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Ausgabe Nr. 35/2020 vom 25.08.2020, Fotos: picturedesk.com (2), Polydor
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Die beiden Herren von „Yello“ haben noch nicht genug. Eine neue Tour soll folgen.
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Im 42. Jahr von „Yello“ gibt‘s das Album „Point“. Im typischen Klang der Schweizer.
Ein gutes Lied und ein guter Wein
Dieter Meier, 75, und Boris Blank, 68, bilden seit mehr als vierzig Jahren die erfolgreiche Band „Yello“. Das neue Album „Point“ (ab Freitag, 28. August, im Handel) bringt die Qualitäten dieses so ungleichen und doch so perfekt harmonierenden Duos aus Zürich (Schweiz)wie immer auf den Punkt. Es klingt unverwechselbar nach ein bisschen Techno, viel Electropop und dieser „Yello“-typischen Verspieltheit zweier in die Jahre gekommener Herren.
Sie beide besitzen einen leicht ironischen und verschmitzten Humor. Wie wichtig ist er für Ihre Arbeit?
Dieter Meier: Der ist uns in der Tat gegeben. Schon von Anfang an waren wir gegenseitig von unserem Humor angetan. Er ist ähnlich, und er hat uns immer wieder einander nahegebracht und zusammengeschweißt. Wir lachen immer über dieselben Witze.
Boris Blank: Der Humor ist das Treibgut auf dem Strom unseres Lebens. Lachen macht glücklich und ist etwas Schönes. Menschen, die schmunzeln, sind mir auf Anhieb sympathisch. Wir lachen einfach gerne zusammen.

Daneben sind Sie auch tüchtige Geschäftsmänner, nicht nur auf dem musikalischen Sektor.
Sie, Herr Meier, betreiben mehrere Restaurants und eine Rinderfarm in Argentinien …
Meier: Ich habe vier Restaurants in Zürich und zwei in Berlin (D). Ich besuche sie regelmäßig, denn sie sind wichtig, damit die Menschen meine Produkte kennenlernen. Vor allem meinen Wein und das Fleisch aus Argentinien. Die Gäste wissen Qualität zu schätzen. Wobei ich mein bester Kunde bin, ich trinke gerne Wein, nicht nur meinen eigenen. Spanische Weine haben es mir derzeit angetan. Und ich liebe die italienische Küche.

Das ist Ihnen gar nicht anzusehen?
Meier: Ich rudere ja auch jeden Tag auf Höchstleistung und wetze jeden Abend zwei Stunden über meine Golfplätze. Ich bin äußerst privat, wenn ich in Zürich bin und gehe auf keine Partys.

Was ist für Sie schöner: ein Lob für Ihren Wein oder für Ihre Musik?
Meier: Beides ist super. Wobei guter Wein vergleichsweise einfacher zu machen ist als ein gutes Lied.

Wie würden Sie Ihre Arbeitsweise beschreiben, Herr Blank?
Blank: Ich vergleiche meine Tätigkeit gern mit der eines Eichhörnchens. Seit vierzig Jahren ist meine Arbeitsweise dieselbe: Ich vergrabe Nüsse, das heißt, ich fülle ganze Ordner mit Fragmenten und Ideen. An denen bastele ich so lange herum, bis Konturen entstehen und schließlich bildet sich ein Sammelsurium heraus, aus dem eine neue CD entstehen könnte. Das Schwierigste für mich ist, mich und meine Phantasie mit jemandem zu teilen. Ich bin Autodidakt und Egomane in einer Person und habe das Glück, dass ich Dieter zum Partner habe – er schaut mir nicht die ganze Zeit über die Schulter, sondern lässt mir die Freiheit, hier wie ein Kind zu sitzen und an meinen Sandburgen zu bauen.

Waren Sie überrascht, dass Sie Hits produziert haben?
Blank: Absolut. Dass wir drei Dekaden später noch Geld mit einem Stück wie „The Race“ verdienen, ist unglaublich. Es hieß, das Lied würde auf der Platte unter ferner liefen laufen. In meinem Pass steht: Boris Blank, Musikproduzent. Manchmal werde ich bei der Passkontrolle gefragt, ob es ein Lied von mir gibt, das bekannt ist. Dann zische ich nur: „Oh yeah! Tschikatschikadubaubau.“ Dann lautet die Antwort meistens: „Natürlich kenne ich das.“

Herr Meier, Sie sind 75 Jahre alt. Welche Ziele verfolgen Sie?
Meier: Ich hoffe, ich kann Boris überreden, noch einmal auf Tournee zu gehen und live auf der Bühne zu spielen. Das klangliche Korsett auf der vorigen Tour war schon recht eng. Und mit 80 will ich in Las Vegas auftreten.
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