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Ausgabe Nr. 24/2020 vom 08.06.2020, Fotos: Mitja Kobal/greenpeace, Stephan Doleschal
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Lisa Panhuber, Rainer Will
Brauchen wir ein Pfand auf Plastikflaschen?
Seit dem Jahr 1994 ist in Schweden ein Pfand auf Plastikflaschen fällig, in Deutschland seit 2003. In zehn europäischen Ländern existiert schon ein Pfandsystem für Einweg-Flaschen und Dosen, weitere Staaten wollen folgen. Darunter könnten auch wir sein. Denn bis 2029 müssen laut einer EU-Richtlinie 90 Prozent der Kunststoff-Flaschen getrennt gesammelt und wiederverwertet werden. Jährlich kommen bei uns 1,6 Milliarden Plastikflaschen auf den Markt.
JA: Lisa Panhuber,
Greenpeace-Konsumexpertin:

„Ein Pfandsystem mit gesetzlichen Mehrwegquoten ist in Österreich längst überfällig. Für Umwelt- und Klimaschutz ist es die beste Lösung, Verpackungen zu vermeiden und wiederzuverwenden. Einweg-Plastikmüll ist heute eines der sichtbarsten und größten Abfallprobleme in unserer Umwelt. Es ist eine Gefahr für viele Lebewesen, die die Partikel als Nahrung aufnehmen. Plastik birgt auch Risiken für unsere Gesundheit – Mikroplastik wurde sogar im menschlichen Körper nachgewiesen. Zudem heizen Produktion und Entsorgung von Plastik die Klimakrise an. Jährlich fallen allein in Österreich 900.000 Tonnen Plastikmüll an, den größten Anteil hat mit 31 Prozent der Verpackungsmüll. Mehrere tausend Tonnen davon landen in der Natur. Nur 25 Prozent aller Plastikverpackungen gelangen in unserem Land ins Recycling. Die Regierung muss jetzt die Weichen für eine klimafreundliche Abfallpolitik stellen: das heißt, ein Pfandsystem einführen und gesetzlich verankern, dass Verpackungen wiederverwendet werden. Aktuelle Umfragen zeigen, 80 Prozent der Menschen in Österreich wünschen sich mehr Mehrwegflaschen und Pfand, jetzt muss es endlich umgesetzt werden.“

NEIN: Rainer Will,
Handelsverband-Geschäftsführer:

„Der Handel spricht sich klar gegen ein Einwegpfand-System aus und das aus guten Gründen. Wir sind bereits Vorzeigeland, was die Verpackungssammlung betrifft. Auch die Trennmoral ist hierzulande hoch, drei von vier PET-Flaschen werden in der getrennten Sammlung erfasst. Ein Einwegpfand würde hingegen für viele kleine Lebensmittelhändler das Aus bedeuten, da die notwendigen Investitionen immens wären. Auch für die heimischen Konsumenten liegen die Nachteile auf der Hand. Derzeit gibt es mit dem gelben Sack und der gelben Tonne österreichweit rund zwei Millionen Rückgabemöglichkeiten für geleerte Getränkeplastikflaschen. Im Fall eines Einwegpfandes würde sich diese Zahl auf 6.000 Geschäfte reduzieren. Die Verbraucher müssten dann für die Rückgabe viel weitere Wege zurücklegen. Erfahrungen aus Deutschland zeigen zudem, dass durch die Einführung des Einwegpfandes die Mehrwegquote sinkt, da der Anteil der PET-Flaschen steigt. Der Handel bekennt sich ganz klar zum Umweltschutz. Das Einwegpfand ist jedoch bei einer gesamtheitlichen Betrachtung die falsche Antwort, um Kunststoffverpackungen zu reduzieren.“
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