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Ausgabe Nr. 35/2020 vom 25.08.2020, Fotos: Lukas Beck, Franz Neumayr/Susi Berger
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Peter Kostelka, Andreas Wimmer
Ist eine kräftigere Pensionserhöhung gerecht?
Die Pensionen steigen im kommenden Jahr um mindestens 1,5 Prozent. Dieser gesetzliche „Anpassungsfaktor“ wird aus den monatlichen Teuerungsraten von August 2019 bis Juli 2020 berechnet. Für Pensionistenvertreter ist das aber zu wenig. Denn allein für den täglichen Einkauf mussten wir alle im Juli um fast vier Prozent mehr zahlen. Sie fordern vor allem für kleinere Pensionen eine kräftigere Erhöhung. Die Verhandlungen darüber sollen im September beginnen.
JA:
Peter Kostelka,
Präsident des Pensionistenverbandes

„Ja, wir vom Pensionistenverband halten das nicht nur für gerecht, sondern für kleine Pensionen sogar höchst notwendig. Der errechnete Anpassungswert von 1,5 Prozent brutto macht selbst bei einer 1.000-Euro-Pension netto gerade einmal 14 € im Monat aus. Das deckt bei Weitem nicht die seit der Corona-Krise massiv gestiegenen Lebenshaltungskosten ab. Obst wurde im Juli um 6,4 Prozent teurer, Fleisch um 4,9 Prozent, Strom um 5,5 Prozent, die Mieten um 4,1 Prozent und Bekleidung sowie Schuhe um 3,5 Prozent. Dazu kommt, dass die Regierung
bei der Steuerreform gerade auf jene vergessen hat, die mit kleineren Pensionen unter der Steuerfreigrenze auskommen müssen. Sie gehen leer aus. Ein Grund mehr, kleinere Pensionen stärker anzuheben. Die Pensionisten sind keine gierigen Alten, die Forderungen des Pensionistenverbandes sind vernünftig. Es geht darum, Armut zu vermeiden und Kaufkraft zu sichern. Ein Kaufkraftverlust der Pensionisten wäre in diesen schwierigen Zeiten weiteres Gift für die Wirtschaft. Österreich braucht jetzt eine gesicherte Kaufkraft der Pensionisten, denn das stützt die lokale Wirtschaft und hilft am Arbeitsmarkt.“

NEIN:
Andreas Wimmer,
Vorsitzender der Jungen Industrie

„Nein, eine Pensionserhöhung über die gesetzlich vorgesehene Wertsicherung hinaus ist nicht zu rechtfertigen. Die Corona-Krise führt zu Belastungen, die uns noch lange begleiten werden. Aktive und Familien kommen mehrfach unter Druck, sei es durch Arbeitslosigkeit oder Kurzarbeit beziehungsweise ausfallende Schulen und Kindergärten. Die wirtschaftliche Erholung wird noch lange dauern. Mehr als eine Inflationsabgeltung wird sich heuer auch bei den Kollektivvertrags-Abschlüssen nicht ausgehen. Im Gegensatz zu Aktiven haben Pensionisten gesicherte Einkommen. Mehr Arbeitslose bedeuten auch weniger Beiträge ins Pensionssystem, die Steuerzuschüsse werden
dadurch sowieso explodieren. Und die jährlichen Pensionserhöhungen, die in der Vergangenheit meistens über dem gesetzlich vorgesehenen Wert lagen, verteuern das System nachhaltig. Auch ohne zusätzliche Ausgaben werden noch unsere Kinder und Kindeskinder die Kosten dieser Krise schultern und abtragen müssen. Da sind Mehrkosten über die gesetzlichen Regelungen hinaus leider ein Luxus, den wir uns nicht leisten können – und das betrifft keineswegs nur die Pensionen.“
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McCormick
Personen die jahrzehntelang oder überhaupt nie gearbeitet haben bekomme großzügig Mindestsicherung und Notstandshilfe während mann den Leuten die jahrzehntelang gearbeitet und eingezahlt haben auch die meist ohnehin recht geringe Pension noch verringern will.
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