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Ausgabe Nr. 24/2020 vom 08.06.2020, Foto: picturedesk.com
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Die Corona-Sommersaison hat begonnen
Hoffen auf die deutschen Gäste
In Tirol sind schon wieder deutsche Autos zu sehen, die Urlauber aus dem Nachbarland kommen wieder. Das Wohl des heimischen Tourismus hängt vor allem in Tirol, Salzburg und Vorarlberg von den Gästen aus Deutschland ab. Rund 14 Millionen waren es zuletzt insgesamt, mehr als ein Drittel der Sommer-Nächtigungen geht auf ihr Konto.
Die Grenzen zu unseren Nachbarländern sind wieder offen. Nur Italien war beim ersten „Heben“ der Grenzbalken am 4. Juni nicht dabei. Urlauber aus etlichen Ländern können wieder ohne Hürden einreisen.

Die Tourismus-Wirtschaft rechnet vor allem mit einer „Rückkehr“ der deutschen Gäste „Wir setzen alle darauf“, sagt Michaela Reitterer, die Präsidentin der Österreichischen Hoteliervereinigung (ÖHV). „Jeder dritte Gast ist Deutscher und Deutschland hat einen deutlich besseren Verlauf, sowohl was die Krankheitsfälle angeht als auch wirtschaftlich, als die meisten anderen Länder in Europa.“ Am Pfingstwochenende sei deutlich geworden, wie wichtig die deutschen Urlauber sind: „Es sind ja die Kapazitäten vor allem in Westösterreich bis nach Kärnten auch auf diese Gäste ausgelegt.“

Im Westen hängt der Tourismus vom großen Nachbarland ab. In Tirol regiert teils der Optimismus. Vor allem in jenen Regionen, die sich schon seit Jahren auf den Sommer konzentrieren und etwa mit Wanderprogrammen locken. „In diesen Tiroler Sommerregionen sind auch wieder sehr viele deutsche Autos zu sehen“, weiß Mario Gerber, der Obmann der Fachgruppe Hotellerie in der Wirtschaftskammer Tirol. Die deutschen Gäste seien da und er hofft, „dass sie noch zahlreich kommen, wir brauchen sie auch“. Denn in seinem Bundesland wird jeder dritte Euro direkt oder indirekt mit dem Tourismus verdient. „Der Tiroler Sommertourismus kann nicht ohne ausländische Gäste stattfinden und ohne deutsche Urlauber sowieso nicht.“

In Tirol geht jede zweite Sommer-Nächtigung auf das Konto der deutschen Touristen. Im ganzen Land sind es 37,4 Prozent. Den größten Anteil der insgesamt rund 14 Millionen Urlauber aus Deutschland machen die Bayern aus, jeder zehnte Sommergast stammt aus dem Freistaat.

Die inländischen Gäste können zumindest in Tirol die internationalen Besucher nicht ersetzen. Auch wenn dort die Zahl der Gäste aus dem eigenen Land steigt. Aber „schon aufgrund unserer Kapazität ist der österreichische Gast alleine einfach zu wenig“, sagt Mario Gerber, der für die ÖVP im Tiroler Landtag sitzt. „Was aber nicht heißt, und das ist mir ganz wichtig, dass wir den inländischen Gast nicht gern haben.“ Doch nur von ihnen kann der Tiroler Tourismus nicht leben, ebenso wenig wie lediglich von den deutschen
Urlaubern.

Noch Ende Mai waren die Deutschen aber zurückhaltend bei ihren Reise-Vorhaben. Nur 13 Prozent wollten laut einer Umfrage im europäischen Ausland verreisen. Rund ein Drittel plante den Urlaub im eigenen Land, ein Fünftel war noch unschlüssig. Vier von zehn Deutschen wollten heuer gar keinen Urlaub machen.

ÖHV-Präsidentin Michaela Reitterer ist dennoch optimistisch, „dass es bergauf geht. Aber wir können nur hoffen, dass es wirtschaftlich reicht. Weil wir auch gesehen haben, was die Alternative zu vollen Hotelbetten ist: Arbeitslosigkeit und Armut im großen Stil. Lange können sich weder die Arbeitgeber die Kurzarbeit leisten, die das alles vorfinanzieren und bei Weitem nicht alles zurückbekommen, noch die öffentliche Hand.“

Eine branchenübergreifende Befragung bei 650 kleinen und mittleren Unternehmen, ein Drittel davon waren Hotels, hat den Hilfspaketen der Regierung ein schlechtes Zeugnis ausgestellt. Ein Drittel der Unternehmer erklärten, die Maßnahmen der Bundesregierung „helfen nicht“. Ein Viertel meinte, dass die Maßnahmen nur „helfen, wenn endlich Geld kommt“.

Es brauche effektivere Maßnahmen als bisher, um Arbeitsplätze zu retten, ist Michaela Reitterer überzeugt. „Unsere Ausgabenrückgänge sind die Einnahmenrückgänge des Gewerbes. Fehlen uns Gäste, fehlen dem Handel Kunden.“ Allein heuer werden Qualitäts-Hotels im Schnitt 784.000 Euro weniger investieren, im nächsten Jahr um 950.000 Euro.

Deshalb fordert die Hoteliervereinigung ebenso wie andere freie Arbeitgeberverbände unter anderem, dass die Steuerreform vorgezogen wird. Kammern und Staat sollten zudem alle Reserven lockermachen, um Betrieben in Not zu helfen. Das gilt auch für die Rücklagen der Wirtschaftskammern.

Die Corona-Krise hat ihre Spuren im Fremdenverkehr hinterlassen. Vor allem der Städtetourismus leidet unter Gästemangel. Erst für das Jahr 2024 wird für die weltweiten Städtereisen wieder ein internationaler Touristenanteil wie im Vorjahr vorhergesagt. Wien setzt deshalb auf den Heimatmarkt, aber auch die Schweiz und Deutschland. Trotzdem rechnen die Stadt-Verantwortlichen damit, dass heuer 35.000 Arbeitsplätze verloren gehen.
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