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Ausgabe Nr. 25/2020 vom 16.06.2020, Fotos: Tanja Cammerlander, WTV
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Hermann Gahr, Madeleine Petrovic
Braucht der Wolf weniger Schutz?
Der Wolf gehört laut einer EU-Richtlinie zu den „streng zu schützenden Tierarten von gemeinschaftlichem Interesse“. Doch Wolfsrisse sorgen für Diskussionen, seit „Meister Isegrim“ in unserem Land zurück ist. Rund 35 Wölfe gibt es derzeit. Der Tiroler Parlamentarier Hermann Gahr fordert in einer Petition die Herabsetzung des Schutzstatus. Denn die Zahl der gerissenen Weidetiere steige. Im Vorjahr rissen Wölfe etwa 103 Schafe. 400.000 Schafe werden bei uns gehalten.
JA: Hermann Gahr,
Tiroler ÖVP-Abgeordneter:

„Die Rückkehr der Wölfe hat extreme Folgen für die Landwirtschaft, den Tourismus und die Gesellschaft. Jährlich steigen die Wolfsangriffe auf Schafe, Kälber, Fohlen oder Rinder. Deswegen bringen viele Bauern ihre Tiere nicht mehr auf die Almen. Die langfristige Folge ist, ohne Almwirtschaft verwildert unsere Landschaft. Ein Tourismus, wie wir ihn derzeit haben, wäre dann nicht mehr möglich. Die Bauern trifft die Ausbreitung der Wölfe besonders, sie erleiden einen finanziellen und emotionalen Schaden. Wenn sie in der Früh auf die Weide gehen und ihre getöteten Tiere finden, ist das eine enorme psychische Belastung. Hier geht es vor allem um das Leid, das den Weidetieren zugefügt wird. Schafe werden brutal angegriffen, gehetzt und getötet. Tierschutzorganisationen betonen ständig, wie wichtig der Tierschutz sei. Wo bleibt der Schutz für die Weidetiere? Der Wolf hat keine natürlichen Feinde und kann sich ungehindert ausbreiten. Ohne Maßnahmen haben wir in wenigen Jahren flächendeckend Wölfe, das ist auch eine Gefahr für die Menschen. Österreich ist zu dicht besiedelt und so kommen die Raubtiere auch in Siedlungsgebiete oder Städte.“

NEIN: Madeleine Petrovic,
Präsidentin Wiener Tierschutzverein:

„In Millionen von Jahren hat sich ein Gleichgewicht von Raubtieren und Beutetieren eingespielt. Dies vermeidet Überpopulationen und Hungersnöte und erhält den Lebensraum Wald gesund. Aber sogar die wenigen Wölfe, Luchse oder Bären, die spät unter Artenschutz gestellt worden sind, können bei uns kaum überleben. Sie werden zufällig mit Wildschweinen ,verwechselt‘ und geschossen oder, wie die Greifvögel, grausam mit Gift getötet. Wirtschaftlich sind die Verluste durch Wölfe unbedeutend und werden den Bauern überdies von den Bundesländern bis zu 100 Prozent erstattet. Die dafür benötigten Mittel für diesen Bereich hat die EU erst 2019 deutlich erhöht, auch für vorbeugende Maßnahmen wie Schutzzäune. Fast gewinnt man den Eindruck, als würden diese Informationen über die finanziellen Ersatzleistungen und die wahren Eigenschaften von Wölfen, dass sie Menschen praktisch nie angreifen, bewusst verschwiegen. Eine Senkung des Schutzstatus der Wölfe wäre ein Affront gegen die richtigen Bemühungen auf EU-Ebene, den Artenschutz ernst zu nehmen, das ökologische Gleichgewicht in den Wäldern zu fördern und mit den Tier- und Naturschutzorganisationen zu kooperieren.“
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