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Ausgabe Nr. 23/2020 vom 02.06.2020, Fotos: picturedesk.com, zVg
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Der Pfarrer des Wiener Stephansdomes, Toni Faber, ist ebenfalls überzeugt, dass sich die Kirche mehr um Jugendliche bemühen und deswegen mit der Zeit gehen müsse.
Ein „Emoji“ für „Vergebung“
Sie lachen, sie küssen und sie weinen. „Emojis“ sind kleine Symbole, die über Mobiltelefone verschickt werden und Gefühle zum Ausdruck bringen. Rund 3.000 gibt es derzeit und sie werden immer mehr. Bald soll es auch ein „Vergebungs“-Emoji geben.
Besitzern von Mobiltelefonen sind sie wohlbekannt. Kleine, gelbe Gesichter und Bildchen, die auf der Handytastatur verschiedene Gefühle ausdrücken sollen. Manche lachen, andere weinen, wiederum andere schicken uns Küsse. Gerade Jugendliche benutzen die Symbole gerne, um Grüße per Mobiltelefon zu versenden. Rund 3.000 dieser sogenannten Emojis gibt es bis jetzt, und sie werden immer mehr.

Ein Symbol für „Vergebung“ gibt es bis jetzt aber nicht, kritisierte die evangelisch-lutherische Kirche von Finnland und machte einen Aufruf, solch ein Emoji zu kreieren.

Von der ehemaligen finnischen Präsidentin Tarja Halonen, 76, wurde nun unlängst ein Siegerentwurf aus mehreren hundert Einsendungen präsentiert. Das ausgewählte Bildchen zeigt zwei Hände, die vor einem Herz jeweils „Daumen hoch“ signalisieren. „Es unterstreicht die positive emotionale Seite und die friedensfördernde Wirkung von Vergebung“, freut sich Halonen. Auf unseren Mobiltelefonen könnte das neue Emoji laut der Initiative frühestens Ende 2021 zu finden sein.

Dazu muss eine Komission, der Unternehmen wie Google und Apple angehören, grünes Licht geben. Begeistert von dem Vorstoß der Finnen zeigt sich auch die heimische evangelische Kirche, wie deren niederösterreichischer Superintendent, Lars Müller-Marienburg, 43, betont. „Mir gefällt die Idee mit dem ‚Vergebungs-Emoji‘ sehr gut. Denn es ist wichtig, nahe bei den Jugendlichen zu sein. Sie sollen, genauso wie alle anderen, unterstützt werden, den eigenen Lebensweg mit Gott zu gehen.“

Wichtig sei für ihn, dass die Jugendlichen die Gegenwart der Kirche bilden, und nicht nur die Zukunft, wie oft gesagt werde, meint Müller-Marienburg. „Denn sie leben ihr Leben und ihren Glauben hier und jetzt und nicht erst irgendwann.“

Ebenfalls positiv angetan ist der Sprecher der Erzdiözese Wien, Michael Prüller. Er findet, „anderen zu vergeben ist eine der wichtigsten menschlichen Handlungen.
Ohne Verzeihen gibt es kein gedeihliches Zusammenleben. Darum ist es gut, wenn es dafür ein Emoji gibt.“

Auch der Pfarrer des Wiener Stephansdomes, Toni Faber, 58, ist begeistert. „So ein Emoji ist eine wunderbare Sache, das gefällt mir gut, bitte mehr davon.“

Er ist ebenfalls überzeugt, dass sich die Kirche mehr um Jugendliche bemühen und deswegen mit der Zeit gehen müsse. „Wenn wir es in Zukunft nicht schaffen, den Kindern und Jugendlichen die Kirche als eine Institution zu vermitteln, die einen Mehrwert fürs Leben bietet, wird es schwer“, sagt er angesichts sinkender Kirchenmitgliedszahlen. Denn allein im vergangenen Jahr sind 70.000 Menschen aus der katholischen Kirche ausgetreteten. So viele wie seit dem Jahr 2010 nicht mehr.

Nur noch 56 Prozent der Bevölkerung sind Katholiken.

Gehen die Austritte ungebremst weiter, könnte dieser Anteil bis zur Jahrhundertmitte sogar auf ein Viertel schrumpfen. rb
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