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Ausgabe Nr. 36/2020 vom 01.09.2020, Fotos: Bernd Thissen / dpa / picturedesk.com, Roof Records
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Helge Schneider.
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Das neue Album von Helge Schneider ist seit Freitag im Handel. Er hat es bei sich daheim aufgenommen.
Wieder als Pferdeschmied arbeiten
Er hat sich selbst ein Geburtstagsgeschenk gemacht. Am Freitag, dem 28. August, veröffentlichte der deutsche Sänger, Multi-Instrumentalist und Musikclown Helge Schneider sein neues Album „Mama“. Zwei Tage später feierte er seinen 65. Geburtstag. Im Gespräch mit dem WOCHE-Reporter Olaf Neumann erzählt der Künstler nicht nur von seinem neuen Werk, sondern auch, wie ihn das kleinbürgerliche Elternhaus geprägt hat.
Herr Schneider, welcher Sound schwebte Ihnen vor, als Sie das neue Album „Mama“ planten?
Ein natürlicher, warmer Sound ohne Synthesizer. Ich wollte überhaupt nichts Metallisches. Ich habe ein Klavier, das eine bestimmte Atmosphäre in die Aufnahmen bringt. Das klingt alles so direkt, als würde der Zuhörer daneben-stehen. Beim Schlagzeugspielen mit Besen achte ich darauf, dass mir nicht langweilig wird. Der Rhythmus sollte direkt in den Körper gehen. Ich bin ja Swing-Musiker.

Die Themen sind breit angelegt …
Ich suche mir immer so etwas aus wie „Roswitha, die Striptease-Tänzerin“. Das muss mit Saxofon gespielt werden. Und bei dem Stichwort „Bouillon de Paris“ aus dem Song „Forever At Home“ habe ich sofort an ein Akkordeon gedacht.

„Ich will nicht funktionieren, ich will kreativ sein“, heißt es in Ihrer Autobiografie. Ist das ein Leitsatz?
Ja – und er gilt immer noch.

Sie sind in kleinbürgerlichen Verhältnissen aufgewachsen. Wie prägend war Ihr Elternhaus?
Auf der einen Seite bin ich sehr ordnungsliebend und kann in einem kleinen Zuhause leben. Andererseits mache ich genau das Gegenteil: Ich habe 60 Gitarren, fünf Flügel, Kontrabässe, alte Autos und Motorräder. Meine kleinbürgerliche Herkunft hält mich aber auf dem Teppich. Ich versuche zum Beispiel, keine Schulden zu haben. Und Kinder kosten ja auch Geld.

Waren die Kinder geplant?
Ach, da denkt doch mit 26 Jahren noch niemand daran. Ich wollte immer nur Musik machen. Ich hatte 1.000 Arbeiten und habe ein Mal hier und ein Mal da gespielt. Dann kamen plötzlich drei Kinder auf einmal. Die Mutter ist eine ziemlich selbstständige Frau, die viel übernommen hat, weil ich öfter auf Tournee war.

Sind Ihre Kinder genauso rebellisch wie Sie selbst?
Natürlich. Spätestens in der Pubertät fangen sie an, sich irgendwie von den Eltern zu entfernen und sich für ihren lustigen Vater eine Zeitlang zu schämen. Schlimm finde ich für die Kinder, dass eine Gesellschaft ohne Mobiltelefon anscheinend nicht mehr funktioniert. Vor allem, als sie Heimunterricht hatten, zeigte sich, dass das Internet einen großen Anteil im Leben einnimmt. Meine Enkelin machte ihre gesamten Hausaufgaben am Mobiltelefon.

Waren Ihre Eltern musikalisch?
Meine Mutter hat Gitarre gespielt. Mein Vater war ein Witzemacher.

Jetzt, in der Corona-Krise, können Sie keine großen Konzerte spielen. Denken Sie zuweilen: Die Stille ist eigentlich schön, ich will gar nicht mehr auf Tour gehen?
Das wäre schön, für eine gewisse Zeit. Aber in zwölf Monaten ist mein Geld alle. Und wenn ich dann nicht auf Tournee gehen kann, muss ich wieder arbeiten: als Zahnarzt, Paketzusteller oder Pferdeschmied.
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