Jetzt anmelden
Ausgabe Nr. 25/2020 vom 16.06.2020, Foto: AdobeStock
Artikel-Bild
Erntezeit – jetzt werden die ersten gelben Knollen aus dem Boden geholt.
Der Apfel, der in der Erde wächst
Einmal sind sie rundlich, dann länglich, groß oder klein. Ihre Farbe reicht von Gelb bis zu Violett und sie können mehlig, vorwiegend festkochend oder speckig sein. Kaum ein anderes Nahrungsmittel präsentiert sich so facettenreich wie der Erdapfel. Mehr als 5.000 Sorten des berühmten Nachtschattengewächses sind heute weltweit bekannt. Und natürlich ist das kulinarische Multitalent auch in unserer Küche nicht mehr wegzudenken.
Bereits zehntausend Jahre vor Christus wurden von den Inkas im heutigen Peru Erdäpfel angebaut. Erst im 16. Jahrhundert kam die Pflanze durch die Spanier nach Europa.

In unserem Land geht ein erster nachweislicher Anbau auf das Jahr 1620 zurück. Anfangs sträubten sich die Menschen jedoch, die gelben Knollen zu essen. Erst die große Hungersnot von 1772 brachte den Umschwung. Der Erdapfel wurde salonfähig und schon bald war er nicht nur auf den Tellern des einfachen Bauernvolkes, sondern auch auf den Festtafeln des Adels zu finden. Mittlerweile produzieren unsere Bauern jährlich knapp 750.000 Tonnen Erdäpfel – vorwiegend im Wein- und Waldviertel (NÖ), im Lungau (S) sowie im Oberinntal und Osttirol.

„Ein Hektar, etwa die Größe eines Fußballfeldes, liefert dabei im Idealfall bis zu 30 Tonnen“, weiß die Erdäpfelbäuerin Liane Bauer aus Viendorf (NÖ). Eine große Menge, die Tausende Menschen auf einmal sattmachen kann. Und noch dazu ist der Erdapfel prall gefüllt mit wertvoller Stärke, hochwertigem Eiweiß, Vitaminen, Mineral- und Ballaststoffen.

Die Behauptung, dass die gesunden Knollen dick machen, ist allerdings nicht richtig. Abhängig ist dies natürlich ganz entscheidend von der Art der Zubereitung. So haben in Fett frittierte Pommes frites einen viel höheren Energiegehalt (300 kcal/100 g) als gekochte Erdäpfel in Salzwasser (70 kcal/100 g).

Die Menschen in unserem Land sind jedenfalls Erdäpfelliebhaber und verspeisen etwa 45 Kilo pro Kopf und Jahr. „Dahinter liegen Paradeiser mit rund 30 Kilo und der Apfel mit 21 Kilo“, heißt es von Seiten der Statistik Austria. Bei solchen Mengen ist es natürlich hilfreich, dass nicht – wie noch bis in die sechziger Jahre des vorigen Jahrhunderts – mühevoll von Hand geerntet werden muss. „Heute zieht ein Traktor die Erntemaschine, die meist eine, zwei oder vier Reihen Dämme mitsamt den Erdäpfeln aufnimmt. Danach trennen wir die Knollen von Erde und Steinen und sortieren optisch fehlerhafte Erdäpfel aus“, erklärt Liane Bauer, auf deren Hof die Ernte der Früherdäpfeln („Heurige“) bereits in vollem Gange ist.

„Sie setzt sich fort im August mit den mittelfrühen und schließlich im September mit den späten Sorten, die sich bestens lagern lassen. Die ganzjährige Belieferung des Marktes ist damit gesichert“, erklärt die Fachfrau. Der größte Feind der Erdäpfelbauern ist übrigens nicht der Erdäpfelkäfer, sondern der Drahtwurm.

„Bei extremer Trockenheit sucht er die Feuchtigkeit im Erdapfel, frisst sich hinein und hinterlässt schwarze Löcher“, erklärt Liane Bauer. Die Schäden reichen bis zum Totalausfall, lassen sich allerdings erst bei der Ernte genau abschätzen. Und alternative Mittel gegen den Drahtwurm, abseits der verbotenen Insektizide, gibt‘s bis heute auch noch keine. Hwie
Weitere Inhalte dieser Ausgabe:
Ihre Meinung
Ihre Meinung ist uns wichtig.

Schreiben Sie Ihren Kommentar zu diesem Artikel, den wir dann prüfen und veröffentlichen werden.
Bitte melden Sie sich an, um einen Kommentar zu verfassen.
Werbung