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Ausgabe Nr. 30/2020 vom 21.07.2020, Fotos: AdobeStock, Picasa, Imago
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Seesterne - wundersame Wesen am Meeresgrund
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Der Kleinste - Patiriella parvivipara
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Der Größte - Sonnenblumen-Seestern
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Der Vielarmige - Labidiaster annulatus
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Der Giftige - Dornenkronen-Seestern
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Der Aufgeblasene - der Große Kissenstern
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Der Langlebige - Pisaster ochraceus
Kein Hirn aber doch genial
Sie haben meist fünf Arme, weder Kopf, Herz noch Gehirn, kein Vorne und kein Hinten – dafür aber einen Magen zum Auspacken. Seesterne sind im Küstenbereich aller sieben Weltmeere zu Hause. Und mehr als 500 Millionen Jahre alt.
Der Seestern ist das Sinnbild für Urlaub, Strand und Meer. Als bunte Farbtupfer auf sandigen Böden hübsch anzusehen, wirken die wundersamen Wesen, als könnten sie kein Wässerchen trüben. Doch der Eindruck täuscht.

Sehen mit den Armen
Seesterne gehen bis an ihre Grenzen. So haben sie es geschafft, selbst in tausenden Metern Tiefe zu überleben. Bei totaler Dunkelheit, ein bis vier Grad Kälte und einem Druck von fast einer Tonne pro Quadratzentimeter. „Das ist so viel, wie wenn ein Auto auf einem Daumennagel stünde“, erklärt der schwedische Biologe Anders Garm.

Die meisten Seesterne leben aber lieber in Küstennähe in Sand und Geröll. Biologisch betrachtet gehören sie zum Stamm der Stachelhäuter und sind damit Verwandte von Seegurke und Seeigel.
Weltweit gibt es etwa 1.800 Arten. Die kleinsten messen nur wenige Zentimeter, die größten mehr als einen Meter im Durchmesser. „Sie alle besitzen ein Kalkskelett, von dem Stacheln aus ihrer Haut herausragen können. Da sie
außerdem keinen erkennbaren Kopf und kein Herz haben, lässt sich auch nicht sagen, wo bei ihnen hinten und vorne ist. Der Mund sitzt auf ihrer Unterseite in der Mitte, ihr After auf der Oberseite“, weiß der Fachmann.

Einen Kopf brauchen Seesterne nicht, denn sie haben kein Gehirn. Alles wird von einem zentralen Nervensystem gesteuert, das den gesamten Körper des Seesterns durchzieht. Umso wichtiger sind deshalb die Arme. Immerhin befinden sich dort die Geschlechtsorgane und Augen. „Die sind aber nicht mehr als primitive Lichtfühler, die nur hell oder dunkel erkennen können“, erklärt Garm. Auf der Unterseite der Arme sitzen vier Reihen kleiner Füßchen mit Saugnäpfen, mit denen sie sich geschickt fortbewegen und sogar geschlossene Muschelschalen auseinanderziehen können, um das Fleisch zu fressen. Schließlich leben Seesterne räuberisch und ernähren sich neben Muscheln von Korallen, Würmern, Seeigeln,
kleinen Krebsen, Schnecken und anderen Weichtieren. Einige fressen auch Plankton und andere Seesterne.

Auf der Speisekarte ganz oben stehen allerdings Miesmuscheln. Um zu verhindern, dass die Seesterne die Muscheln wegfressen, haben Fischer sie früher einfach in der Mitte zerteilt. Das war jedoch kein guter Plan, denn Seesterne haben ein unglaublich gutes Regenerationsvermögen. Aus einem einzigen Körperteil kann ein neues Tier entstehen. Einige Seesternarten pflanzen sich sogar ungeschlechtlich fort, indem sie etwa einen Arm abbrechen. „Meistens praktizieren sie jedoch die geschlechtliche Fortpflanzung, indem das Männchen Samen und das Weibchen Eier – zwei bis 100 Millionen – ins Wasser abgeben. Nach der Befruchtung entstehen Schwimmlarven, die sich am Boden festheften und nach nur 20 Tagen zum fertig ausgebildeten Seestern heranwachsen“, sagt der Biologe. Durch die enorme Reproduktionsrate ist die Anzahl der meisten Seesternarten praktisch kaum zu minimieren. Und auch ihr Appetit ist gewaltig. Können Seesterne doch täglich drei Mal so viel futtern, wie sie wiegen.

Fressen dauert Stunden
Beim Fressen haben Seesterne zudem eine besondere Verdauungstechnik entwickelt. Sie stülpen ihren unmittelbar bei der Mundöffnung gelegenen Magen nach außen und verdauen so ihre Nahrung außerhalb des Körpers. Stundenlang sitzen sie auf ihrer Beute und lösen sie langsam auf.

„Der Vorteil dieser Technik besteht darin, dass kein unverdauter Abfall durch den Körper geschleust und wieder ausgeschieden werden muss. Nur brauchbare Nährstoffe gelangen in den Körper eines Seesterns“, weiß Dr. Michael Mitic, Direktor vom Haus des Meeres in Wien. Die Magensäure ist dabei so stark, dass manche Seesternarten sie sogar zum Töten von Muscheln verwenden.

„Sie setzen sich auf die Muschel, öffnen sie in einem stundenlangen Kraftakt mit Hilfe ihrer tausenden Füßchen und ‚spucken‘ in die Muschel. Das tötet das Weichtier und der Seestern kann den Muschelbrei ausschlürfen“, sagt Mitic. Um den Besuchern diese Besonderheit zu demonstrieren, werden Seesterne im Haus des Meeres mit Futter an die Aquarienscheibe gelockt und dort so gefüttert, dass die Tiere beim Fressen und gleichzeitigen Verdauen beobachtet werden können.
  • Der Kleinste
So breit wie ein Fingernagel, etwa einen Zentimeter, ist der „Patiriella parvivipara“-Seestern. Er lebt hauptsächlich auf Granitfelsen an der Küste Südaustraliens.
  • Der Größte
Der Sonnenblumen-Seestern ist einen Meter groß und bis zu fünf Kilo schwer. Er ist jedoch nur noch selten an der nordamerikanischen Pazifikküste anzutreffen.
  • Der Vielarmige
Der „Labidiaster annulatus“ ist ein Seestern des Antarktischen Ozeans. Er hat 40 bis 50 Arme, die an Tentakeln einer Qualle erinnern.
  • Der Giftige
Dornenkronen-Seesterne sind mit fünf Zentimeter langen Stacheln bedeckt. Ihr Gift verursacht starke Schmerzen. Er lebt in tropischen Korallenriffen.
  • Der Aufgeblasene
Der „Große Kissenstern“ aus dem Indischen Ozean hat zu einem Fünfeck verwachsene Arme. Sein 30 cm großer Körper wirkt polsterartig aufgeblasen.
  • Der Langlebige
Für gewöhnlich werden Seesterne nur ein paar Jahre alt. Der Seestern „Pisaster ochraceus“ kann jedoch mehr als 30 Jahre alt werden.
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