

Doch der Hund ihres Lebens, der sie betrauerte, als sie für immer ging, war „Maf“. Ein Vierbeiner wie ein Fussel. Geboren wurde er im Jahr 1960 auf einem schottischen Bauernhof und wuchs bei der Schwester der berühmten britischen Schriftstellerin Virginia Woolf auf, ehe er an einen Hundehändler in der südenglischen Grafschaft Sussex verkauft wurde. Dort entdeckte ihn Maria Gurdin, eine russische Emigrantin und Mutter der Filmschauspielerin Natalie Wood, die ihn mit nach Amerika nahm. Der Welpe sollte ein Geschenk für Woods Freund, den Sänger Frank Sinatra, sein. Der hatte allerdings noch eine andere Freundin namens Marilyn, an die er den Hund weitergab. Sie nannte ihn „Maf“, eine Kurzform für Mafia. Eine ironische Anspielung auf Sinatras angebliche Verstrickungen in die Abgründe des organisierten Verbrechens. „Da diese gedankliche Verbindung aber zu grausig für einen kleinen Hund war, hängte Monroe noch einen zuckrigen Zweitnamen an. Mit vollem Namen hieß ihr Hund ‚Mafia Honey‘ (Süßer)“, schreibt die Autorin Anja Rützel in ihrem Buch „Schlafende Hunde. Berühmte Menschen und ihre Haustiere – Zehn Liebesgeschichten“.

Welcher Rasse „Maf“ angehörte, ist nicht ganz klar. Seine Eintragung in das New Yorker Hundemelderegister vom 18. Juli 1961 listet ihn als fünf Monate alten Pudel, ein Jahr später wurde er auf der anderen Seite Amerikas in Los Angeles als Malteser eingetragen. Die Wahrheit ist vielleicht ein seidiger Mix aus beidem.

Es gibt eine Reihe von Schnappschüssen, die Monroe machte, als „Maf“ gerade bei ihr eingezogen war. Kleiner Hund auf großem Sessel, ein bisschen verloren auf dem großen zerknautschten Bett, unaufgeräumte Bilder, bei denen die Fotografin so auf ihr Süßtier fixiert war, dass sie den schiefen Hintergrund gar nicht sah.

Die beiden schienen sich ähnlich. Auf den Bildern wirkte der Hund irgendwie verloren. Als suche er seinen Platz in der Welt. Genau so erging es Monroe beim Film. Ihre Kollegin Celeste Holm verglich deren schauspielerische Qualitäten sogar einmal mit denen eines Welpen. „Selbst einem Hundewelpen wird es gelingen, vor der Kamera süß und albern herumzutollen, wenn er nur genügend ermuntert wird“, meinte sie. Als Holm Marilyn Monroe zum ersten Mal sah, sei ihre natürliche Reaktion eine Frage gewesen, heißt es: „Wem gehört dieses Mädchen?“, habe sie wissen wollen, als frage sie, wem das kleine, niedliche Hündchen denn gehöre. Monroe hatte die passende Antwort darauf schon bei anderer Gelegenheit gegeben. „Hunde haben mich nie gebissen. Menschen schon.“

Wie Monroe und „Maf“ ihren Alltag verbrachten, ist nicht näher bekannt. Sicher ist, dass der kleine Vierbeiner Einzug in das Haus der Schauspielerin hielt, um sie nach der gescheiterten Ehe mit dem Schriftsteller Arthur Miller zu trösten. Sie ließ sich im Jänner 1961 scheiden, am selben Tag, an dem John F. Kennedy zum Präsidenten Amerikas vereidigt wurde. Anschließend zog sie mit „Maf“ von New York zurück nach Hollywood und richtete sich ihr Haus mit einem Schwimmbecken ein. Von ihrer zweiten Ehe blieb nur der teure, weiße Biberfell-Mantel, den ihr Miller geschenkt hatte, und auf dem sie nun „Maf“ schlafen ließ. „Ich lebe hier ganz allein mit meinem kleinen, weißen Schneeball“, sagte Monroe, wenn sie nach ihren Lebensumständen gefragt wurde. Und sie schrieb „Allein!!!! Ich bin allein“ in eines ihrer schwarzen Notizbücher. „Ich bin immer allein, egal, was ist.“

Allein, bis auf „Maf“. Er hat sie durch ihre letzten eineinhalb Jahre ihres Lebens begleitet. Als letztes beschmustes Wesen, als letzte von kleinlichen Missverständnissen unberührbare Liebe, die seiner Position als Schoßhund, dieser oft als verhätschelnde Spielerei eingestufte Hunderolle, einen sonderbaren Ernst verlieh.

Viele Hollywood-Darstellerinnen hielten sich zu Monroes Zeit ähnlich handliche Hündchen. Elizabeth Taylor und Bette Davis hatten ebenfalls Malteser, Audrey Hepburn einen Yorkshire Terrier namens „Mr. Famous“, und Orson Welles schenkte Rita Hayworth einen kleinen Schoß-Spaniel.

„Verglichen mit anderen berufstätigen Hunden, die schützen oder jagen, mag der kuschellastige Tätigkeitsbereich eines Schoßhundes belächelt werden“, schreibt Anja Rützel, selbst Hundebesitzerin, „doch ein Blick in Monroes letzte Lebensmonate lässt ahnen, wie wichtig ihr ,Maf‘ als verlässlicher, niemals urteilender Tröster und Vertrauter war.“

Denn da gab es die Gerüchte um ihre Affären, ein Mal mehr, dann wieder weniger gefestigt, mit dem Präsidenten Kennedy, seinem Bruder Bobby, mit Sinatra und dem Mafioso Sam Giancana. Da waren die aufreibenden Psychoanalyse-Sitzungen und die depressionsbedingte Zwangseinweisung in die Psychiatrie. Monroe brauchte „Maf“. Retten konnte aber auch er sie nicht.

Es ist bekannt, dass die Schauspielerin an ihrem letzten Abend wie immer ihr Telefon aus dem Schlafzimmer in den Gang stellte und unter einem Berg von Polstern begrub, um nicht geweckt zu werden. Weil „Maf“ nachts gern den Wind anbellte, der in den aufgehängten Glasmobiles im Garten bimmelte, brachte ihn Monroe zum Schlafen ins Gästehaus, wo der Bibermantel lag.

Monroe starb am 5. August 1962 mit 36 Jahren an einer Überdosis Schlafmittel und hinterließ nur ihren kleinen Hund. Ein Foto, kurz nach dem Tod der Schauspielerin aufgenommen, zeigt ihren Garten mit dem Schwimmbecken, verlassen und leer. Erst wenn das Bild genauer betrachtet wird, sind am Rand des Beckens „Mafs“ verstreute Spielsachen zu sehen. Zwei dorthin verschleppte Stofftiere. „Es ist nicht einmal richtig zu erkennen, was sie genau darstellen sollen“, meint Rützel, „aber der Betrachter versteht sofort, was sie sagen: Sie war nicht allein. Hier ist jemand gestorben, der einen kleinen Hund hatte, und auch diese Freundschaft konnte ihr nicht helfen. Das macht das Traurige gleich noch ein bisschen schlimmer.“

Auf dem letzten Foto, das es von „Maf“ gibt, wird er von einem Polizisten aus dem Haus geführt. Später nimmt ihn Sinatras Sekretärin Gloria Lovell auf. Zwölf Jahre nach dem Tod Monroes endete auch das Leben von „Maf“ auf tragische Weise. Er wurde im Jahr 1974 von einem Milchwagen überfahren. Seine Hundemarke wurde im Jahr 1999 für 63.000 Dollar versteigert, ein Set aus sechs Polaroid-Fotos, das ihn und Monroe zeigt, für 220.000 Dollar.

Aus dem Buch: Anja Rützel „Schlafende Hunde“
Berühmte Menschen und ihre Haustiere - zehn Liebesgeschichten/2020 Verlag Kiepenheuer & Witsch, Köln
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