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Ausgabe Nr. 28/2020 vom 07.07.2020, Fotos: Bröll Fotografie, zVg
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Linda Peterlunger machte sich vor zwei Jahren selbstständig und verkauft seither Softeis.
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Wo Linda auftaucht, gibt es Softeis und gute Laune.
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Mit Haubenkoch Mathias Seidel feilt Linda an den Rezepturen.
Glücksgefühle aus dem „Eiswägile“
Das beste Eis produziert Linda Peterlunger aus Feldkirch (V). Das sagen jedenfalls ihre Kunden, die sie im Juni bei der Wahl eines großen Gourmetmagazins auf Platz eins hievten. Aus ihrem mobilen Mini-Eissalon verkauft die 38jährige Softeis, das sie ausschließlich aus natürlichen Zutaten bereitet.
Im Juni rief ein bekanntes Gourmetmagazin auf, den beliebtesten Eissalon unseres Landes zu wählen. Mehr als 53.000 Stimmen wurden abgegeben. Beliebte Eishersteller wie Tichy (Wien), Eisperle (Graz, Stmk.) oder Tutti Frutti (Klagenfurt, K) landeten allesamt unter den ersten zehn ihres jeweiligen Bundeslandes. Doch das beste Eis kommt aus dem Ländle. Die meisten Stimmen erhielt Lindas Eissalon. Der genau genommen gar kein Eissalon ist. Denn Linda Peterlunger aus Feldkirch ist mit ihrem kleinen Eismobil an keinen festen Standort gebunden.

„Ein Mal Himbeer-Vanille bitte“, sagt die kleine Michaela und legt 2,50 Euro auf die Ablage des an der rechten Seite aufgeklappten Lieferwagens, der schon durch seine Farbgestaltung auffällt. Sein Rosarot, mit hellblauen,
lila und weißen „Streuseln“ verziert, vermittelt schon beim Ansehen gute Laune, die von der Frau auf der kleinen
Ladefläche weitertransportiert wird. „Was magst denn für ein Topping drauf?“, fragt die freundliche Dame ihre junge Kundin, nachdem sie an der Eismaschine den Hebel umgelegt, die cremige Masse kunstvoll auf das Stanitzel gewunden und auf eine Auswahl an Brownie-Stücken, bunten Streuseln, Schokoperlen und süßen, wie auch fruchtigen Saucen gezeigt hat. „Wieviel davon darf ich denn?“, fragt Michaela unsicher. „Wenn du magst, kannst von allen was draufhaben“, lacht die 38jährige.

Die Herzlichkeit, mit der Linda Peterlunger ihre großen und kleinen Kunden bedient, ist ein gewichtiger, aber nicht der einzige Grund, der sie an die Spitze der Eissalons unseres Landes brachte. Natürlich ist auch die Qualität ihres Produktes über jeden Zweifel erhaben. Ihre Entscheidung für sogenanntes Softeis beruht auf Kindheitserinnerungen. „Meine Mama kommt aus Dänemark und als Kinder haben wir dort immer Softeis mit Streuseln gegessen.“ Für dessen Produktion haben Eishersteller zwei Optionen. Da es durch Düsen gepresst wird, die leicht verkleben können, wird es meist aus industriell verarbeitetem Pulver hergestellt. Oder man geht den Weg, den die Vorarlbergerin gewählt hat und der die Softeisproduktion aufwändiger als jene von herkömmlichem Speiseeis macht. „Ich verwende durchwegs natürliche Zutaten, die ich ganz fein passieren muss.“ So ist ihr Vanilleeis weiß und nicht gelb. „Weil ich nur die Vanilleschoten in Milch aufkoche und kein gelbes Pulver dazugebe.“ Dazu kommt die zeitintensive Reinigung der Eismaschine, die, wenn sie am Abend nach Hause kommt, eineinhalb Stunden ihrer Zeit in Anspruch nimmt. „Im Sommer komme ich selten auf mehr als vier Stunden Schlaf“, sagt die „Eisprinzessin“, deren beruflicher Lebensweg so bunt war wie ihr Eismobil jetzt ist. „Nach einer kaufmännischen Lehre war ich zehn Jahre in der Industrie in Liechtenstein tätig“, erinnert sich die 38jährige. Dann war sie für eine Bekleidungsfirma aus Kalifornien (USA) einige Zeit auf Tattoo-Messen in
Deutschland unterwegs. „Ich habe einen Internet-Laden aufgezogen und viel über soziale Medien gemacht. Ich habe mich quasi selbst mitvermarktet. Diese Erfahrung war äußerst bereichernd“, erzählt sie. Vor fünf Jahren kehrte Peterlunger schließlich nach Vorarlberg zurück, lernte die Chefin einer Eisdiele kennen und kam so zu einer Arbeit als Eisverkäuferin. Die Leidenschaft fürs Gefrorene wurde geweckt.

Nach dem Besuch der „Gelato World Tour“, bei der das bes-te Eis der Welt gekürt wird, beschloss sie, Nägel mit Köpfen zu machen. Im Frühling des Jahres 2018 ließ sie sich in Florenz (Italien) einen Eiswagen bauen und besuchte eine Eisfachschule in Deutschland. „Als ich dem Inhaber dort erzählt habe, dass ich natürliches Softeis machen möchte, hat er gesagt, ich sei verrückt“, erinnert sich die 38jährige. Was sie erst recht motivierte. So ist sie bis heute am Experimentieren und kreiert immer wieder neue Ideen. Im Sortiment von „Lindas Ice Cream“ findet sich neben Klassikern wie Vanille, Schoko, Erdbeere, Banane oder Pistazie auch violettes Eis, das aus der Yamswurzel hergestellt wird. Alle zwei Tage werden die Sorten geändert. Der Erfolg gibt ihr Recht.

Überall, wo sie mit ihrem „Eiswägile“ auftaucht, hat sie schnell alle Hände voll zu tun. Die Corona-Krise bremste sie genau zwei Tage ein. Dann füllte sie ihr Softeis in Becher ab und lieferte es in einer „Happy Box“ zu den Kunden nach Hause. „Schließlich verkaufe ich mit meinem Eis Glücksgefühle.“ Und die sind gerade in schwierigen Momenten wichtig.

Wenn sie nicht für eine Veranstaltung gebucht ist, ist Peterlunger die meiste Zeit beim Seeblickstüble am Baggerloch in Rankweil anzutreffen.

Wer ihr „folgen“ möchte, kann dies auf ihrer
Facebook-Seite lindasicecream tun.
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