Jetzt anmelden
Ausgabe Nr. 29/2020 vom 14.07.2020, Fotos: AdobeStock, Georg Formanek
Artikel-Bild
Farben bestimmen unser Leben.
Artikel-Bild
„Bewusst oder unbewusst, Farben wirken immer auf uns“, sagt die Farb- und Stil-Expertin Claudia Schober
"Von wegen Rosa ist für Mädchen"
Schwarz steht für Reichtum, Gelb macht schnell, Braun gilt als „unsexy“. Ohne dass wir es merken, werden wir von Farben beeinflusst. Farb-Experten erklären, was Farben bedeuten, warum Rosa früher den Buben zugeordnet wurde, und weshalb die Chinesen, wenn sie trauern, Weiß tragen.
Wann immer er den Satz „Rosa ist für Mädchen, Blau für Buben“ hört, muss Riccardo Falcinelli herzlich lachen. „Dieses angebliche Gesetz ist noch immer unglaublich stark. Wobei es aus historischer Sicht nicht den geringsten Grund dafür gibt. Von wegen Rosa ist für Mädchen, in früheren Zeiten wurde die Farbe Rosa den Buben zugeordnet. Rot stand für Blut, Krieg und den Mars. Deshalb trugen die jungen Männer das ,zarte Rot‘“, sagt der italienische Grafik-Designer, dessen Buch „Cromorama“ als „Bibel der Farben“ gilt.

„Seit dieser Farben-Zuordnung sind mehr als hundert Jahre vergangen. Jahre der Emanzipation der Frauen, und genau darin liegt die Umkehr der Farb-Symbolik“, erklärt die Wiener Farb- und Stil-Beraterin Claudia Schober (www.schober-color-image.at). Rosa sei längst nicht mehr nur die „kleine Schwester von Rot“, sondern vielmehr eine eigenständige Farbe. „Rosa vermittelt Einfühlsamkeit und Empfindsamkeit. Das sind Eigenschaften, die bei Frauen wie Männern erwünscht sind“, sagt Schober. Laut aktuellen Untersuchungen wird Rosa jedoch immer noch eher den Mädchen und Blau den Buben zugeordnet. „Das ist tatsächlich ein ungeschriebenes, aber äußerst starkes Farbgesetz“, weiß Schober.

Die meisten farblichen Hintergründe sind kulturell verwurzelt. „Während wir Europäer schwarze Trauerkleidung tragen, trauern die Chinesen in Weiß, weil das der Farbe der Knochen entspricht“, sagt Falcinelli, der die historische Bedeutung von Farben erkundet hat. Zudem hat die Farben-Auswahl gesellschaftliche Hintergründe. „Traditionell bevorzugen wohlhabende Menschen die Farben Schwarz und Weiß, weil sie sich dieses ,Weniger‘ leisten können.“ Dem Experten zufolge werden Farben dazu benutzt, Dinge zu verkaufen. „Wenn jemand ,Coca-Cola‘ oder ,Facebook‘ sagt, haben wir sofort die Farben Rot und Blau im Kopf“, sagt Falcinelli.

In dieselbe Kerbe schlägt die Wiener Farben-Expertin. „Türkis verpackte Produkte signalisieren Frische, bei Grün denkt der Mensch an die Natur, was in ihm Gefühle des Wohlbefindens und der Gesundheit auslöst. Wertvolle Gegenstände werden gerne in Gold verpackt. Und Imbiss-Ketten setzen auf ,schnelle‘ Farben wie Gelb und Rot“, verweist sie darauf, wie sehr uns die Werbung mit Farben beeinflusst und damit unser Leben mitbestimmt.

Dass Männer und Frauen Farben unterschiedlich wahrnehmen und benennen, ist erwiesen. „Während die Männer einfach nur ,Blau‘, ,Grün‘ oder ,Rot‘ sagen, gehen die Frauen ins Detail und sprechen von Nuancen wie ,Himmelblau‘, ,Zartgrün‘ oder ,Kupferrot‘.“

Interessant ist auch, dass Kinder bis zum vierten Lebensjahr verstärkt nach Gegenständen in roter Farbe greifen. „Rot bedeutet das Aktivieren der geistigen und körperlichen Fähigkeiten. Das passiert mit etwa vier Jahren, daher greifen die Kinder intuitiv nach der passenden Farbe“, erklärt Claudia Schober. Die Stil-Beraterin beteuert, alle Farben dieser Welt zu mögen. „Weil jeder einzelne Farbton seine spezielle Wirkung hat. Wobei meine Lieblingsfarben derzeit Hellblau und Orange sind, sie vermitteln Gefühle von Frische und Lebensfreude pur.“
  • GELB nehmen wir optisch als hell, leuchtend und entspannend wahr. Es steht für Heiterkeit, Wärme und Optimismus, aber auch für Neid, Egoismus und Geiz.
  • ORANGE wirkt optisch warm, hell und nah. Psychologisch verbinden wir mit dem Farbton Vertrauen, Lebenslust und Vitalität, aber auch
    Oberflächlichkeit und Mut.
  • ROT ist aktiv, warnend und prägnant. Es steht für Macht, Liebe, Leidenschaft und Feuer, aber auch für Gefahr, Wut, Zerstörung und Zorn.
    In China steht Rot für Glück.
  • ROSA wirkt optisch vereinigend. Psychologisch verbinden wir damit Weiblichkeit, Magie, Würde und Pracht, aber auch Arroganz, Egozentrik, Herrschaft und Intriganz.
  • VIOLETT erscheint optisch eher düster und kühl.
    Es steht für Leidenschaft, Mystik, aber auch für
    Eitelkeit, Frust und Unruhe.
  • DUNKELBLAU wirkt je nach Farbton kühl oder leuchtend. Psychologisch verbinden wir mit dem Farbton Ruhe und Vernunft, aber auch Sehnsucht, Melancholie und Kühle.
  • HELLBLAU ist leuchtend und reizend. Es steht für Klarheit, Frische, Offenheit und Bewusstsein, aber auch für Distanz und Leere.
  • GRÜN wirkt ruhig und natürlich. Psychologisch verbinden wir mit dem Farbton Glück, Hoffnung, Leben, Natur, Zufriedenheit und Regeneration, aber auch Unreife und Gift.
  • SCHWARZ ist düster, dicht und
    massiv. Es steht für Unabhängigkeit, aber auch für Trauer, Depression und Sorgen.
  • WEISS ist hell, strahlend und blendend. Psychologisch verbinden wir mit dem Farbton Unschuld, Reinheit, Ordnung und Wissen, aber auch Leere und Flucht. In Japan und China steht Weiß für Trauer.
  • GRAU wirkt je nach Farbton hell oder dunkel, unbestimmt und charakterlos. Es steht für Sachlichkeit und Nüchternheit, aber auch für Eintönigkeit, Vergänglichkeit und Langeweile.
Weitere Inhalte dieser Ausgabe:
Ihre Meinung
Ihre Meinung ist uns wichtig.

Schreiben Sie Ihren Kommentar zu diesem Artikel, den wir dann prüfen und veröffentlichen werden.
Bitte melden Sie sich an, um einen Kommentar zu verfassen.
Werbung