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Ausgabe Nr. 23/2020 vom 02.06.2020, Fotos: duty, www.fotoprofis.at
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Prof. Manfred Neuberger, Josef Prirschl
Sollen Zigaretten-Automaten verboten werden?
Rund 5.500 Zigarettenautomaten gibt es in unserem Land. Mit der Anhebung des „Raucher-Alters“ auf 18 Jahre wurden auch sie umgestellt. Denn seit dem Jahr 2007 müssen Käufer mit der Bankomatkarte ihr Alter nachweisen. Doch Kritikern sind die Automaten ein Dorn im Auge. Sie wollen sie abschaffen, weil ein Teil der Jugendlichen die „Tschick“ auch vom Automaten bezieht. Eine Studie bei 13- bis 16jährigen Schülern zeigte, dass acht Prozent regelmäßig rauchen.
JA: Prof. Manfred Neuberger,
Umweltmediziner:

„Warum sind die Raucherraten der 13- bis 17jährigen bei uns so hoch? In vielen Ländern müssen sich Händler entscheiden, ob sie Produkte für Kinder anbieten oder Tabak verkaufen möchten. In Österreichs Tabakverkaufsstellen ist beides möglich. Kinder werden mit Heften, Süßigkeiten, Spielwaren und so weiter in Trafiken gelockt und sind dort schutzlos der Tabakwerbung und dem Tabakrauch ausgesetzt. Geworben wird auch auf Tausenden Automaten, die auf Schulwegen platziert werden.Die Tabak-Monopolverwaltung war nie ausreichend um eine Alterskontrolle bemüht und die elektronische Alterskontrolle versagte, wie eine neue Studie in fünf Bundesländern wieder bestätigte. Deshalb fordern Kinderärzte die Abschaffung der Automaten. Österreichs Trafikanten haben eine der höchsten Handelsspannen und brauchen sich nicht an Kindern und Jugendlichen bereichern, indem sie ihnen Nikotin schmackhaft machen und leicht zugänglich zur Verfügung stellen. Nicht verderbliche Waren müssen nicht rund um die Uhr verfügbar sein und Suchtgifte über Automaten abzugeben,
ist unverantwortlich.“

NEIN: Josef Prirschl,
Bundesobmann Tabaktrafikanten:

„Tabakwaren zählen zu den sensiblen und legalen Genussprodukten. Zigarettenautomaten sind ein Angebot an erwachsene Raucher, sich unabhängig von den Öffnungszeiten mit diesen Produkten zu versorgen. Wir Trafikanten bekennen uns zum Jugendschutz. In den Geschäften gibt es Ausweiskontrollen und bei den Automaten haben wir hohe Investitionen getätigt, um sie auch entsprechend jugendschutzsicher zu machen. Zusätzlich zahlen wir für jede Altersverifizierung und Freischaltung 1,6 Cent. Dieses System verhindert die Verwendung von alten oder gestohlenen Bankomatkarten und entspricht den gesetzlichen Vorgaben. Wird das Gesetz durch die Weitergabe von Bankomatkarten an Jugendliche umgangen, liegt das in der Verantwortung der Erwachsenen. Ein Verbot bringt nur negative wirtschaftliche Auswirkungen, wird aber am Rauchverhalten der Jugendlichen nichts ändern. Wenn über 18jährige legal Zigaretten kaufen und sie an Jugendliche unter 18 weitergeben, ist dies durch weitere, überzogene Gesetze nicht zu verhindern. Hier müssen die Gesellschaft und das Elternhaus auf die Jugendlichen einwirken.“
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