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Ausgabe Nr. 26/2020 vom 23.06.2020, Foto: picturedesk.com
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Der Unternehmer und Milliardär Elon Musk, 48, will das All erobern
„Ich möchte auf dem Mars sterben“
Elon Musk, 48, will hoch hinaus. Der Technik-Visionär und Unternehmer revolutionierte das Bezahlen im Internet, machte Elektroautos serienreif und will den Mars besiedeln. Zwei Astronauten, die mit einer seiner wiederverwendbaren Raketen zur internationalen Raumstation ISS geflogen sind, sollen demnächst wieder auf der Erde landen.
Mit ihren 26 Millionen Pferdestärken und einem gleißenden Feuerstrahl hob die „Falcon 9“-Rakete am 30. Mai vom Boden ab. Der Jubel am Weltraumbahnhof Cape Canaveral in Florida (USA) war groß. Das erste Mal seit 2011 hatten die Amerikaner aus eigener Kraft wieder Astronauten ins All befördert. Mit an Bord der rund 70 Meter hohen Rakete, die bis zu 23 Tonnen Last ins Weltall fliegen kann, waren die Raumfahrer der amerikanischen Weltraumbehörde NASA, Robert Behnken, 49, und Douglas Hurley, 53. Sie sollen nach vier Wochen auf der internationalen Raumstation ISS wieder auf der Erde landen.

Zu verdanken haben die Amerikaner die Weltraum-Mission dem Gründer des Raumfahrtunternehmens „SpaceX“, Elon Musk, 48. Er hat der NASA die Rakete zur Verfügung gestellt. Seine Flugkörper haben den Vorteil, dass sie wiederverwendbar und daher kostengünstiger sind als die sonst üblichen russischen Modelle. Musk möchte den Mars besiedeln. Ob das damit gelingt, scheint fraglich, aber der Konkurrenz ist er um Lichtjahre voraus.

Bis Musk ins Weltall aufbrechen konnte, war es aber ein steiniger Weg. Er erblickte das Licht der Welt am 28. Juni 1971 in Pretoria in Südafrika. Sein südafrikanischer Vater ist Maschinenbauingenieur, seine kanadischstämmige Mutter ist Modell, Autorin und Ernährungsberaterin. Musk wuchs in wohlhabenden Verhältnissen auf, seine Eltern hatten für ihn aber nur wenig Zeit. „Stattdessen hatte ich ein Hausmädchen, das darauf achten sollte, dass ich nichts kaputt machte“, sagt Musk.

Als er neun Jahre alt war, ließen sich seine Eltern scheiden. Zunächst zog er mit seiner Schwester Tosca, 45, und seinem Bruder Kimbal, 47, zu seiner Mutter, beschloss aber bald, bei seinem Vater zu leben. Eine Entscheidung, die er bald bereute. „Er ist ein schrecklicher Mensch, der mich psychisch misshandelte, als ich jung war.“ Bis heute spricht er nicht darüber.

Auch in der Schule hatte er es schwer. Wegen seines sonderbaren Vornamens Elon, den er von seinem Großvater geerbt hatte, war er ein Außenseiter. „Ich wurde von Banden gejagt, die die Scheiße aus mir herausprügeln wollten.“ Einmal landete er sogar im Krankenhaus, nachdem er die Stiege hinuntergestoßen wurde und er das Bewusstsein verlor. „Für einige Jahre gab es für mich keine Atempause, weder in der Schule noch zuhause. Das war Terror ohne Ende.“

Musk flüchtete sich in Buchläden, wo er viele Stunden verbrachte. „Manchmal wurde ich dort sogar hinausgeworfen“ erinnert er sich. „Irgendwann gab es in der Schul- und in der Gemeindebücherei keine Bücher mehr für mich.“

Weil er als Kind ein fotografisches Gedächtnis hatte, war er ein wandelndes Lexikon. Wenn jemand in seiner Familie etwas wissen wollte, sagte seine Schwester, „Frag doch das kleine Genie.“ Der kleine Besserwisser brachte sich selbst die Grundlagen des Programmierens bei. Mit zwölf Jahren verkaufte er sein erstes Computerspiel. Mit seinem Bruder und seinen Cousins bastelte er zudem kleine Modell-Raketen und mischte Salpeter, Schwefel und Holzkohle zu Treibstoff. „Ich habe mit explosiven Stoffen experimentiert und Dinge getan, die mich hätten umbringen können. Ich bin überrascht, dass ich noch alle Finger habe.“

Mit 17 Jahren kehrte er seiner Heimat Südafrika den Rücken, um dem Wehrdienst zu entgehen. Musk ging zuerst nach Kanada und dann in die Vereinigten Staaten, um einen Bachelor-Abschluss in Physik und Volkswirtschaft zu machen. Ein weiterführendes Physikstudium brach er aber nach nur zwei Tagen ab, um gemeinsam mit seinem Bruder Kimbal sein erstes Internetunternehmen „Zip 2“ zu gründen, das etwa ein Internet-Unternehmensverzeichnis mit Karte bot. Der Computerhersteller Compaq erwarb die Firma 1999 um 270 Millionen Euro. Die Anteile von Musk beliefen sich auf rund 20 Millionen Euro.

Doch anstatt in Saus und Braus zu leben, gründete er das Unternehmen „X.com“, ein Internetbezahlsystem, das später zu „Paypal“ wurde, und ihn noch reicher machte. 2002 kaufte es der amerikanische Internetriese „Ebay“ um rund 1,3 Milliarden Euro. Noch im gleichen Jahr begann er mit dem Raumfahrtunternehmen „SpaceX“, zwei Jahre später investierte er erfolgreich in den amerikanischen Autobauer „Tesla“ und verhalf Elektro-Autos zur Serienreife.

Als Geschäftsmann geht er sprichwörtlich über Leichen. Ehemalige Mitarbeiter bezeichnen ihn als Tyrannen. Einem, der bei der Geburt seines Kindes dabei sein wollte, soll er gedroht haben, „Wir verändern die Welt und die
Geschichte. Entweder Sie sind dabei oder nicht“, Musk streitet dies aber ab.

Bevor Musk Mitarbeiter einstellt, müssen sie sich zahlreichen Bewerbungsrunden stellen, an deren Ende oft ein strenges Verhör durch Musk selbst steht. Er will um sich nur die besten und klügsten Köpfe scharen, die aber austauschbar sind. Erklärt ein Mitarbeiter, etwas sei nicht möglich, riskiert er seinen Arbeitsplatz.

Bis zu 120 Stunden in der Woche verbringt Musk selbst laut eigenen Angaben mit Arbeit. Die Corona-Krise ließ ihn unbeeindruckt. Sein Tesla-Werk in Kalifornien fuhr er trotz Ausgangsbeschränkungen, die er als faschistisch beschrieb, wieder hoch.

Seine Hartnäckigkeit und sein Ehrgeiz machten sich für ihn bezahlt. Sein Vermögen wird auf rund 37 Milliarden Euro geschätzt. Den reichsten Mann der Welt, Jeff Bezos (56, 140 Milliarden Euro) sieht er wohl als Konkurrenten. Musk rief kürzlich dazu auf, Bezos Internetversandhandel „Amazon“ zu zerschlagen, „weil Monopole falsch sind“.

Musk selbst hat es satt, für seinen Reichtum angefeindet zu werden. Er kündigte an, sich von all seinen Immobilien trennen zu wollen. Er besitzt rund sieben Häuser im Wert von 90 Millionen Euro. Eine seiner Villen in Bel Air, einem Stadtteil von Los Angeles, mit 1.500 Quadratemter, hat er aber bereits verkauft. Für 26 Millionen Euro, um elf mehr, als er 2012 bezahlt hat. Künftig wolle er lediglich eine Wohnung anmieten.

Schlagzeilen machten Musk und seine Frau, die extravagante Sängerin Claire „Grimes“ Boucher, 32, auch, als sie vor wenigen Wochen ihr erstes gemeinsames Kind bekamen. Der Spross hört auf den bizarren Namen „X AE A-XII“. Sowohl über die Bedeutung als auch die Aussprache waren sich die Eltern bis zuletzt uneinig. Der Name gilt aber als zulässig.

Vor der Beziehung mit Boucher war der mittlerweile sechsfache Vater kurz mit der Schauspielerin Amber Heard, 34, liiert. Davor war er bereits drei Mal verheiratet, zwei Mal hintereinander mit der britischen Schauspielerin Talulah Riley, 34, davor mit Justine, 47. Der Ehe, die von 2000 bis 2008 hielt, entstammten sechs Kinder.

Ihr erster Sohn Nevada starb aber wenige Wochen nach der Geburt 2002 an plötzlichem Kindstod. Da das Paar so schnell wie möglich wieder Kinder haben wollte, entstanden die darauffolgenden Zwillinge durch künstliche Befruchtung. Die Drillinge danach ebenfalls.

Seine Exfrau Justine bezeichnet Musk als Person, die so unnachgiebig ist wie der Schauspieler Arnold Schwarzenegger in dem Film „Terminator“ (1984), in dem er eine Tötungsmaschine aus der Zukunft spielt. „Er gibt niemals auf und geht mit schier übermenschlicher Beharrlichkeit seinen Weg.“

Das gilt auch für seine Mars-Besiedelungspläne. Noch vor dem Jahr 2030 will Musk Menschen auf den roten Planeten bringen. Eine Flugkarte soll rund 125.000 Euro kosten, 80 Tage soll die Reise dauern. Auch Musk selbst will mitfliegen. „Ich möchte auf dem Mars sterben, solange es nicht bei der Landung ist“, scherzt er. rb
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