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Ausgabe Nr. 31/2020 vom 28.07.2020, Fotos: instagram, zVg
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Alanis Morissette
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Morissette begann bereits mit neun Jahren ihre Karriere in Kanada. Nun bringt sie ihr neuntes Studio-Album auf den Markt
"Die Liebe ist eine gefährliche Sucht"
Mutter zu werden ist nicht einfach. Davon kann die im kanadischen Ottawa geborene Sängerin Alanis Morissette ein Lied singen. Es ist eine traurige Melodie, denn ihre drei Geburten setzten der 46jährigen schwer zu. Die Arbeit habe ihr geholfen, diese Krisen zu überwinden, meint sie und verschweigt im Gespräch mit dem WOCHE-Reporter Steffen Rüth nicht, dass auch das eine oder andere Gläschen Alkohol mit im Spiel war. Ab Freitag, dem 31. Juli, präsentiert sich die nahe San Francisco (US-Staat Kalifornien) lebende Künstlerin wieder von ihrer musikalischen Seite und bringt das neue Album „Such Pretty Forks In The Road“ auf den Markt.
Frau Morissette, warum sind Sie von Hollywood in die Nähe von San Francisco übersiedelt?
Los Angeles ist mir nach wie vor zu männerdominiert und auch zu materialistisch. Früher war es noch in Ordnung, nur Millionärin zu sein. Heute brauchst du schon eine Milliarde Dollar, um zu genügen. Ich wollte mit der Familie irgendwohin, wo andere Werte wichtiger sind: Beziehungen, Zusammenhalt, Gemeinschaft und Fairness.

Sie sind dreifache Mutter und erfolgreiche Musikerin – viel Zeit für sich werden Sie nicht haben?
Stimmt. Mein Stresspegel ist konstant hoch. Vor allem, wenn ich unterwegs bin. Denn ich möchte meinen Mann und die drei Kinder nicht alleine lassen. Ich hänge so an ihnen. Unser Sohn Ever ist neun Jahre alt, Tochter Onyx vier und Winter, unser Kleinster, kam im vergangenen August zur Welt. Sie sind schon auch äußerst herausfordernd (lacht). Das waren sie von Anfang an.

Wie meinen Sie das?
Bei den ersten beiden Kindern hatte ich schwere Wochenbett-Depressionen, bei Winter litt ich nach der Geburt unter, ich nenne es, Aktivitäten. Sie waren nicht so heftig wie bei den älteren, aber eben doch vorhanden. Ich litt vor allem unter Ängsten und Panikattacken.

Was haben Sie dagegen unternommen?
Nun ja, Medikamente helfen, sehr sogar. Ansonsten ist die Liste der alternativen Selbstmedikation lang: Essen, Alkohol, sich in die Arbeit stürzen und Liebe.

Die Liebe?
Die Liebe ist eine der gefährlichsten Süchte überhaupt. Sie kann dich zugrunderichten. Angenommen, du lebst in einer Beziehung, die nicht funktioniert, hängst aber schrecklich an deinem Partner oder deiner Partnerin. Ehrlich, das ist grausam.

Liebessucht klingt nicht so schlimm.
Ist sie aber. Der Entzug und die Entwöhnung können der Horror sein.

Sie sind jetzt seit zehn Jahren mit dem Rapper Mario „Souleye“ Treadway verheiratet. Wie schlimm ist die Liebessucht?
(lacht) Ich habe glücklicherweise einen Mann geheiratet, mit dem es immer noch gut funktioniert. Wir haben unsere Kämpfe, aber es läuft mit ihm eindeutig besser als mit allen anderen Kerlen zuvor. Wenn wir streiten, was wir oft genug tun, sehen wir das eher als Ansporn, noch mehr miteinander zu reden.

Dagegen wirkt Ihr Lied „Losing The Plot“ vom neuen Album „Such Pretty Forks In The Road“ recht deprimierend. Sie singen, dass das Licht am Ende des Tunnels der Zug sei, der mit 160 Stundenkilometern auf Sie zurase …
Und trotzdem steckt in dem Lied viel Zuversicht. Ich habe gelernt, dass meine Depressionen nach den Geburten zwei bis drei Jahre anhalten. Das ist kein Leiden für den Rest des Lebens. Am großartigsten ist es, langsam wieder herauszukrabbeln aus der dunklen Höhle, jedes Mal etwas weiser und widerstandsfähiger.

Um in Form zu sein für das nächste Projekt? Haben Sie schon eine Idee?
Ich arbeite an einem Buch. 1.300 Seiten habe ich schon geschrieben. Aber ein paar Monate brauche ich noch. Ich liebe es einfach, viele Worte zu machen (lacht).
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