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Ausgabe Nr. 28/2020 vom 07.07.2020, Foto: instagram
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Schauspielerin Katja Riemann
„Die Angst überfällt mich wie ein Tier“
Als Schauspielerin kennt sie Ruhm ebenso wie Missgunst. Als Mutter weiß sie, was Liebe, Glück und Sorge bedeuten. Und am eigenen Leib spürt Katja Riemann, wie es ist, von plötzlicher Angst und Verzweiflung gequält zu werden. Die 56jährige leidet seit Jahren an Panik-Attacken. Ihre Arbeit für das Kinderhilfswerk UNICEF hilft ihr, die Angst besser zu kontrollieren. Über ihr ehrenamtliches Engagement erzählt Riemann, die vor Kurzem von ihrer großen Liebe verlassen wurde, in ihrem neuen Buch „Jeder hat. Niemand darf.“.
Sie gehört zu den bekanntesten deutschen Darstellerinnen. Ihre Markenzeichen sind die blonden Locken und die blauen Augen. Katja Riemann spielte in den 1990er Jahren in den erfolgreichsten Filmen mit, in Komödien wie „Abgeschminkt“, „Stadtgespräch“ oder „Der bewegte Mann“, im Krimi „Die Apothekerin“ oder als „Eva Braun“ in der Hitler-Parodie „Mein Führer“.

Ihre Rolle als Schuldirektorin in „Fack ju Göhte“ empfindet die am 1. November 1963 geborene und in einem Dorf nahe Bremen (D) aufgewachsene Tochter eines Lehrer-Paares genauso „schicksalshaft“ wie ihre Freundschaft mit Roger Willemsen. Dem Fernsehmoderator und Weltenbummler, der im Jahr 2016 an Krebs starb, hat sie ihr neues Buch „Jeder hat. Niemand darf.“ gewidmet.

Auf knapp 400 Seiten erzählt Riemann von ihren Reisen mit Vertretern von Menschenrechtsorganisationen. Seit dem Jahr 2000 engagiert sich die 56jährige für Menschenrechte. Sie ist Botschafterin des Kinderhilfswerkes UNICEF, unterstützt „Plan International“ und „Amnesty International“ und reist in Krisengebiete. „Im Kongo habe ich mit ehemaligen Kindersoldaten gesprochen, denen Drogen verabreicht wurden und die dann Minderjährige gequält haben“, zeigt sie sich zutiefst erschüttert. Auch an der deutsch-tschechischen Grenze gäbe es unglaubliche Grausamkeiten. Kinder werden zur Prostitution gezwungen. Gar nicht zu reden von ihren Erlebnissen in nordirakischen Flüchtlingslagern. „Ich habe von Kriegsfotografen Geschichten gehört, die ich lieber nicht wissen wollte und die ich auch nicht weitergeben werde. Wo wir doch ohnehin tagtäglich mit Bildern von Gewalt-Exzessen überflutet werden“, erklärt Riemann. Um das Erlebte festzuhalten, brauchte Riemann, die sich in jungen Jahren als einziges „Scheidungskind“ in ihrer Schulklasse abgestempelt gefühlt hat, zunächst Distanz. Jedenfalls bleiben ihr die Reise-Begegnungen im Gedächtnis.

„Das sind kleine Helden, die mein Herz berührt haben, Menschen, die niemand kennt und über die niemand redet“, sagt sie. Wenn sie über die Schicksale der Kinder spricht, öffnet sie zugleich ihr eigenes Herz. Denn die ehrenamtliche Arbeit hat ihrem Leben nicht nur neue Perspektiven gegeben. „Ich habe eine andere Haltung zu Menschen bekommen. Die Projektreisen haben mir geholfen, die Angst, die mich wie ein Tier überfällt, etwas zu bändigen. Die Alternative wäre gewesen, dass ich nicht mehr aus dem Bett aufgestanden wäre.“ Riemann leidet seit Jahren an schweren Panik-Attacken. „Da beginne ich herumzurudern und um mich zu schlagen, wobei ich nur weiter in diesen Strudel aus Beklemmung hineingerate“, beschreibt sie ihre Angst-Zustände.

Dies sei nun zwar ein bisschen besser geworden, vollends befreit von ihren Ängsten ist die Schauspielerin aber nicht. Am allersichersten fühle sie sich vor der Kamera. „Denn wenn ich spiele, bin ich nicht ich selbst“, sagt die Schauspielerin, die nach der Matura Tanz-Pädagogik studiert hat.

Ihre verstorbene Mutter habe ihre Panik-Attacken nur schwer verkraften können, weiß die Künstlerin. „Sie hat es nicht ertragen, mich so verzweifelt zu sehen. Ich kann mich gut in die mütterliche Gefühlswelt hineinversetzen“, sagt Riemann, die selbst Mutter ist. Ihre 24jährige Tochter Paula, die bereits erste schauspielerische Erfahrungen gesammelt hat, gehört neben ihrem früheren Lebensgefährten Peter Sattmann, 72, zu den „wichtigsten Lebensmenschen“ der Schauspielerin. Wie auch ihre verstorbene Mutter und der Mann, mit dem Riemann seit 2007 ihr Leben teilte. Mit dem Bildhauer Raphael Alexander Beil verband sie noch bis vor wenigen Monaten eine leidenschaftliche Liebe. „Mein Mann“ sagte sie gerne über den 55jährigen Künstler, mit dem sie sich zwar selten, dafür umso inniger und verliebter in der Öffentlichkeit zeigte. Doch schon im Spätsommer 2019 soll Beil die Beziehung beendet haben. „Katja wollte die Trennung aber nicht“, behauptet ein Freund des früheren Traum-Paares.

Einer ihrer Verflossenen spendet ihr Trost und möchte ihr helfen, den Trennungsschmerz zu überwinden. Peter Sattmann, der Vater ihrer Tochter, beendet jedes E-Mail an seine frühere Lebensgefährtin mit dem Satz „Ich liebe dich, ich küsse dich“.
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Dodoheimarie
Katja Riemann zeigt wie man eigene Mißstimmungen, Ängste und Sonstiges abbauen kann.
Ganz einfach. Ich muß nicht um die Welt reisen, nein. Auch in unserem Umfeld gibt es vieles das unser Leben bereichern kann: ein alter Mensch wohnt im gleichen Haus, sitzt am Balkon. Ich grüße und gebe ihm von meinen selbst geernteten Erdbeeren ab. Komme ins Gespräch, erfahre viel aus seinem Leben, oft auch, wie er es meistern konnte...
Oder ich treffe Kinder die oft von anderen verspottet werden. Nun, da gebe ich ihnen Schutz und spreche mit allen.
Ja und so hat man ein gutes Gefühl, vielleicht auch eine Erfüllung und schon kann man sich besser fühlen.
Auf jeden Fall viel besser als jede Tablette.

Das wichtigste jedoch, zwar hart, doch effektiv, ist es sich seinen Ängsten zu stellen. Dauert zwar...
Mental an sich zu arbeiten, diszipliniert seinen Weg beschreiten, vielleicht auch seine Ernährung umstellen und sich einfach am Gänseblümchen am Wegesrand erfreuen.
Und, noch wichtiger, es soll einem egal sein was Menschen über einen denken! Jedem recht getan ist eine Kunst die keiner kann.
ICH bin ein großes "ICH BIN ICH" ein Individuum, einzigartig in meiner Haut und für meine Person.
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