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Ausgabe Nr. 28/2020 vom 07.07.2020, Fotos: All mauritius, zVg
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Phoebe Bridgers
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Das ist das neue Album einer Künstlerin, die der Ansicht ist, wir würden uns mitten in der Apokalypse befinden.
Eine hübsche Waldhexe
Sie lebt alleine, trauert ihrem Hündchen „Max“ nach und macht Sport, wenn sie sich konzentrieren will. Phoebe Bridgers ist eine interessante junge Frau von 25 Jahren, die mit „Punisher“ nun ein hochgelobtes Album auf den Markt gebracht hat. Der WOCHE-Reporter Steffen Rüth hat mit der in Los Angeles (US-Staat Kalifornien) lebenden Künstlerin gesprochen. Zunächst war am Telefon aber nur ein Keuchen zu hören.
Frau Bridgers, machen Sie gerade einen Spaziergang?
So in der Art. Ich bin auf dem Laufband unterwegs (lacht). Ich habe festgestellt, dass ich mich dabei ausgezeichnet konzentrieren kann.

Es ist ja noch Vormittag …
Stimmt, aber ich bin erst vor Kurzem aufgewacht, obwohl es schon 10.30 Uhr ist. Na ja, man verlottert halt ein bisschen (lacht).

Ich habe gelesen, dass Sie gerne wandern. Ist das Laufband eine Corona-Anschaffung?
Das glauben alle, aber nein. Ich hatte es mir kurz vor der Krise gekauft. Seit mein Hündchen „Max“ im Februar verstorben ist, wohne ich allein und habe genug Platz. „Max“ war so süß. Ich bekam ihn mit acht Wochen, da war er noch ein Baby. Irgendwann bin ich mit ihm bei meinen Eltern ausgezogen und habe mir zusammen mit ihm eine eigene Wohnung geteilt. Mein Laufband ist zwar gut und schön, aber kein Ersatz für die echte Natur.

Das klingt, als würde Ihnen die Decke auf den Kopf fallen?
Ja, Corona nervt gewaltig, aber das Virus ängstigt mich auch. Hinauszugehen traue ich mich noch nicht. Eigentlich wäre ich gerade drei Monate ununterbrochen unterwegs, so bin ich seit mehr als drei Monaten ununterbrochen hier.

In „I Know The End“, dem letzten Lied Ihres neuen Albums „Punisher“, malen Sie sich den Weltuntergang aus. Das Lied selbst hört sich dagegen fast schon ausgelassen an. Wie passt das zusammen?
Das Ende der Welt begeistert mich mehr, als das wohl normal ist. Wenn ich mit Freunden darüber spreche, fasziniert sie das längst nicht so wie mich. Es ist seltsam, ich war immer überzeugt, dass die Erde mit einem gigantischen Knall untergeht. Die Wirklichkeit sieht jetzt eher so aus, als würden wir langsam aber stetig dem Abgrund entgegengehen. Wir befinden uns offenbar schon mitten drin in der Apokalypse.

Außerdem singen Sie in dem Lied die Zeile „There is no Place like my Room“ („Es gibt keinen Ort wie mein Zimmer“). Sind Sie lieber daheim als auf Tournee?
Ich liebe beides und ich hasse beides. Ich spiele gerne live, aber ich denke oft: „Das sind jetzt zu viele Menschen“. Ich habe die wiederkehrende Phantasie, dass ich mir ein Häuschen irgendwo im Norden, vielleicht in Portland (US-Staat Oregon, nahe der amerikanischen Westküste), kaufe, um dort mit vierzig bis fünfzig Hundewelpen zusammenzuleben. Wie eine komische Waldhexe (lacht).

Auf dem Albumtitel sowie im „Kyoto“-Video tragen Sie einen Skelett-Anzug. Ist das der modische Ausdruck Ihrer morbiden Ader?
(lacht) Nein, dieses Kleidungsstück ist einfach herrlich bequem. Ich trage es oft, zuhause, auf der Bühne, es ist außergewöhnlich flauschig.

Machen Sie den Menschen gerne Angst?
Also bitte. Das ist ein Kinderkostüm. Ich liebe alles, was mit Halloween zu tun hat und irgendwie niedlich und bescheuert zugleich aussieht. Mein gesamtes Geschirr ist aus der Halloween-Abteilung. Auf richtigen Horror stehe ich allerdings gar nicht.

Worum geht es denn in Ihrem Song „Halloween?
„Halloween“ ist eine Metapher für eine blöde, kaputte Beziehung. Du tust so, als könntest du neu anfangen und beim Neuanfang jemand ganz anderes sein. Aber das geht nicht.

Sind Sie eine Expertin, was verkorkste Liebesbeziehungen angeht?
Sind wir das nicht alle?
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