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Ausgabe Nr. 31/2020 vom 28.07.2020, Fotos: Napetschnig & Partner, Manfred Schusser, Stippich, duty
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Michael Hallas bei der Spende von Blutplasma.
Jede Woche unterzieht er sich der Prozedur und bekommt dafür 25 Euro.
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Erika Fabian, 35, Sekretärin.
Ungewöhn­liche Tätigkeit. Sie bringt ihre erotische Stimme zum Einsatz
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Fabian Wutte, 6, Johanna Felsberger, 5, und Celine Printschler, 11
Gelungene Aktion. Die Kinder verkauften selbst­gemachten Fruchtsaft.
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Steuerberater Bruno Napetschnig.
Ein bisserl was dazuverdienen
Die Arbeitslosigkeit und die Kurzarbeit lassen das Geld im Börserl knapp werden. Dennoch müssen Rechnungen bezahlt werden, denn das Leben ist teuer. In ihrer Not nehmen die Menschen in unserem Land ungewöhnliche Arbeiten an, um ihren finanziellen Engpass zu entschärfen. Auch die Schwarzarbeit erlebt derzeit eine Hochblüte.
Das Geld ist knapp geworden bei Michael Hallas. Der 57jährige ist Flugzeug-Abfertiger am Flughafen Wien-Schwechat und seit Monaten in Kurzarbeit. Dadurch sank sein Netto-Einkommen um ein Drittel. „Deshalb suchte ich nach einer Möglichkeit, Geld dazuzuverdienen“, sagt Hallas. Er spendet nun ein Mal pro Woche Plasma und bekommt dafür 25 Euro auf die Hand.

Die Lage ist ernst. Weil die Politiker aufgrund der Corona-Pandemie europaweit die Wirtschaft lahmgelegt haben, verloren viele Menschen ihre Arbeit. Hierzulande sind nach wie vor mehr als 440.000 Menschen arbeitslos und ebenso viele befinden sich in Kurzarbeit. Experten erwarten, dass sich die Situation bis Herbst noch verschlimmern könnte, wenn Ende September die Kurzarbeit-Regelung ausläuft. Erste Anzeichen gab es in der Vorwoche, als die Kristallfirma Swarovski in Wattens (Tirol) bekannt gab, im Herbst 1.000 Stellen zu streichen. Der Fahrzeug-Hersteller MAN in Steyr (OÖ) hat ebenfalls angekündigt, in Deutschland und hierzulande 6.000 Stellen abbauen zu wollen.

Da suchen die verzweifelten Menschen natürlich nach alternativen Einnahmequellen. „Wer Arbeitslosengeld bezieht, darf pro Monat 460,66 Euro brutto dazuverdienen“, erklärt Bruno Napetschnig, Geschäftsführer der Napetschnig & Partner Steuerberatung in Klagenfurt (K). „Diese geringfügige Tätigkeit muss dem Arbeitsamt vor Antritt der Tätigkeit bekanntgegeben werden.
Verdient er über diese Grenze hinaus, wird ihm das Arbeitslosengeld gestrichen. Wer jedoch zum Beispiel unregelmäßig Möbel oder Kleidung an Privatpersonen verkauft oder Blutplasma spendet, übt Tätigkeiten aus, die nicht nachhaltig sind oder die einen Aufwandsersatz darstellen. Sie müssen daher dem Finanzamt auch nicht gemeldet werden.“

Das ist bei Michael Hallas der Fall. Der Wiener unterzieht sich wöchentlich einer Prozedur, die eine Dreiviertelstunde dauert. „Ich fahre dazu jedes Mal ins Spende-Zentrum ,Europlasma‘ (www.europlasma.at) in der Alser-bachstraße 18 im 9. Wiener Gemeindebezirk. Nachdem ich auf einer bequemen Liege Platz genommen habe, wird mir eine Nadel in die Armvene geschoben. Danach werde ich an das Plasmapherese-Gerät angeschlossen, das die unterschiedlichen Bestandteile des Blutes trennt. Die Prozedur ist schmerzfrei und ich freue mich, Gutes tun zu können und gleichzeitig dringend benötigtes Geld zu bekommen. Schließlich sank mein Einkommen von 1.600 Euro auf 1.100 Euro netto.“

Eine Hochblüte erlebt derzeit die Schwarzarbeit, landläufig als „Pfusch“ bezeichnet. Dies belegt eine Befragung des Market-Institutes in Zusammenarbeit mit dem Experten für die Schattenwirtschaft Prof. Friedrich Schneider von der Universität Linz (OÖ). „Viele Menschen wollen zumindest einen Teil der Einkommensverluste durch selbst pfuschen oder im Pfusch arbeiten lassen ausgleichen“, erklärt der Experte. Vor allem bei den 16- bis 29jährigen hat die Schwarzarbeit stark zugenommen. Die Zunahme liegt mit 52 Prozent deutlich über jener anderer Gruppen. Für die 50jährigen und Älteren beträgt die Zunahme „lediglich“ 37 Prozent. „Ich gehe davon aus, dass die Schattenwirtschaft bis zum Jahresende um 7,86 Prozent steigen wird, das ist der größte Zuwachs seit dem Jahr 2001 und hat ein Volumen von 1,8 Milliarden Euro.“

Erika Fabian, 35, Sekretärin:
„Ich bessere mein Arbeitslosengeld mit Telefonsex auf“
„Die Corona-Krise hat mich und meinen Mann voll getroffen. Wir wurden arbeitslos, haben aber noch einen Kredit für unser Haus abzuzahlen.
Verzweifelt sagte ich zu meinem Mann, dass ich es mit Telefonsex probieren könnte. Erstens durfte in der Corona-Hochphase sowieso niemand aus dem Haus und zweitens bekomme ich oft zu hören, dass ich eine erotische Stimme habe. Mein Mann war nicht begeistert, doch ich wollte es ausprobieren. Also habe ich eine 09000-Nummer beantragt. Die ersten Gespräche sind mir nicht leichtgefallen. Doch dann habe ich begonnen, mich für die Telefonate erotisch zu kleiden und zu schminken, um mich besser in die Rolle einer Männer-Verführerin hineinzuversetzen.
Das funktioniert hervorragend und mittlerweile macht mir meine geringfügige Tätigkeit sogar Spaß. Mit meinen Telefonaten verdiene ich im Monat etwa 400 Euro brutto dazu. Geld, das wir für die Kreditrückzahlung benötigen.“

Fabian Wutte, 6, Johanna Felsberger, 5, und Celine Printschler, 11
„Wir wollten unsere Mütter unterstützen“
„Meine Mama hat in der Corona-Krise ihre Arbeit als Kellnerin verloren und hat sich dann mit einer Freundin selbstständig gemacht. Gemeinsam stellen sie biologische Knödel in ihrer Edlknedl-Manufaktur im kärntnerischen Himmelberg her“, erzählt Johanna Felsberger.
„Wir finden das super, was unsere Mamas in dieser schweren Zeit leisten und wollten sie unterstützen“, sagt Fabian Wutte. Gemeinsam haben die Kinder Holunderblüten und Ribisel im eigenen Garten gepflückt und daraus dann Säfte zum Verdünnen gemacht. „Wir haben einen kleinen Saftstand vor unserem Haus aufgebaut und einen Tag lang Saft verkauft. 0,3 Liter zu 1,50 Euro“, erzählt Celine Printschler.
Die Nachbarin Sabine Berger zeigte sich von der spontanen Hilfsbereitschaft der Kinder begeistert. „Sie
haben das mit viel Charme und Liebe gemacht.“
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