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Ausgabe Nr. 30/2020 vom 21.07.2020, Foto: Norman Konrad/laif/picturedesk.com
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Iris Renate Dorothea Berben wurde am 12. August 1950 in Detmold (D) geboren. Bekannt wurde die Schauspielerin durch die Unterhaltungsserie „Zwei himmlische Töchter“ (1978). Neben zahlreichen Fernseh- und Kino-Filmen drehte sie mit Diether Krebs die Sketch-Reihe „Sketchup“ und war die Titel-Heldin in der Krimi-Reihe „Rosa Roth“.

Nach Beziehungen mit dem Sänger Abi Ofarim und dem Geschäftsmann Gabriel Lewy ist Iris Berben seit 2007 mit dem Schauspieler Heiko Kiesow, 60, liiert. Sie ist die Mutter des Filmproduzenten Oliver Berben, 48
"Ich feiere wie ein Löwe"
Sie spielt lustige, komische, ernste und verführerische Rollen. Iris Berben (Mo., 10.8., ZDF, „Nicht tot zu kriegen“; Mi., 12.8., ARD, „Mein Altweibersommer“), die am 12. August 70 Jahre alt wird, verrät, wann sie schreien könnte, warum sie gerne zwei linke Füße hätte und wieso sie sich nicht mobben lässt.
Frau Berben, was hat Sie am meisten geprägt?
Der Moment, als ich Mutter wurde. Fortan traf ich meine Entscheidungen stets unter Rücksichtnahme auf meinen Sohn Oliver. Geprägt haben mich auch die 1960er Jahre, die mich lehrten, dass in meinem Leben Haltung das Wichtigste ist.

War das schon in Ihrer Kindheit ein wichtiges Thema?
Wenn ich „Haltung“ höre, fallen mir immer meine Großeltern ein. Sie haben mir ihren katholischen Glauben vorgelebt. Mein Großvater war das, was ich einen feinen Herrn nenne. Er war Schneider, ganz schmal, hatte weiße Haare und eine Meckifrisur. Meine Großmutter war wunderbar, eine dicke Frau, weil sie schweren Zucker hatte. Die Wohnung meiner Großeltern habe ich noch immer genau vor Augen, in meinen Träumen bin ich oft dort. Ich habe zwei Jahre bei ihnen gelebt, meine Mutter hat sich von meinem leiblichen Vater getrennt, als ich drei oder vier war.

Mit 20 haben Sie einen Selbstmordversuch überlebt. Ein Jahr später kam Ihr Sohn Oliver zur Welt, Ihr Lebensretter, wie Sie Ihn nennen …
Mit der Geburt von Oliver hatte ich eine Aufgabe, die über mich selbst hinausging. Oliver hat mich stabilisiert. Zu seinem 40. Geburtstag habe ich ihm einen Brief geschrieben, den er auf seiner Geburtstagsfeier laut vorgelesen hat. Alle haben geweint.

Was wünschen Sie sich zu Ihrem 70er?
Dass wir als Gesellschaft nicht weiter auseinanderdriften, sondern ein Miteinander finden. Für mich persönlich bedeutet der 70er, dass nichts vorbei ist, weder beruflich noch privat. Ich gehe mit meiner Erfahrung weiter, was ein gutes Gefühl ist. Und ich werde meinen Geburtstag wie ein „Löwe“, der ich im Sternzeichen bin, feiern. Ich feiere gerne.

Sie arbeiten auch gerne. Sind Sie eine, die bis mittags schlafend im Bett verweilt?
Nein. Ich erhole mich, wenn ich mich für etwas engagieren kann. Vielleicht könnte ich aber auch einmal einfach ins Blaue hineinleben. Wenn mein Körper und meine Seele das brauchen, wird mir das vielleicht gelingen.

Haben Sie vor, kürzerzutreten?
Ich habe sogar schon einmal fast ein Jahr lang eine Auszeit genommen. In diesem Jahr habe ich nur Lesungen gehalten, aber dabei gespürt, dass das nichts für mich ist. Ich brauchte meine Arbeit, sie tut mir gut, auch wenn ich immer wieder Selbstzweifel habe und immer noch aufgeregt bin, wenn ich zu drehen anfange. Ich bin ein dünnhäutiger Mensch.

Wurden Sie schon gemobbt?
Nein, dafür bin ich völlig unzugänglich. Es gibt zwei Todsünden, mit denen ich überhaupt nichts zu tun habe. Geiz und Neid sind mir fremd. Deshalb kann mir niemand etwas antun oder mich treffen, da stehe ich über den Dingen. In unserer Branche gibt es viele Neider.

Mit welchen Geheimnissen bewahren Sie sich Ihr jugendliches Aussehen?
So geheimnisvoll ist das gar nicht. Das ist die genetische Mitgift meiner Mutter. Aber es gab und gibt auch Makel, die mich stören. Ich ließ meine Krampfadern operieren und habe schon Mittel gegen Haarausfall genommen, weil ich mir für meine Rollen meine Haare oftmals färben, eindrehen und toupieren musste.

Was bringt Sie auf die Palme?
Beim Satz „Für ihr Alter sieht die noch gut aus“ würde ich am liebsten schreien. Ich altere öffentlich und wünschte, ich könnte den sichtbaren Alterungsprozess aufhalten. Der springende Punkt ist jedoch ein anderer. Früher verschwanden Frauen ab 40 in trostloser Kleidung und grauen Haaren. Inzwischen kann ich bei vielen Frauen gar nicht sagen, wie alt sie sind. Nicht, weil sie versuchen, mit aller Kraft jugendlich zu wirken, sondern weil sie selbstbewusst mit ihrer Weiblichkeit umgehen.

Dass Ihr Partner um zehn Jahre jünger ist als Sie, mag vielleicht auch eine Art „Jungbrunnen“ sein?
Es ist noch immer so, dass für einen älteren Mann eine Frau nie jung genug sein kann. Aber offenbar hat es sich noch nicht herumgesprochen, dass es auch umgekehrt sehr schön sein kann.

Ihnen geht es also rundum gut?
Ich funktioniere, wobei ich für meinen Körper viel zu wenig tue. Aber ich passe schon mehr auf als früher. Manchmal muss ich über meinen Körper lachen. Mein rechtes Bein zieht die Probleme geradezu magisch an, Meniskus, Kreuzband, Ermüdungsbruch im Fuß, an der Seite gesplittert, der Zeh drei Mal gebrochen. Das linke Bein dagegen hat gar nichts. Ich sollte mir vielleicht zwei linke Füße wünschen.

Empfinden Sie die Rollen-Angebote, die Sie bekommen, als eine Form von Ernte nach all den erfolgreichen Jahren?
Ja, so ein bisschen darf ich jetzt ernten. Und das ist ein gutes Gefühl. Ich blicke schon auf ein kraftvolles, gefülltes und facettenreiches Berufsleben zurück. Aber ich will nicht nur zurück-, sondern auch gnadenlos weiter nach vorne schauen.

Was treibt Sie an?
Optimismus ist eine meiner Triebfedern, genauso wie der Humor. Der beflügelt mich und hält mich jung. Für gute Laune zu sorgen, ist wichtig. Schlechte Stimmung gibt‘s ohnehin genug. Und nach wie vor bin ich nicht damit zufrieden, dass die Lebenszeit weniger wird, denn ich habe noch so viel zu erledigen.
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