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Ausgabe Nr. 30/2020 vom 21.07.2020, Fotos: Judith M. Trölß, Sabine Krump (2), Judith M. Trölß
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Gemeinsam mit der Goldschmiedin Eva-Maria Raber (li.) fertigt Sabine Krump (re.) die runden Schmuckstücke in ihrer „Knopfstubn“.
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Ausgefallene Muster auf kleinster Fläche genäht
Ganz schön zugeknöpft
Es gibt sie noch, die weißen Zwirnknöpfe, die Omas Bettwäsche zierten. Die Knopfmacherin, Musterdesignerin, Autorin und Volksgutbewahrerin Sabine Krump aus Pregarten (OÖ) fertigt liebevoll und mit viel handwerklichem Geschick Zwirnknöpfe. Unterschiedlichste Muster in vielen verschiedenen Farben zeichnen die kleinen Kunstwerke aus.
Ein Knopf ist eben ein Knopf. Es gäbe nicht viel über das runde Utensil zu sagen, das schon seit Jahrhunderten Stoffteile miteinander verbindet. Wäre da nicht Sabine Krump aus Pregarten (OÖ). In ihren Händen werden Knöpfe zu kleinen Schmuckstücken. Die 51jährige beherrscht das alte Handwerk des Knöpfelns. Seit mehr als 30 Jahren bewahrt sie die Geschichte der Zwirnknöpfe und trägt sie weiter.

„Schon als kleines Mädl kramte ich bei meiner lieben Oma in ihrem Nähkistchen herum. Ich habe Zwirnspulen aufgewickelt, Nadeln und Knöpfe sortiert und Bändchen gefaltet und war dabei glückselig“, erinnert sich Krump an den Beginn ihrer Leidenschaft. „Als junge Frau, ich war so um die 20 Jahre alt, habe ich dann begonnen, Zwirnknöpfe selbst herzustellen. Ich habe mir alte Knöpfe gesucht, sie Schritt für Schritt aufgetrennt und so gelernt, wie die Fäden gespannt werden müssen, um einen Zwirnknopf zu erhalten.“

Wie gut sie das Handwerk beherrscht, zeigt Krump in ihrer „Knopfstubn“ in Pregarten. Und ein echter Zwirnknopf beginnt … „mit einem Ring“, sagt sie ud zeigt einen schmucklosen Metallring, der das „Gerüst“ für den Knopf bildet. Um den ein Faden mit jeweils acht Windungen aufgeschlagen und über Kreuz angeordnet wird. Was bei der Kunsthandwerkerin so leicht und mühelos aussieht, damit haben die ungeübten Hände der Streifzüglerin ihre Schwierigkeiten. Immer wieder rutschen die Windungen, lösen sich und schlingern irgendwie im Ring. „Der Aufschlag sollte nicht zu locker sein, jede Windung schön straffziehen“, sagt die Expertin. „Es hilft auch, den Faden nass zu machen und den Ring mit Bienenwachs einzureiben.“ Und tatsächlich, mit ein paar Tropfen Wasser und einem Stück Wachs geht das Wickeln schon viel leichter von der Hand, wenn auch in der zehnfachen Zeit, die Krump dafür benötigt. Nach der Aufschlagarbeit wird der Faden bei etwa 80 Zentimeter abgeschnitten und mit einer stumpfen Sticknadel wird in der Mitte des Knopfes in einem Fadengewebe der Aufschlag gefestigt. Es entsteht das kennzeichnende „Kreuzerl“ des Bettwäsche-Zwirnknopfes. Das weitere Ausnähen erfolgt im Uhrzeigersinn und wird wieder der Expertin überlassen. „Durch den sogenannten Schlingstich bilden sich Knötchen, die an den Ringsteg geschoben werden. Ist der Knopf ausgenäht, wird er in der Mitte des Knopfmusters vernäht und der Faden abgeschnitten.“ Mit flinken Fingern zaubert Sabine Krump einen Knopf nach dem anderen. „Die ordentliche Arbeit der Näherin zeigt sich an der Rückseite des Zwirnknopfes durch die fein säuberliche, gradlinige und präzise Knötchenführung am unteren Ringerlsteg und der korrekten Schließung des Kranzes beim Anfangs- und Endschlingknötchen“, schmunzelt die Knopfmacherin in dem Wissen, dass sie all diese Kriterien ausgezeichnet erfüllt.

Im neuen Design erobern nun die Zwirnknöpfe die Gegenwart. Verschiedenste Muster in vielen Farben prägen die kleinen Kunstwerke, die seit fünf Jahren in der „Knopfstubn“ erhältlich sind. „Ich dachte mir, ich möchte die Knöpfe so bunt gestalten, wie ich die Welt sehe. In vielen alltäglichen Dingen sehe ich Knöpfe und deren Formen. Inspiriert werde ich zum Beispiel durch eine Uhr am Kirchenturm, durch Pflanzen wie die Hauswurz und durch Blumen. Da haben es mir besonders die Rosen angetan. Der Rosenknopf ist einer meiner schönsten Kreationen. Die enorme Buntheit der Schmetterlinge und die große Vielfalt der Farbgebung in Fauna und Flora beflügeln mich immer wieder aufs Neue. Aber auch Autofelgen waren mir schon Vorlage für ein Zwirnknopfmuster“, erzählt Krump über ihre Inspirationen.

Gemeinsam mit Eva-Maria Raber, 44, der Gold- und Silberschmiedin, die aus den kunterbunten Knöpfen geschmackvolle Schmuckstücke zaubert, kann der Knopfmacherin in ihrer Schauwerkstätte über die Schulter geschaut werden. „Wir erfüllen die ausgefallensten Wünsche unserer Kunden. Wir haben etwa einen Verlobungsring, stylische Hemdknöpfe, passende Knöpfe zur Tracht, Knöpfe für den Partnerlook oder Blumenknöpfe für einen Brautstrauß angefertigt“, erinnert sich die Goldschmiedin. „Es ist etwas Besonderes für uns, den Menschen mit ihren individuellen Knöpfen und Schmuckstücken Freude bereiten zu können“, erzählt Raber, während sie einen Metallring zuschleift. Der Preis gestaltet sich je nach Auftragsumfang. Einen Zwirnknopf gibt es ab € 5,–, die Fingerringe ab € 15,–, eine Kette ab € 20,–.

In ihren Kursen gibt Sabine Krump ihr umfangreiches Wissen weiter. Sie unterrichtet im Haus der Frau in der Volksgartenstraße in Linz und in ihrer „Knopfstubn“ in Pregarten. Wem der Weg dorthin zu weit ist, der kann auch in einem ihrer Bücher die Kunst des Knöpfelns erlernen, die über die Internetseite zwirnknoepfe.jimdofree.com erhältlich sind.
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