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Ausgabe Nr. 36/2020 vom 01.09.2020, Foto: Alex Livesey - FIFA/FIFA via Getty Images
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Unsere Fußball-Nationalelf trifft gegen Norwegen auf Jungheld Erling Braut Haaland.
Brautschau auf grünem Rasen
Im Fußball-Millionengeschäft gilt Erling Braut Haaland, 20, als vielleicht heißeste Aktie weltweit. Ihn kaltzustellen, wird für unsere Nationalelf oberstes Ziel sein, wenn sie am Freitag zum Auftakt der Nations League auf Norwegen trifft.
Die erste Sinneswahrnehmung von Erling Braut Haaland, 20, in der Früh ist das Hören der Champions-League-Hymne, mit der ihn sein Wecker aus dem Schlaf holt. „Davon kann ich nicht genug kriegen“, lacht der Norweger über jene Musik, die auf einer Melodie von Georg Friedrich Händel basiert. Vorm Zubettgehen setzt sich der Jungheld, der nichts dem Zufall überlässt, eine Schutzbrille auf, um besser schlafen zu können und seine Ernährung basiert, abgeschaut von Cristiano Ronaldo, auf Hühnerfleisch und Zuckerverzicht, Kohlensäure ist streng verboten. Um seine Balltechnik zu perfektionieren, trainiert er mit dem „Footbonaut“, einer teuren 360-Grad-Trainingsmaschine.
Extrem robust und zweikampfstark
Er ist ein Gefühlskicker und Trainingsweltmeister in einer Person. Dank dieser seltenen Kombination wird Haaland, der dennoch „Kebab-Pizza“ als Lieblingsspeise nennt, seit Monaten von Topklubs umworben. Gerüchteweise soll der erst im Winter von Salzburg zu Dortmund gewechselte Stürmer bereits einem Vorvertrag mit Real Madrid samt 75-Millionen-Euro-Ablöse nähergetreten sein. „Er ist extrem robust und zweikampfstark, wie alle Norweger“, lobt ihn ÖFB-Teamtrainer Franco Foda, der am Freitag in Oslo ausgerechnet zum Beginn der Nations League auf Marko Arnautovic, David Alaba und Valentino Lazaro verzichten muss. Drei Tage später folgt das Heimspiel gegen Rumänien in Klagenfurt, auch Nordirland ist ein kommender Gegner. „Unser Ziel bleibt Platz eins in dieser ausgeglichenen Gruppe“, betont Foda. Wohl nur dann wäre über ein Hintertürchen eine Qualifikation für die WM 2022 in Katar möglich, sollte sie in der direkten Qualifikation nicht gelingen, die im März 2021 beginnt.

Norwegen freilich hat dasselbe Ziel, die Skandinavier wollen das erste Duell mit Rot-Weiß-Rot seit 18 Jahren gewinnen und setzen dabei auf Haalands Torquote. Mit Salzburg erzielte er in der vorigen Saison in 22 Spielen 35 Treffer, in Deutschlands Bundesliga hält er mit sieben Toren in seinen ersten drei Partien einen Rekord und seine erste Champions-League-Saison schloss er mit zehn Treffern ab, überboten nur von Robert Lewandowski. „Schon als ich ein kleiner Bub war, wollte ich nicht einfach nur gut, sondern der beste Spieler der norwegischen Geschichte werden“, erzählt Haaland. Vater Alf-Inge war selbst Fußballprofi in Manchester und Leeds (England), als Erling geboren wurde, der seither auch die englische Staatsbürgerschaft besitzt.
Haaland hilft daheim mit der Kettensäge
„Mein Vater war für mich immer bester Freund und Manager zugleich, er weiß am besten, was gut für mich ist“, glaubt der Sohn, der auch von Mutter Gry Marita gute Gene geerbt hat, einer ehemaligen Meisterin im Siebenkampf. „Als Fünfjähriger konnte ich aus dem Stand 1,63 Meter weitspringen, das war Weltrekord“, erinnert er sich. Zuletzt setzte er neue Maßstäbe im Sprint, Haaland wurde im Jahr 2019 mit mehr als 35 km/h gemessen, damit wäre er bei der Fußball-WM 2018 schnellster Spieler gewesen. „Aber
neben seinen körperlichen Qualitäten ist er auch ein guter Mensch“, streute ihm Salzburg-Trainer Jesse Marsch Rosen. „Alle in unserer Mannschaft liebten ihn.“ Journalisten hingegen befanden den Norweger oft als arrogant und einsilbig. „Ich gebe zu, ich bin manchmal mürrisch und habe ein ausgeprägtes Selbstvertrauen“, sagt der Spieler.

Trotz aller Fußballverrücktheit ist Haaland familienverbunden und bodenständig geblieben, oft fährt er heim ins norwegische Bryne, um seine Geschwister zu sehen. „Wir stehen uns sehr nahe“, versichert der Single. Während andere Jungprofis im Sommer mit ihren Freunden auf teuren Yachten herumfuhren, half er lieber daheim bei der Erdäpfelernte mit. Seinem Vater ging er im Wald beim Holzschneiden zur Hand. „Das Holz für den Winter muss ja ein paar Monate trocknen“, meinte er.
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