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Ausgabe Nr. 30/2020 vom 21.07.2020, Foto: AdobeStock
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Hefepilze oder handelsübliche Shampoos stressen empfindliche Kopfhaut
Schluss mit Schuppen
Sie sind harmlos, aber unschön. Und sie lassen Betroffene schnell ungepflegt wirken. Kopfhautschuppen sind ein häufiges Problem, jeder Zweite im Land ist betroffen. Die Ursache ist stets gestresste Kopfhaut. Doch Schuppen unterscheiden sich und nicht immer ist das Anti-Schuppen-Shampoo das richtige Mittel, um das weiße Rieseln zu stoppen.
Es gibt viele Irrtümer über Kopfhautschuppen. Sie würden
dünner werdendes Haar oder Haarausfall verursachen, wären Zeugnis einer schmutzigen Kopfhaut oder gar ansteckend. Obwohl nichts davon wahr ist, beschämen die weißen Flöckchen auf der Kopfhaut, an den Haaren oder auf den Schultern die Betroffenen, sobald sie an den Haaren oder der Kleidung zu sehen sind.

Um das vermehrte Abstoßen von Kopfhautzellen zu bremsen, ist eswichtig, die Ursache und Beschaffenheit der Schuppen ärztlich abklären zu lassen, weiß Dr. Michaela Arens-Corell, Leiterin der medizinisch-wissenschaftlichen Abteilung in der Firma für gesunde Körperpflegemittel sebamed. „Treten weißliche, kleine Schuppen direkt nach dem Waschen am stärksten auf, steckt meist eine zu trockene Kopfhaut dahinter. Noch weiter verbreitet als trockene Schuppen sind aber fettige Kopfschuppen. Sie kommen durch die übermäßige Besiedlung der Kopfhaut mit einem Hefepilzorganismus zustande und bilden sich zwei, drei Tage nach dem Haarewaschen.“

Fettsäuren eines Hefepilzes reizen die Kopfhaut
Die Unterscheidung der beiden Arten von Kopfhautschuppen ist auch für Laien nicht schwer. Trockene Schuppen rieseln regelrecht von der Kopfhaut ab. Fettige Schuppen hingegen sind ölige und gelbliche Flocken oder Ablagerungen, die am Kopf und an den Haaren kleben bleiben. Werden sie zwischen den Fingern zerrieben, bleibt ein leicht öliger Film auf der Haut.

„Fettige Schuppen entstehen, wenn die Talgdrüsen überaktiv sind. Das liebt der Hefepilz Malassezia und er schlägt sich sozusagen damit den Bauch voll. Der Hefepilz scheidet freie Fettsäuren aus, die wiederum die Kopfhaut reizen. Diese beginnt, schneller abzuschuppen, in der Hoffnung, das Übel so loszuwerden“, erklärt die Hautärztin Dr. Yael Adler in ihrem Buch „Darüber spricht man nicht“ (Droeber Verlag, ISBN: 978-3-426-27751-5) die Ursache des lästigen „Kopfschnees“. Äußerst unangenehm wird es für Betroffene, wenn Juckreiz und aufgrund des Kratzens kleinste Entzündungen hinzukommen.

Hormone, Stress, aber auch hartes Wasser als Auslöser
Die Ursachen, warum Kopfhautschuppen auftreten, sind vielfältig. Neben einer vererbten Neigung zu Schuppen kann eine Ursache zu viel und zu aggressive Haarpflege sein. Umweltfaktoren wie Hitze (Haarföhn), Kälte, Wind, Medikamente, aber auch körperlicher oder seelischer Stress können auf die Kopfhaut „abstoßend“ wirken. Ein unausgeglichener Hormonhaushalt, etwa in der Pubertät, kann fettige Schuppen begünstigen. Hartes Wasser mit viel Kalzium und Magnesium sowie eine im Alter trockener werdende Haut können eine trockene Kopfhaut begünstigen und das Jucken verstärken.

So lästig ihr Auftreten ist, niemand muss mit Schuppen leben. Für eine wirksame Behandlung ist nur die Beschaffenheit der weißen Flöckchen entscheidend. „Gegen fettige Schuppen helfen herkömmliche Anti-Schuppen-Shampoos gut. Gegen trockene Kopfhautschuppen helfen sie leider nicht“, verrät Dr. Arens-Corell.

Im Handel und in der Apotheke erhältliche Anti-Schuppen-Shampoos verringern die Anzahl des Kopfhaut-reizenden Hefepilzes und spülen den überschüssigen Talg weg. In den meisten Fällen halten die Schuppen-Shampoos, was sie versprechen, urteilte die deutsche Stiftung Warentest in einem Bericht über elf getestete Produkte. „Ein Anti-Schuppen-Shampoo schnitt insgesamt ‚sehr gut‘ ab, sieben waren ‚gut‘, zwei ‚befriedigend‘ und eines nur ‚ausreichend‘. An der Tabellenspitze stand ein Produkt vom Diskonter. Es schnitt als einziges im Test insgesamt ‚sehr gut‘ ab. Mit 50 Cent pro 100 Milliliter war es zudem vergleichs-weise preisgünstig. Das von uns geprüfte Shampoo des Markt-führers Head & Shoulders landete im Mittel-feld. Mit 1,02 Euro pro 100 Milliliter war es etwa doppelt so teuer wie der Spitzenreiter“, lautete das Urteil der Tester.

Kein Anti-Schuppen-Shampoo bei trockenen Schuppen
Konträr zu Fett-Schuppen ist die Behandlung von trockenen Schuppen. Von Anti-Schuppen-Shampoos und herkömmlichen Shampoos raten Hautärzte in diesem Fall ab. Anti-Schuppen-Shampoos entfetten die Kopfhaut zu stark. „Hier hilft alles, was die Haut nicht noch trockener macht. Dazu gehört, seltener Haare zu waschen und besonders milde Shampoos ohne Duft-, Farb- und Konservierungsstoffe zu verwenden. Das Shampoo sollte nicht schäumen, dafür die Kopfhaut mit natürlichen Feuchthaltefaktoren wie Harnstoff, auch Urea genannt, versorgen“, rät Dr. Adler.

Zeigen die Anwendungen keine Wirkung, rät die Hautärztin zu einer weiteren ärztlichen Untersuchung. Hinter anhaltend schuppender Kopfhaut kann auch ein Schilddrüsenproblem liegen, ein Mangel an Mikronährstoffen oder eine Hauterkrankung wie
Schuppenflechte.
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