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Ausgabe Nr. 25/2020 vom 16.06.2020, Foto: Judith M. Trölß
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Dressierte Fische sind nicht nur für Kinder die große Attraktion beim Besuch der alten Erledtmühle (OÖ).

Das angrenzende Sägewerk (Bild re. oben) ist voll funktionsfähig. An der Fassade (Bild re. unten) des Sägewerkes hängen viele Unikate, die Sageder-Luger „Weltausstellung“ nennt.
Im Museum der springenden Forelle
Ein im wahrsten Sinn des Wortes spritziger Spaß für Jung und Alt erwartet Besucher der Erledtmühle (OÖ). Markus Sageder-Luger führt dort nicht nur ein Mühlen- und Sägewerksmuseum. Der 49jährige hat Forellen, Bachsaiblinge und Bachkrebse so dressiert, dass sie vor den Augen der staunenden Besucher Kunststücke vollbringen.
Tooor. David Alaba schießt das 1:0 für die Österreicher. Und die nächste Flanke, unhaltbar für Tormann Lindner. Die Deutschen gleichen aus. Arnautovic nutzt die nächste Chance … und Tooor. Jawohl, 2:1 für Österreich!“ Länderspielatmosphäre herrscht, wenn Markus Sageder-Luger ein außergewöhnliches Fußballmatch kommentiert. Denn das Spielfeld ist ein mit Wasser gefülltes „Grandl“, ein Wassertrog, in dem früher Wäsche gewaschen wurde. Und die Rolle der Spieler übernehmen Kiemenatmer. Das Spiel zwischen Forelle und Bachsaibling ist nur eine der Attraktionen des Forellenzirkus, der bei einer alten Mühle in St. Aegidi (OÖ) Alt und Jung begeistert.

„Im Frühjahr beginne ich, die Fische zu trainieren, indem ich den Futterinstinkt bei ihnen nütze“, erklärt der „Fischdompteur“ Sageder-Luger. „Früher habe ich immer Regenwürmer verwendet, die wickelten sich aber so fest um den Finger, dass die Forellen auch nach meinem Finger schnappten. Ich habe dann auf Rindfleisch umgestellt.“ Und da schon viele Trainingseinheiten absolviert wurden, funktioniert das auch schon wunderbar. So hält er nicht lange ein kleines Stück Fleisch am Finger, bis sich ein Bachsaibling nähert und sogleich aus dem Wasser schnellt, um den Leckerbissen zu erhaschen. Was durch Fresslust ausgelöst wird, endet mit einem Kunststück, denn mit ihrer Schwanzflosse schießt ein Bachsaibling den schwimmenden Ball ein Stück übers Wasser. Nach demselben Prinzip funktioniert auch ein Sprung durch einen Reifen.

Wobei die Fischarten unterschiedliche Talente aufweisen. „Bachsaiblinge sind beim Fußballspiel besser. Für den Reifsprung eignen sich hingegen die Bachforellen besser“, weiß Sageder-Luger. Aber nicht nur die Kunststücke der Fische können bewundert werden, ein Bachkrebs macht einen Handstand auf Sageder-Lugers Finger, „Hansi“, die Streichelforelle und der Kuschel-Stör lassen sich von
Besuchern sogar kraulen. Lebensgroße Vogelscheuchen sind die Lebensversicherung seiner „Athleten“, die am Speiseplan von Fischreiher und Schwarzstorch stehen.

Wer über die kurvenreiche Straße von Engelhartszell (OÖ) über das Flenkental zum Mühlbach findet, darf sich dort noch auf eine weitere Sehenswürdigkeit freuen.

Die erstmals im Jahr 1348 erwähnte und seit dem Jahr 1905 im Familienbesitz befindliche Erledtmühle sowie das 200 Jahre alte Sägewerk, die das Ehepaar Markus und Bernadette Sageder-Luger in aufwändiger Arbeit in ein Museum verwandelt haben. Das venezianische Sägewerk ist voll funktionstüchtig und zeigt, wie früher mit Holzantrieb Bretter geschnitten wurden. Auch die gut erhaltene Mühle mit den liebevoll renovierten Wohnräumen der Müllerfamilie können bestaunt werden. Das Wasserrad wurde immer wieder repariert und erstrahlt seit drei Jahren in neuem Glanz.

„Wir möchten zeigen, wie früher die Menschen gelebt haben und wollen dieses Kulturgut erhalten. Für uns ist das Museum und der Forellenzirkus ein Lebenswerk“, sagt Sageder-Luger. In einer kurzweiligen eineinhalbstündigen Führung kann dies alles besichtigt werden.

Nicht nur Kinder werden große Augen machen, wenn sie die Raritäten zu Gesicht bekommen. Schon beim Betreten des Müllerhauses bekommen Besucher einen Eindruck, wie die Müllersleute früher lebten. Zwei Stuben mit Originalmalereien und Jugendstil-Kachelofen, eine Schlafkammer, Küche mit altem Holzofen, Knechtkammer und die Mühle sind originalgetreu erhalten. Am Dachboden, wo früher das Getreide gelagert war, zeigt heute eine Waschküche, eine Spinnerei, eine Kinderstube und eine Kinderwagenausstellung Schätze aus längst vergangener Zeit.

Viel Wissenswertes verpackt Markus Sageder-Luger in heiterer Stimmung, wenn er etwa eine alte Krautschneidemaschine zeigt oder eine Seilwinde mit Motor aus dem Jahre 1935, der sofort anspringt.

Wer das Müller- und Sägewerkmuseum besichtigen sowie den Fischen des Forellenzirkus bei ihren Kunststücken und „Länderspielen“ zusehen möchte, vereinbart am besten telefonisch einen Termin unter 0664/73964007.

Derzeit können für Samstag und Sonntag von 10 Uhr bis 12 Uhr und von 14 Uhr bis 16.30 Uhr Termine reserviert werden.

In den Sommermonaten sollen die Öffnungszeiten für Interessierte noch erweitert werden.
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