Jetzt anmelden
Ausgabe Nr. 29/2020 vom 14.07.2020, Fotos: AdobeStock, Reichlmayer Sabine
Artikel-Bild
Fehlstellungen der „kleinen“ Zehen vorbeugen und behandeln
Artikel-Bild
Gabriele Kanduth
Au weh, es schmerzt
mein Zeh
Der Hallux valgus („Schiefzehe“) ist nicht die einzige Deformation, die Zehen im Laufe des Lebens zeigen können. Die „kleinen“ Zehen sind nicht weniger betroffen von Fehlstellungen, die jeden Schritt schmerzhaft machen. Alles über Ursachen und Therapien.
Sie sind verschoben, verbogen und entwickeln dicke Druckstellen. Unsere „kleinen Zehen“, die beim gesunden Fuß flach in „Reih und Glied“ auf dem Boden aufliegen, werden nicht selten im Lauf des Lebens in schlimme Positionen verrückt. Das hat nicht nur negative Folgen für die gesamte Fuß- und Körperstatik. Derart verkrümmte oder fehlgelagerte Zehen drücken im Schuh, scheuern sich wund, bedrängen ihre „Nachbarn“ und sind auch optisch keine Zier.
„Veranlagung, Überlastung des Fußes, langes Stehen und Gehen in ungeeigneten Schuhen, schnelle Gewichtszunahme etwa durch Schwangerschaft, langes Stehen auf harten, glatten Böden, Heben und Tragen schwerer Lasten und modische Schuhvarianten fördern solche Probleme. Auch Verletzungen, Schwäche der Bänder sowie Lähmungen oder Knochenerkrankungen begünstigen Verformungen der Zehen. Ebenso können erworbene Fehlstellungen eine Folge schlecht verheilter Knochenbrüche sein“, zählt Gabriele Kanduth, Fußpflegerin und Podologin mit eigener Praxis in Baden (NÖ, www.fusspflege-schmerzambulanz.at) die möglichen Ursachen für verkrümmte Kleinzehen auf. Die Expertin für schmerzgeplagte Füße und Autorin des Buches „Der Fuß
& sein Mensch. Gemeinsam schmerzfrei“ erklärt unterschiedliche Zehenfehlstellungen. Welche Therapien möglich sind, verraten Ärzte für Orthopädie und orthopädische Chirurgen.

Die "überkreuzende" Reiterzehe
„Wie der Name vermuten lässt, ‚reitet‘ sie auf einer der benachbarten Zehen. Dabei bildet sich, bedingt durch die Druck- und Scheuerwirkung, auf ihrer Oberseite vermehrt Hornhaut, die darunterliegende Zehe reagiert mit Haut- und fallweise Nagelveränderungen“, erklärt Kanduth. Bei dieser Fehlstellung kann es vorkommen, dass die zweite über der dritten Zehe liegt oder die zweite über der ersten. Häufigste Ursache sind ein Hallux valgus oder zu enge Schuhe.

Therapie(n):

Konservativ: Eine Stellung der Zehe kann mit Tape oder einer Zehenorthese korrigiert werden, ein Polster schützt vor Druckstellen oder Hühneraugen; weiche Schuhe mit viel Zehenraum; weichbettende Schuheinlage, Polsterschläuche und Zehenspreizer reduzieren die Reibung mit dem Schuh.

Operation: Korrektur des Hallux valgus, Korrektur der zweiten Zehe durch die Verkürzung des 2. Mittelfußknochens, Einrenkung des Grundgelenkes und Stabilisierung durch Naht.


Die "aufgestellte" Hammer- und Krallenzehe
„Hammerzehe und Krallenzehe sind keine Einzelgänger. Als häufige Folge von Fußfehlstellungen treten sie als typisch gekrümmte Zehen meist in Gesellschaft von Spreizfuß und Hallux valgus auf. Durch die Krümmung nicht nur kürzer, sondern auch höher geworden, kommt es im Schuh zu Platzmangel und in Folge am Mittel- sowie Endgelenk der Zehe wie an der Zehenkuppe zu unschönen und meist schmerzhaften Druckstellen. Erfolgt keine Entlastung der überbeanspruchten Stelle, führt dies
zur Verdickung der Haut und zu Hühneraugen. Diese Fehlstellung macht jeden Schritt zur Qual und das physiologisch richtige Gehen unmöglich“, sagt Kanduth.

Therapie(n):

Konservativ: das Tragen speziellen Schuhwerkes, Fußübungen in einer Physiotherapie, manchmal ein Tapeverband, Einlagen und orthopädietechnische Hilfsmittel.

Operation: Oft notwendig, um die Schmerzen zu lindern. Die Möglichkeiten inkludieren minimalinvasive Techniken, die Fixation mit einem sich selbst auflösenden Stift, die Fixverlängerung. Nach dieser Operation wird ein Spezialschuh getragen, je nach Eingriff zwei bis vier Wochen lang.


Die kleine Zehe und der "Schneiderballen"
Der Schneiderballen ist eine häufig schmerzhafte Fehlstellung des kleinen Zehs, der nach innen wegknickt. Es kommt zu Reizungen an der Außenkante des Fußes. Die Zehe ist in ihrem Grundgelenk nach innen gerichtet und kann die benachbarten Zehen überlagern. Im Bereich dieser Fehlstellung entsteht häufig eine Gelenksabnützung oder eine schmerzhafte Schleimbeutelentzündung. Schwielen und Hornhaut werden dabei häufig beobachtet. Ursachen sind in vielen Fällen entzündliche Erkrankungen wie Rheuma, aber auch spitz zulaufende Schuhe, die Druck auf die Kleinzehe ausüben können.

Therapie(n):

Konservativ: Fußübungen, Zehenspreizer, geeignete Schuhe und Einlagen.

Operation: Die häufigste Methode ist die Chevron-Osteotomie. Das ist eine v-förmige Knochendurchtrennung an der Außenseite des fünften Mittelfußknochens. Er wird nach der Knochenabtragung nach innen verschoben und mit einem Draht oder einer Schraube befestigt. Der verbleibende Knochenüberstand wird abgetragen. Dies korrigiert die Fehlstellung der Kleinzehe und verschmälert den Vorfuß. Danach: spezieller Verbandschuh; für drei Wochen gibt es einen Zügelverband mit Korrekturwirkung.

Buch „Der Fuß & sein Mensch. Gemeinsam schmerzfrei“ (ISBN: 978-3-9504434-0-0, € 30,–)
von Gabriele Kanduth.
Weitere Inhalte dieser Ausgabe:
Ihre Meinung
Ihre Meinung ist uns wichtig.

Schreiben Sie Ihren Kommentar zu diesem Artikel, den wir dann prüfen und veröffentlichen werden.
Bitte melden Sie sich an, um einen Kommentar zu verfassen.
Werbung