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Ausgabe Nr. 34/2020 vom 18.08.2020, Fotos: Stephan Doleschal, Michael Mazoh/GPA
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Rainer Will, Barbara Teiber
Offene Geschäfte am "Tag des Herrn"?
Die Corona-Krise sorgte im Handel abseits des Lebensmittel-Bereichs für Einbußen. Die Kunden gingen weniger oft einkaufen und in den Geschäften „gustieren“. Die Mehrzahl der Handelsunternehmen rechnen für heuer sogar mit einem Umsatzrückgang von bis zu einem Drittel. Nicht nur Betreiber von Einkaufszentren fordern immer wieder eine Aufsperr-Möglichkeit am „Tag des Herrn“, auch der Handelsverband will zumindest an ein paar Sonntagen offene Geschäfte.
JA:
Rainer Will,
Handelsverband-Geschäftsführer

„Wir erleben zurzeit die schwerste Krise der Nachkriegszeit. Die Arbeitslosenzahlen steigen, viele Branchen stehen unter Druck, auch der Handel. In einer solchen Phase muss mit einem großen Maß an Flexibilität reagiert werden. Sinnvoll ist etwa die Möglichkeit einer Sonntagsöffnung der Geschäfte. Nicht uneingeschränkt, aber zumindest an vier Sonntagen pro Jahr, selbstverständlich auf freiwilliger, einvernehmlicher Basis für alle Beschäftigten. Das würde zu mehr Fairness, Arbeitsplätzen, Wertschöpfung und zu einer Attraktivierung der Stadt- und Ortskerne führen. 700.000 Menschen gehen am Sonntag bereits gelegentlich, 450.000 regelmäßig ihrem Beruf nach. Warum dürfen das keine Beschäftigten im Handel sein? Warum sollte es keine Angestellten geben, die gerne am Sonntag, bei doppeltem Gehalt, arbeiten? Auch eine Entrümpelung der 60 Sonntags-Ausnahmeregelungen ist dringend erforderlich. Der Bürokratie-Dschungel hemmt unsere Wirtschaftskraft, insbesondere in Wien. Die Hauptstadt hält als einziges Bundesland daran fest, auf Tourismuszonen (mit verkaufsoffenem Sonntag) zu verzichten – und damit auf 800 Arbeitsplätze und Einnahmen von 140 Millionen Euro.“

NEIN:
Barbara Teiber,
Vorsitzende der Gewerkschaft GPA-djp

„Der Sonntag ist der Tag für gemeinsame Aktivitäten, für die Familie, für Freundinnen und Freunde. Er ist der gemeinsame freie Tag. Wenn jetzt wieder vereinzelte Einkaufszentren-Betreiber nach einer Sonntagsöffnung im Handel rufen, dann ist das nicht nur ein Affront gegen die Handelsangestellten, die in den vergangenen Monaten krisenbedingt Unglaubliches leisten mussten. Es ist auch eine völlig sinnlose Maßnahme. Jeder weiß, dass sich bei einer Öffnung der Geschäfte am Sonntag der Umsatz nur verschieben würde. Für die Beschäftigten ist Sonntagsarbeit aber eine ungeheure Mehrbelastung. Das ist auch der Grund, warum sich der absolute Großteil der Handelsangestellten klar gegen die Sonntagsöffnung ausspricht: 75 Prozent sind dagegen. Auch in der Gesamtbevölkerung sind 71 Prozent dagegen. Außerdem spannend: Auch die Unternehmer sind in der Mehrzahl dagegen. Warum? Weil sich viele kleine einen zusätzlichen Öffnungstag nicht leisten könnten und damit einen Wettbewerbsnachteil gegenüber großen Ketten hätten. Was dem Handel tatsächlich helfen würde, wäre ein höheres Arbeitslosengeld, um den Konsum anzukurbeln.“
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McCormick
Schon seit langem haben wir im Verkauf die größten Probleme brauchbares weibliches Personal zu bekommen da der Partner meist Samstag zu hause ist bleibt dieser bzw. die Familie dann meist alleine zu hause.Am Abend hat die Partnerin nach 8-10 Stunden Arbeit dann kaum Lust noch etwas zu unternehmen.Am Sonntag kann sie leider auch nicht da sie am Montag in aller Früh wieder raus muss.Das ist die Familienfreundliche Arbeitszeit!
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