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Ausgabe Nr. 26/2020 vom 23.06.2020, Fotos: nunofoto2019, ÖÄK / Bernhard Noll
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Gerhard Kobinger, Rudolf Schmitzberger
Sollen auch Apotheker impfen dürfen?
In der Schweiz dürfen Apotheker seit fünf Jahren gegen bestimmte Krankheiten impfen, je nach Kanton unterschiedlich. In Deutschland sind Modellprojekte zum „Apotheken-Pikser“ geplant. Und auch bei uns fordert die Apothekerkammer, dass Pharmazeuten mit einer speziellen Ausbildung künftig impfen dürfen. Doch die Vertreter der Ärzteschaft sind strikt dagegen. Dafür sollen Ärzte ohne jede Fachbeschränkung impfen dürfen, etwa Kinderärzte auch immer Erwachsene.
JA: Gerhard Kobinger,
Präsidiumsmitglied Apothekerkammer:

„In zwölf europäischen Staaten kann man sich in bestimmten Apotheken von speziell ausgebildeten Apothekerinnen und Apothekern impfen lassen. Bei uns in Österreich ist das Impfen derzeit ziemlich kompliziert, dementsprechend schlecht sehen unsere Durchimpfungsraten aus. Das ginge wesentlich unkomplizierter und schneller, und zwar in der nächstgelegenen Apotheke. Impfen muss einfach und schnell möglich sein. Der Gang in die Apotheke ums Eck mit ihrem niederschwelligen Zugang und österreichweit rund 400.000 Patientenkontakten pro Tag ist der einfachste Weg, die niedrigen Durchimpfungsraten deutlich zu erhöhen. Das dichte Apothekennetz und die langen Öffnungszeiten erleichtern es den Menschen, eine Apotheke aufzusuchen. Auch bei der Impfkompetenz
ist unsere Apothekerschaft gut aufgestellt. Leider ist ihr das aktive Impfen in Österreich bislang untersagt – da ist die Politik gefordert und die hat in letzter Zeit Bewegung signalisiert. Schließlich war seinerzeit auch das
Blutdruckmessen in der Apotheke höchst umstritten – und siehe da, heute ist es vollkommen normal.“

NEIN: Rudolf Schmitzberger,
Leiter des Ärztekammer-Impfreferats:

„Das Impfen ist eine ärztliche Tätigkeit - und zwar mit Recht. Denn es umfasst nicht nur die Verabreichung der Impfung, egal, ob als Spritze oder nasaler Impfstoff. Dazu gehört etwa auch die Feststellung, ob eine Person impftauglich ist. Und das bedarf der klinischen Ausbildung und Erfahrung. Das kann nicht in einem kurzen Kurs erlernt werden. Die Apotheker haben zwar ein ausgezeichnetes Wissen, was die Pharmakologie betrifft, aber sie haben keine klinische Ausbildung. Auch die
seltene, aber immerhin vorhandene Möglichkeit von Impfreaktionen muss bedacht werden. Ein Kreislaufkollaps ist in einem Umfeld wie in einer großen überfüllten Apotheke schwierig zu handhaben. Der Apotheker kann zudem oft schwer die Krankengeschichte erheben. Aber diese Anamnese ist ebenso eine ganz wichtige Tätigkeit. Und weil immer von anderen
Ländern die Rede ist: In Amerika habe ich nachgeforscht. Etwa vier Prozent aller gemeldeten Nebenwirkungen finden in Apotheken statt. Ich wünsche es keinem Pharmazeuten, dass dort tatsächlich eine schwerwiegende Nebenreaktion oder gar Nebenwirkung auftritt.“
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