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Ausgabe Nr. 25/2020 vom 16.06.2020, Fotos: Union Neuhofen, x-powersports
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Walter Krifka ist mit 83 Jahren fünffacher Weltmeister.
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In seiner Altersklasse ist Krifka kräftigster Mann des Landes.
Der „Kraft-Opa“ lässt die Muskeln spielen
Den Hammer wirft er selbst mit 83 Jahren noch an die 45 Meter weit und stemmt beim Kreuzheben 170 Kilo. Walter Krifka aus Kirchdorf an der Krems (OÖ) ist fünffacher Weltmeister und startet in der kommenden Woche beim „Weight Penta-thlon“ in Neuhofen an der Krems (OÖ).
Zwei Mal pro Woche fährt Walter Krifka, 83, von seiner kleinen Wohnung in Kirchdorf an der Krems (OÖ) mit dem eigenen Auto zum Kraftsportverein Almtal in Scharnstein (OÖ), wo er trainiert. Brille trägt er keine, Medikamente muss er auch im hohen Alter nicht einnehmen. „Zum Glück bin ich organisch pumperlgsund“, freut er sich. „Ich mache seit meiner Jugend immer Sport und mein Körper ist an das Arbeiten mit Gewichten gewöhnt.“ Selbst in den Urlaub, so gesteht der rüstige Pensionist, habe er oft Kugel oder Diskus mitgenommen. „Deswegen war mir die Unterbrechung durch das Corona-Virus doppelt unangenehm“, schmunzelt er. „Es war meine längste Trainingspause seit 50 Jahren.“

Im Kraftsportverein, wo er gerne in einem „Superman“-Leiberl die Muckis spielen lässt, wird er von den jüngeren Trainingskollegen bewundert und liebevoll „Kraft-Opa“ genannt. Dort stemmt er nun wieder alle drei Tage Hanteln und schwitzt an den Gewichten. In der kommenden Woche wird Krifka auch beim „Weight Pentathlon“ in Neuhofen an der Krems (OÖ), einer Art Wurf-Fünfkampf, als ältester Teilnehmer mitmachen und dabei die Kugel (3 kg), den Diskus (1 kg), den Hammer (3 kg), ein Wurf-Spezialgewicht (5,45 kg) und den Speer werfen. „Ich konnte zuletzt die Kugel noch an die elf und den Hammer annähernd 45 Meter weit werfen“, verrät er. Zehn Wettkämpfe im Schnitt absolviert der Oberösterreicher immer noch pro Jahr, fünf Weltmeistertitel und zwei Weltrekorde eroberte er in den vergangenen Jahren in seiner Altersklasse und kann ohne Zweifel unter Gleichaltrigen als kräftigster Mann des Landes gelten.

Erst vor einer Woche startete der 83jährige beim „Werfer Spezialkampftag“ in Purgstall (NÖ), für den Organisator Franz Kastenberger ist er ein unerreichtes Phänomen. „Walter ist ein Vorbild für uns alle, vor allem die Einstellung und die Disziplin, mit der er seit Jahrzehnten Kraftsport betreibt, sind unglaublich“, findet er. „Wir können nur hoffen, in dem Alter körperlich ebenso gut beisammen zu sein.“ Angst vor Verletzungen durch die schweren Gewichte hat Krifka nicht. „Es gibt dabei ja keine Gegner. Ich hatte aber wohl auch Glück, denn ich blieb von schweren Verletzungen verschont und hatte nur ein wenig Schulterprobleme. Im Grunde schützen mich die Muskeln ja.“

Als Kind in Wels (OÖ) aufgewachsen, sah der kleine Walter von seinem Fenster aus direkt auf den Sportplatz. „Es faszinierte mich, wie dort die Speere hin- und herflogen. Im Alter von 15 Jahren fragte ich meine Mutter, ob ich mittrainieren darf“, erinnert er sich an die Anfänge. Krifka begann mit der Leichtathletik, merkte aber bald, wo seine Stärken waren. „Der Kraftsport lag mir am meisten und ich verlegte mich bald aufs Gewichtheben. Schon ein paar Jahre später stellte ich mit 142 Kilo den österreichischen Rekord im Reißen auf.“ Beruflich machte er Karriere als Polizeibeamter, wo er es bis zum Gruppenführer brachte. „Anfangs fuhr ich Streife in Linz und arbeitete später auch an kniffligen Fällen bei der Kriminalpolizei“, berichtet er. Auch dafür konnte er seine Körperkraft nutzbringend einsetzen. „Weniger beim Umgang mit Kriminellen, da kam es fast nie zu körperlichen Auseinandersetzungen“, verrät er. „Aber ich wurde wegen meiner Fähigkeiten oft zu WM- und EM-Bewerben im Polizeifünfkampf entsendet.“

Vor zwei Jahren starb Walter Krifkas Frau, mittlerweile hat er eine Lebensgefährtin in Wels (OÖ), Kinder aus der Ehe gibt es nicht. „Heute bleibt mir neben dem Sport auch nicht allzu viel Zeit“, betont er, geht aber immer noch gerne in die Oper und ins Theater. Im Kraftsport hat sich Krifka fest vorgenommen, in den nächsten Jahren auch die Altersklasse jenseits der 85 aufzumischen. „Eines steht fest, ich werde weiter trainieren, bis ich nicht mehr kann“, verspricht er. Wolfgang Kreuziger
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