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Ausgabe Nr. 37/2020 vom 08.09.2020, Foto: HERBERT NEUBAUER / APA / picturedesk.com
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Strache will sich in Wien gegen die Linken aus Rot-Grün positionieren. Sein Werbespruch: Gemeinsam. Aufstehen. Für Wien.
"Ich werde der Stachel im Fleisch sein"
Dieser Tage hat Heinz-Christian Strache seinen Wahlkampf um den Einzug in den Wiener Gemeinderat begonnen. Mit seiner neuen Partei Team HC Strache. Er möchte eine starke Opposition zu Rot-Grün sein, so es am 11. Oktober der Wille des Wahlvolkes ist. Er rechnet fest damit.
Ruhe geben will er nicht. Während sich noch Politiker um die Aussagen und die Auswirkungen des „Ibiza-Videos“ streiten, wirft sich Heinz-Christian Strache, 51, in das nächste politische Abenteuer. Er möchte mit seiner neuen Partei Team HC Strache bei der Wien-Wahl am 11. Oktober in den Gemeinderat einziehen. Dafür muss er mindestens fünf Prozent der Wählerstimmen bekommen. Ihm schwebt jedoch ein zweistelliges Ergebnis vor.

Herr Strache, Sie haben in der Vorwoche Ihren Wahlkampf für die Wien-Wahl begonnen. Wie werden Sie die nächsten Wochen gestalten?
Nach der Auftaktveranstaltung in Wien-Donau-
stadt geht es zu diversen Beisltouren, Oktoberfesten, Standl-Aktionen und zu Wirten. Mitte September haben wir am Viktor Adler Markt eine große Veranstaltung, und dann gibt es noch viele Medientermine.

Ihre Kandidatur war nicht einfach …
Stimmt, erst hieß es, dass wir die nötigen Unterstützungen nicht schaffen werden, und dann kam die Wohnsitzdebatte. Spannend dabei ist, dass sich meine ehemaligen Weggefährten mit der linkslinken Partei Wandel zusammengetan haben.

Wie erklären Sie sich, dass ehemalige Freunde, die gar nicht mehr in der Politik sind, immer wieder gegen Sie ihre Stimmen erheben?
Das waren nie Freunde von mir. Westenthaler und Grosz haben mich schon in meiner jungen Zeit innerhalb der FPÖ als Konkurrenten gesehen und versucht, mich zu verhindern. Ich habe mich durchgesetzt und die sind beim BZÖ gelandet. Herr Westenthaler hat in Wien 2005 gegen mich kandidiert. Er hatte ein Prozent und ich 15 Prozent. Das hat sich 2006 bei der Nationalratswahl fortgesetzt. Er war Spitzenkandidat des BZÖ und ich der FPÖ. Ich hatte elf Prozent und er schaffte mit knapp vier Prozent gerade den Einzug. Aber nicht wegen ihm, sondern wegen Haider, der in Kärnten so ein gutes Ergebnis hatte. Als ich Vizekanzler wurde, sind beide freundlichst vorstellig geworden und wollten sich versöhnen. Ich bin ja nicht nachtragend. Als ich dann aber zurückgetreten bin, sah ich wieder die alten Charaktere.

Mit Ihrem Wissen könnten Sie die Schlammschlacht ausdehnen …
Könnte ich, aber ich glaube, genau das macht den Unterschied aus. Das ist nicht mein Zugang. Die Menschen haben es satt, dass so viel mit Dreck geschmissen wird. Der Dreck fällt außerdem auf einen zurück. Das ist nicht mein politisches Verständnis. Es geht um die wirklichen Probleme der Menschen. Ich habe ein Herz, eine Verantwortung und ein Feuer, weil ich weiß, was alles schiefläuft.

Was denn?
Alleine schon was die Menschen wegen der Corona-Epidemie zu verkraften haben, denn das wahre Problem kommt ja erst auf uns zu. Die Selbstmordrate hat sich bereits verzehnfacht, wovon keiner spricht. Ältere Menschen sind von verschobenen Operationen betroffen, können nicht zur Kur oder Therapie. Viele Menschen haben wirtschaftliche Sorgen. Ich denke an die Mindestrentner, die bis heute nicht die 1.200 Euro Mindestpension bekommen. Ich mache mich für einen Pensionsscheck von 200 Euro pro Jahr stark. Es geht um Lösungen, damit es den Menschen besser geht, aber nicht um Schmutzkübelkampagnen. Das widert die Menschen an. Da darf man sich über Politikverdrossenheit nicht wundern. Das lenkt von den wahren Problemen ab.

Welchen Prozentsatz an Wählerstimmen erwarten Sie für Ihre Partei?
Es geht nicht um eine Erwartungshaltung, sondern ich setze mich mit Herz für die Wiener ein. Da läuft so viel falsch. Von der Luftsteuer der Gastronomen trotz Corona-Krise bis hin zur Zwangsimpfung, weil es da um die eigene persönliche Entscheidung geht. Die muss jeder frei treffen können. Es geht um Grundrechte, Bürgerrechte, Meinungsfreiheit. Es geht um unsere demokratischen Rechte. Ich möchte in Wien die direkte Demokratie verankern. Ich werde der Stachel im Fleisch sein.

Gut, also wie viel Prozent wünschen Sie sich?
Ich habe gezeigt, dass ich nicht nur geredet, sondern auch umgesetzt habe. Wir schaffen den Einzug, aber je stärker wir sind, umso besser. Wenn wir das Vertrauen der Wiener gewinnen und zweistellig werden, dann gibt das ein Erdbeben und ist der Start für ganz Österreich. Es heißt ja so schön: A echter Wiener geht nicht unter, und da bin ich das Original. Bei der Wien-Wahl im Oktober gilt: Was tut dem Regierenden am meisten weh? Eine Stimme für HC.

Sind Sie überhaupt fit für einen harten Wahlkampf, Sie hatten ja eine schwere Knieoperation …
Nach meinem Schiunfall im Februar hatte ich einen Riss des Innen- und Außenmeniskus sowie einen Kreuzbandriss. Der Meniskus wurde operiert, das Kreuzband ist noch gerissen, aber ich kann leicht trainieren. Wegen Corona konnte ich keine Therapie machen und muss abwarten, ob es ohne Kreuzband geht oder ob ich operieren muss. Ich möchte ja wieder normal Sport treiben und das Knie belasten. Es ist mühsam, aber momentan hat die Politik Vorrang.

Stimmt es, dass es in Ihrer Ehe kriselt?
Nein, ich lebe mit meiner Frau in räumlicher Trennung. Ich wollte meine Familie nicht belasten. Das sind auch psychisch schwierige Zeiten. Abgesehen davon komme ich oft erst um ein Uhr heim. Da brauche ich wirklich nicht auch noch den Partner aufwühlen. Da muss ich selbst schauen, wieder zur Ruhe zu kommen.

Und nach der Wahl?
Das mit unseren Wohnsitzen ist kein dauerhafter Zustand, da müssen wir uns was überlegen. Die Adressen sind ja veröffentlicht worden, obwohl ich seit Jahren Morddrohungen bekomme. Da sind alle moralischen Grenzen gefallen, auch bei den Medien. Bei meiner nächsten Adresse gibt‘s einen Sperrvermerk, zum Schutz meiner Familie.
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