Jetzt anmelden
Ausgabe Nr. 23/2020 vom 02.06.2020, Foto: dpa
Artikel-Bild
Schützen Sie sich vor Zeckenstichen

- Im Freien lange Hosen tragen.
- Insektensprays auftragen. Sie bieten
zumindest einen zeitlich begrenzten
Schutz.
- Nach dem Aufenthalt im Freien den
ganzen Körper auf Zecken untersuchen;
am Rücken jemanden darum bitten.
- Eine festsitzende Zecke so schnell wie
möglich mit Pinzette/Zeckenzange (ohne
Öl/Klebstoff) gerade und sanft
herausziehen (nicht reißen).
- An einen Arzt wenden wenn ein rötlicher
Kreis um die Einstichstelle entsteht. Wenn
grippeähnliche Symptome wenige Tage/
Wochen nach einem Zeckenstich
auftreten.
Zecken sind bald ein Ganzjahres-Problem
Experten warnen vor einem starken Zeckenjahr. Nach einem Aufenthalt in der Natur sollten wir unsere Haut daher besonders gut absuchen. Die Vorsicht ist begründet, denn die bissigen Spinnentierchen, die schwere Krankheiten übertragen können, erobern immer mehr Lebensraum. Ärzte warnen vor FSME-Langzeitfolgen bei Kindern.
Es ist zwar ein verbreiteter Irrtum, dass sich Zecken von Bäumen auf Menschen fallen lassen, aber eines ist wahr. Sie lauern uns auf. „Zecken warten im Gras, auf Büschen, in losem Laub oder auf Totholz auf vorbeikommende ‚Wirte‘ und krallen sich bei Kontakt blitzschnell an sie an“, bestätigt Dr. Georg Duscher, Biologe bei der AGES, der Österreichischen Agentur für Gesundheit und Ernährungssicherheit GmbH. Das bedeutet, die Zeckengefahr lauert am Boden, meist in einer Höhe zwischen zehn und fünfzig Zentimetern.

Die Wahrscheinlichkeit, im Wald, in Parks oder beim Picknicken im Grünen mit Zecken in Kontakt zu kommen, ist hoch. Unser Land gehört zu den am stärksten mit Zecken durchseuchten Ländern Zentraleuropas.

Vor allem feucht-warmes Wetter macht die kleinen, bissigen Spinnentiere höchst aktiv. „Zecken benötigen einen bestimmten Feuchtigkeitsgrad, um überleben zu können. Sie bevorzugen Plätze, an denen die Luftfeuchtigkeit höher als 85 Prozent ist. Nach Regenperioden wie in den vergangenen Tagen sind sie besonders aktiv. Wer also direkt nach einem sommerlichen Regenschauer durch das Gras spaziert, lädt die Zecken geradezu ein zu stechen“, warnt Dr. Duscher.

Mittlerweile sind 17 Zeckenarten bei uns heimisch, und alle können FSME (Frühsommer-Meningoenzephalitis) und Borreliose übertragen. Aufgrund des milder werdenden Klimas sind die Krabbler immer früher aktiv. „Dauerte früher die Zeckensaison von März bis Ende Oktober, sind Zecken inzwischen ganzjährig aktiv“, sagt der Zeckenforscher Jochen Süss. Dazu erobern sie ständig neue Lebensräume. Lag der höchste Zeckenfundort vor fünf Jahren bei 1.500 Metern Seehöhe, gibt es jetzt bereits Sichtungen bis auf 2.100 Meter. Auch die letzten „weißen Flecken“ auf der Zeckenkarte in unserem Land verschwinden zusehends. So wurden zum Beispiel vor zwei Jahren neue FSME-Infektionsorte in der Umgebung von Ried, Innernsee, Dorf an der Pram (alle OÖ) außerhalb der bisherigen Endemiegebiete beschrieben.

Das Risiko, sich mit einer viren- oder bakterienverseuchten Zecke zu infizieren, besteht im ganzen Land. „Es
werden jährlich Krankheitsfälle aus allen Bundesländern gemeldet, die meisten in Oberösterreich und Tirol“, ver-
rät Dr. Duscher. Kärnten und die Steiermark weisen die
höchste Zahl der neu auftretenden FSME-Krankheiten
auf. Vorarlberg, das über viele Jahre wenige Fälle verzeichnete, meldet mittlerweile mehrere Erkrankungsfälle jährlich. Darüber hinaus sind rund 30 Prozent aller Zecken im Land mit dem Borreliose-Bakterium infiziert. Spitzenreiter ist Vorarlberg mit 33,9 Prozent, gefolgt von Oberösterreich (28,3 %) und Tirol (27,9 %).

Seit dem Jahr 2016 stieg die Zahl der FSME-Infizierten stetig an und erreichte im Jahr 2018 mit 154 Fällen einen Rekord. Im Vorjahr lag die Zahl der Erkrankten bei 109. Während FSME eine meldepflichtige Krankheit ist, werden die Borreliose-Fälle nicht gezählt. Rund siebzigtausend Neuerkrankungen pro Jahr gibt es bei uns, schätzen Mediziner vom Institut für Hygiene und Angewandte Immunologie der Universität Wien.

Wer möchte, kann sich gegen eine Infektion mit FSME impfen lassen. „Derzeit sind in der Altersgruppe bis 65 Jahre 79 Prozent gegen das FSME-Virus geimpft“, sagt die Gesundheitsforscherin Astrid Eßl. Für Kinder gebe es spezielle Impfstoffe, die gut verträglich seien, meint Dr. Rudolf Schmitzberger, Kinderarzt und Impfreferent der Österreichischen Ärztekammer.

Lange wurde angenommen, dass Kinder kaum schwere Verläufe oder langfristige Folgen aufgrund einer FSME-Erkrankung erleiden. „Heute wissen wir, dass das so nicht ganz stimmt. Es zeigt sich neben Veränderungen im EEG, mit der die elektrische Aktivität des Hirnes gemessen wird, dass es häufiger zu Aufmerksamkeits- und Konzentrationsbeeinträchtigungen sowie einer verringerten psychomotorischen Geschwindigkeit kommt. Unwohlsein, Müdigkeit, Reizbarkeit und häufige Kopfschmerzen traten nach FSME-Erkrankungen bei Kindern häufiger auf“, erklärt Dr. Schmitzberger. Vorsichtig sollten laut Experten auch Menschen ab 60 Jahren sein. FSME-Erkrankungen verlaufen in ihrer Altersgruppe häufiger schwer. Allgemein raten sie Männern, auf der Hut zu sein. Sie erkranken drei Mal so häufig an FSME wie Frauen.
Weitere Inhalte dieser Ausgabe:
Ihre Meinung
Ihre Meinung ist uns wichtig.

Schreiben Sie Ihren Kommentar zu diesem Artikel, den wir dann prüfen und veröffentlichen werden.
Bitte melden Sie sich an, um einen Kommentar zu verfassen.
Werbung