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Ausgabe Nr. 28/2020 vom 07.07.2020, Foto: gepa
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Tennis-Ass Dominic Thiem
„Ich kann ein Gericht kochen“
Beim Kitzbüheler (T) Turnier „Thiems7“ lässt der Tennisheld Dominic Thiem, 26, in dieser Woche seine gewaltige Vorhand unter anderem gegen Matteo Berrettini und Andrey Rublev krachen. Im Interview verrät er, warum leere Ränge zehn Prozent der Leistung fressen, er außer Tennis keine herausragenden Talente hat und trotzdem jede Menge Heiratsanträge bekommt.
Herr Thiem, in Kitzbühel (T) jubeln wieder Anhänger von der Tribüne, in New York hingegen werden im September gar keine zugelassen. Macht Tennis vor leeren Rängen überhaupt Spaß?
Ganz ohne Zuschauer spielen auch wir Top-Spieler qualitativ schlechteres Tennis, ich würde sagen, es fehlen bis zu zehn Prozent von der Attraktivität. Ich spiele viel lieber vor Publikum, es sind eben Stimmung und Atmosphäre, die das letzte Bisschen, die großen Schläge, aus dir herauskitzeln. Deshalb sind schon ein paar einzelne Zuschauer auf den Rängen besser als gar keine. Corona-Masken brauche ich selbst keine mehr kaufen, ich habe sie zuletzt dutzendweise von meinen asiatischen Anhängern zugeschickt bekommen.

Lebt es sich als Nummer drei der Welt anders als zuvor?
Irgendwie schon. Während der Virus-Krise hatte ich Zeit, ein wenig Abstand von dieser wahnsinnigen Tenniswelt, diesem Leistungsstrudel zu gewinnen und da wurde mir klar, dass vielleicht nur zehn Spieler außer Rafael Nadal, Roger Federer und Novak Djokovic in den vergangenen zehn Jahren dort standen. Davon hätte ich noch vor fünf Jahren nicht zu träumen gewagt.

Damals hatten Sie noch viel mehr das Image des „netten, höflichen Buben von nebenan“, ernten nun aber plötzlich mit direkten Ansagen Kritik und Konflikte. Stört Sie das?
Ich bin sicher später erwachsen geworden als andere, dafür wird es jetzt mit 26 auch höchste Zeit, dass ich Ecken und Kanten bekomme. Und es stimmt, seit dem Australian-Open-Finale ist extrem zu beobachten, wie jede meiner Aussagen mit Argusaugen verfolgt wird, mein Bekanntheitsgrad ist noch einmal gestiegen. Für mich ist das ein positives Zeichen, seit der Trennung von Günter Bresnik bin ich eindeutig reifer geworden, habe meine Persönlichkeit um ein großes Stück weiterentwickelt und setze, was ich mir denke, jetzt auch gegen Widerstand durch. Um auch im Tennis eine Nummer eins zu werden, musst du diese Kanten haben, dieses gewisse Etwas, das ich früher nicht hatte.

Nick Kyrgios, nächste Woche in Berlin (D) Ihr Gegner, hält Sie für langweilig. Er meint, Sie seien einer, der gerne der Farbe an der Wand beim Trocknen zusieht …
Was wäre verkehrt daran, Farbe beim Trocknen zuzusehen? Vielleicht würde Kyrgios das auch guttun und gerade ihn ein wenig entspannen oder erden. Es amüsiert mich, so etwas zu lesen, auch weil er diese Phrase etwa fünf Mal am Tag verwendet. Das finde ich wiederum langweilig von ihm.

Sie wohnen derzeit mit Ihrem 20jährigen Bruder Moritz zusammen. Wie richten sich zwei Tennisbrüder die Wohnung ein und was findet sich in der Speisekammer?
Ganz offen gesagt ist mir die Art der Möbel, die drin stehen, egal. Unsere Wohnung, die etwas außerhalb von Wien liegt, sieht noch genauso aus, wie ich sie übernommen habe. Hauptsache, ich fühle mich wohl darin, wenn ich nach Haus komme, denn ich schlafe ja sonst zu 85 Prozent in Hotels. Daheim ist mir nur wichtig, dass immer frische Früchte da sind, und in der Corona-Zeit habe ich zugegeben auch viel mit Zotter-Schokolade gesündigt. Ein Muss sind bei mir auch reichlich Bohnen im Regal, denn mit Kernöl als Salat zubereitet, ist das eines der wenigen Gerichte, die ich selber kochen kann und daheim gefühlte fünf Mal pro Woche esse.

Sonst können Sie nichts kochen?
Nein, ich muss zugeben, dass ich beim Kochen, wie auch beim Heimwerken, Garteln oder Computern völlig talentbefreit bin. Ich fürchte, meine ganze Begabung ist in den Ballsport geflossen und das ist gar nicht so erstaunlich. Schließlich dreht sich seit dem achten Lebensjahr mein ganzes Dasein um den Tennisball. Zum Glück habe ich mein einziges Talent gut ausgenützt.

Genießen Sie derzeit das beziehungsfreie Single-Dasein?
Ich wäre ja durchaus aufgeschlossen für alles, aber zur Zeit hat Tennis sicher die absolut oberste Priorität in meinem Leben. Das wird erst zu Ende sein, wenn ich Kinder habe, zum Glück gibt es ja noch ein langes Leben danach. Die reiseintensive Tenniskarriere und Beziehungen, das verträgt sich derzeit nur schwer, denn es ist ein äußerst egoistischer Sport. Ich bekäme ja genug Heiratsanträge per Post von Anhängerinnen, aber da bin ich noch nie näher drauf eingegangen.
Wolfgang Kreuziger
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