Jetzt anmelden
Ausgabe Nr. 28/2020 vom 07.07.2020, Fotos: Brigitte Hirsch, www.charakter.photos, Philipp Monihart
Artikel-Bild
Sebastian Bohrn Mena, Mario Pulker
Pflicht-Kennzeichnung für das Wirtshaus-Schnitzel?
In Schweizer Wirtshäusern erfahren Gäste seit Jahren, woher das Fleisch auf ihrem Teller kommt. Auch wenn es aus einer bei den Eidgenossen nicht zugelassenen Tierhaltung stammt und dort etwa Hormone als Leistungsförderer verwendet werden können, wird das gekennzeichnet. Bei uns hat der Nationalrat kürzlich für eine Herkunftskennzeichnung in Spitälern und Schulkantinen gestimmt. Tierschützern geht das nicht weit genug. Sie wollen sie auch in der Gastronomie.
JA: Sebastian Bohrn Mena,
Initiator Tierschutz-Volksbegehren:

„Haben Sie die Schlachthof-Skandale in Deutschland mitverfolgt? Haben Sie noch die Bilder der grausamen Tiertransporte in Erinnerung? Das Elend der Tiere und
Arbeiter landet unter Umständen mit auf Ihrem Teller, wenn Sie im Restaurant ein ,Original Wiener Schnitzel‘ bestellen. Denn mit hoher Wahrscheinlichkeit stammt das Fleisch dafür aus dem Ausland. Das Kalbfleisch stammt aus den Niederlanden, das Schweinefleisch aus Deutschland. Aus gigantischen Fabriken, wo Tiere und Menschen wie Dreck behandelt werden. Und für die Panier werden dann noch ukrainische Käfigeier verwendet. Sie würden lieber ein Schnitzel mit heimischen Zutaten konsumieren, erzeugt von unseren Bauern? Tja, leider Pech gehabt. Die Wirtschaftskammer möchte nicht, dass Sie erfahren, woher Ihr Essen wirklich kommt. Damit Sie sich nicht frei entscheiden können. Deswegen blockieren sie die verpflichtende Herkunftskennzeichnung in der Gastronomie. Was meinen Sie, wie lange sollen wir uns diese Intransparenz noch gefallen lassen? Ich finde, es wäre höchste Zeit für eine echte Änderung. Und Sie?“

NEIN: Mario Pulker,
Obmann Fachverband Gastronomie:

„Eine Herkunftskennzeichnung von Lebensmitteln in der Gastronomie kann nur auf Freiwilligkeit beruhen. Wir haben ausgesprochen gute Erfahrungen mit freiwilligen Modellen gemacht, etwa mit dem Netzwerk Kulinarik, das die Kooperation zwischen Erzeugern, Direktvermarktern und Gastronomen ausbauen soll und für teilnehmende Betriebe ein kontrolliertes System der Herkunfts-und Qualitätssicherung vorsieht. Gerade in der gegenwärtig schwierigen Situation der Branche, die enorm von der Corona-Krise getroffen ist, ist es nicht zielführend, verpflichtende Maßnahmen zu fordern, die unweigerlich zu weiteren administrativen Belastungen für die Betriebe führen. Auch die immer wieder ins Spiel gebrachte Herkunftskennzeichnung in der Schweiz bringt de facto kaum eine Verbesserung der Transparenz. Bezieht dort der Gastwirt seine Produkte aus mehreren Herkunftsländern, was in der Regel der Fall sein wird, ist auch die Angabe mehrerer Herkunftsländer zulässig. Fakt ist, dass sich
Österreich in vielen Produktgruppen (zum Beispiel Geflügel oder Fisch) nicht zu 100 Prozent selbst versorgen kann und Importe daher notwendig sind.“
Weitere Inhalte dieser Ausgabe:
Ihre Meinung
Ihre Meinung ist uns wichtig.

Schreiben Sie Ihren Kommentar zu diesem Artikel, den wir dann prüfen und veröffentlichen werden.
Bitte melden Sie sich an, um einen Kommentar zu verfassen.
McCormick
Ich fordere für jedes Tier Geburtsurkunde und Taufschein! Bei Fischen und Wild wird der Geburtsort etwas problematisch werde.
Werbung