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Ausgabe Nr. 29/2020 vom 14.07.2020, Foto: AdobeStock
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Dies ist das erste authentische Bild eines Schwarzen Lochs. 200 Forscher brauchte es dazu und ein virtuelles Riesenteleskop, so groß wie die Erde.
Gefahr in der Milchstraße
Sie verschlucken alles, was ihnen in den Weg kommt, sogar Licht. Schwarze Löcher gehören zu den größten Geheimnissen des Weltalls. Seit etwa hundert Jahren werden sie von Wissenschaftlern in der ganzen Welt erforscht – und dabei können wir sie nicht einmal sehen. Nun haben Astronomen so ein unsichtbares Schwerkraftmonster in „Erdnähe“ entdeckt.
In der Milchstraße befinden sich vermutlich zwischen hundert Millionen und einer Milliarde Schwarze Löcher, schätzen Astronomen. Entdeckt haben sie davon allerdings erst zwei Dutzend. Denn die meisten Schwarzen Löcher sind inaktiv – und damit unsichtbar für Teleskope. Doch nun hat eine Gruppe von Astronomen ein Schwarzes Loch in direkter kosmischer Nachbarschaft entdeckt, das „nur“ tausend Lichtjahre (1 Lichtjahr entspricht 9,460 Billionen Kilometer) von unserer Erde entfernt liegt.
Genauer gesagt handelt es sich dabei um ein stellares Schwarzes Loch.

Tod im Schwarzen Loch
„Solche Objekte entstehen, wenn ein massereicher Stern am Ende seiner Lebenszeit als Supernova explodiert. Es ist also eine Sternleiche, in denen die Materie unter der eigenen Schwerkraft zu einem winzigen Punkt, einer Singularität, zusammengestürzt ist“, erklärt der Astrophysiker Dietrich Baade von der Europäischen Südsternwarte (ESO).

Würde unsere Erde theoretisch zu einem schwarzen Loch komprimiert, wäre sie knapp so groß wie eine Murmel – jedoch mit dem gesamten Gewicht der Erde. Um ein Schwarzes Loch zu werden, muss ein Himmelskörper aber mindestens drei Mal die Masse der Sonne haben. Das entspricht ungefähr eine Million Mal der Masse unserer Erde.

Weil aber Schwarze Löcher schwärzer als schwarz sind und keine Strahlung aussenden, die sich mit Teleskopen oder Satelliten einfangen ließen, können sie niemals direkt beobachtet werden. Befindet sich allerdings Materie – das können beispielsweise Gaswolken sein – in der Nähe eines Schwarzen Loches, wird sie von der enormen Anziehungskraft erfasst.

„Die Materie bewegt sich immer schneller auf das Zentrum des Schwarzen Loches zu, wobei sie sich auf Temperaturen von bis zu mehreren Millionen Grad Celsius erhitzt und dadurch hell aufleuchtet. Die freigesetzte Röntgenstrahlung können wir dann nachweisen und so indirekt das Schwarze Loch beobachten“, sagt der Astrophysiker.

Es wird daher vermutet, dass sich einige Schwarze Löcher noch näher an der Erde befinden als das nun entdeckte. Gefährlich kann das für unseren Planeten aber nicht werden, „da sie trotzdem noch mehrere Lichtjahre von uns entfernt sind“.

Weit verbreitet ist allerdings noch immer die Vorstellung, Schwarze Löcher seien gigantische Staubsauger, die Planeten, Sterne, Galaxien, Licht, einfach alles in sich hineinsaugen.

„Sie besitzen zwar ein extrem starkes Gravitationsfeld, aber die anziehende Kraft ist nur in der nahen Umgebung groß genug, um Objekte tatsächlich in das Schwarze Loch zu ziehen“, beruhigt der Fachmann.

So hätte ein Schwarzes Loch von der Masse unserer Sonne nur einen Radius von etwa drei Kilometern. Nur wer diesen sogenannten Ereignishorizont überschreitet, wird auf Grund der Anziehungskraft zunächst in die Länge gezogen – der Physiker Stephen Hawking († 2018) bezeichnete dieses Phänomen als „Spaghettisierung“ – und schließlich verschluckt. Eine solche Apokalypse wird allerdings noch auf sich warten lassen. Denn das nächste supermassereiche schwarze Loch – Sagittarius A* – liegt 26. 500 Lichtjahre von der Erde entfernt. Statistisch gesehen kommt so ein Schwerkraftgigant einem Sonnensystem auch nur alle 1.000 Milliarden Jahre näher als einen Lichtmonat, also 777 Milliarden Kilometer. Und erst von da an kann er seine Welten vernichtende Wirkung entfalten. Der genannte Zeitraum entspricht indes dem 80-fachen Alter des Universums.
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