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Ausgabe Nr. 21/2020 vom 18.05.2020, Foto: Österreichischer Imkerbund
Die Steirerin Jasmin Pojer, geboren am
8. April 1995 in Leoben, aufgewachsen in Kammern (beide Stmk.), hat die
HTL Kaindorf und danach eine Lehre zur
IT-Technikerin absolviert. Seit 2014 ist sie als leidenschaftliche Hobby-Imkerin aktiv, hauptberuflich arbeitet sie als Abteilungsleiterin bei einer Messtechnik-Firma in Graz.

Die Naturliebhaberin lebt mit ihrem Freund, zwei Katzen und ihren Bienen in Feldkirchen bei Graz. 2019 zur „Österreichischen Honigkönigin“ gekürt, setzt sich die 25jährige für den Erhalt der Bienen ein.
„Ich habe Opas Traum
verwirklicht“
Als Jasmin I., Honigkönigin des Österreichischen Imkerbundes, schwärmt Jasmin Pojer, 25, für die Bienen. Mit ihrer Leidenschaft, für den Erhalt der emsigen Insekten zu sorgen, begeistert sie ihre Familie.
Frau Pojer, was macht den Reiz der Imkerei für Sie aus?
Vor sechs Jahren, als die Hobby-Imkerei in aller Munde war, meinte mein Freund, dass es doch schön wäre, wenn wir auch Bienen hätten. Wir beide hatten bis dahin keinen Bezug zur Imkerei. So haben wir uns bei einem Imkermeister schlau gemacht und mit zwei Bienenvölkern begonnen. Seither schwärme ich für Bienen und ihr sanftes Summen.

Wo „wohnen“ Ihre Bienen?
Bei uns daheim im steirischen Feldkirchen bei Graz. Unser 3.000 Quadratmeter großer Garten ist für Bienen ideal geeignet. Ich hab‘ damals meinen Großeltern, die in der Obersteiermark, in Kammern, leben, von meinem Vorhaben erzählt. Da hat mir mein Opa verraten, dass er selber immer schon gerne imkern wollte, sich aber nicht drübergetraut hat. Und der Oma hätten Bienenstöcke im Garten Angst gemacht.

Konnten Sie Ihren Opa mit Ihrer Leidenschaft „anstecken“?
Ja, er war begeistert. Also habe ich gesagt, Opa, ich stelle dir einen Bienenstock in deinem Garten auf. Die Oma war etwas schockiert. Aber ich konnte sie überzeugen, indem ich ihr sagte, dass unsere Bienen vier Meter neben dem Esstisch im Garten „wohnen“ und es keinerlei Probleme gibt. Im Gegensatz zu Wespen interessieren sich Bienen nicht fürs Essen. Die wollen ihre Ruhe haben, fliegen vom Stock hinaus, weit nach oben und schon sind sie weg. Um das zu testen, sind wir mit Oma stundenlang im Garten gesessen und keine einzige Biene ist uns nahegekommen.

Ist es Ihnen gelungen, Ihrer Oma die Angst vor Bienen zu nehmen?
Ja, ich durfte am südlichen Ende ihres Gartens einen Stock aufstellen, und zwar so, dass die Bienen nicht zu ihrem Haus, sondern in Richtung Kuhweide fliegen. Oma ist mittlerweile eine Bienenfreundin geworden und schaut Opa beim Imkern zu.

Sie imkern jetzt mit Ihrem Großvater im Duett?
Ja, Opa hat so wie ich zwei Bienenvölker und ist genauso fasziniert vom Imkern wie ich. Ich habe seinen Traum verwirklicht.

Womit sind Sie gerade beschäftigt?
Im Mai und Juni ist es spannend, das sind die Höhepunkte des Bienenjahres. Meine Bienen bewohnen zur Zeit zwei Stockwerke. Für das Weiterbauen brauchen sie neue Etagen. Dafür fertige ich fünfzig Rähmchen an und löte die Wachs-Mittelwände ein.

Was macht Ihren Bienen am meisten zu schaffen?
Die Varroamilbe, die sich an der Bienenmade festsaugt und sich von ihr ernährt, stellt nach wie vor ein großes Problem dar. Ich versuche, zusätzlich mit Thymol-Plättchen die Milbe im Zaum zu halten. Der natürliche Wirkstoff Thymol ist für die Parasiten tödlich, für die Bienen und die Königin allerdings gut verträglich.

Wurden Sie schon mit anderen Bienen-
Krankheiten konfrontiert?

Ich beobachte, was im Bienenvolk passiert, indem ich regelmäßig den Zustand der Waben kontrolliere. Am Brut-Bild erkenne ich, wie es dem Bienenvolk geht. Eine saubere Wabenstruktur steht für Gesundheit. Sterben die Bienen in den Zellen, handelt es sich meist um Faul-Brut, eine anzeigepflichtige Krankheit. Das habe ich bislang Gott sei Dank noch nicht erlebt.

Wie füttern Sie Ihre Bienen?
Füttern muss ich sie nur im Herbst, wenn ich den Honig entnehme. Da bekommen sie Zuckerwasser. Sonst reicht das Nahrungsangebot in der Umgebung und in meinem Garten, den ich bienenfreundlich gestaltet habe. Bei uns gibt es keine hybriden Ziersträucher, sondern nur Nahrungsquellen für Insekten.

Was sind denn die idealen Nahrungsquellen?
Kräuter wie Salbei, Thymian, Minze, Basilikum, Rosmarin und Schnittlauch sind optimal. Jeder von uns, auch die Menschen, die in der Stadt wohnen, können unseren Bienen diese Nahrung anbieten. Denn Kräuter erblühen auch auf dem Balkon. Damit leistet jeder einen Beitrag für den Erhalt unserer Bienen. Das zu vermitteln, ist mein Hauptanliegen in meiner Funktion als Honigkönigin. Jeder, der die Möglichkeit hat, möge bitte bienenfreundliche Blumen und Kräuter einpflanzen und damit einen riesigen Beitrag für unsere Umwelt leisten.

Wie sind Sie zur Honigkönigin geworden, und an welche Aufgaben ist dieses Amt geknüpft?
Der Österreichische Imkerbund wählt alle drei Jahre eine Honigkönigin. Mein Freund hat mich dazu überredet mitzumachen und so kam‘s, dass ich das Amt bis 2021 ausübe und meinen Betrag dafür leiste, dass der heimische Bienenhonig und unsere Imker die Wertschätzung bekommen, die sie verdienen.

Ist in diesem Fall noch Luft nach oben?
Solange tonnenweise gepanschter Honig, weil nicht einmal nachgewiesen ist, dass es sich um Honig handelt, importiert wird, bekommt unser Bienenhonig nicht die Wertschätzung, die ihm gebührt. Ausländischer Mischhonig, der manchmal zu allem Übel auch noch mit dem rot-weiß-roten Etikett „Abgefüllt in Österreich“ versehen ist, kostet pro Kilo 4,99 Euro, heimischer Imkerhonig je nach Sorte zwölf bis 17 Euro. Im Winter war ich in einem Salzburger Hotel, in dem am Frühstücksbuffet eine ganze Honigwabe stand. Ich konnte mir den Honig selbst herauspressen. Das fand ich super, daran erkennt der Konsument, was hinter dem einzigartigen Naturprodukt steckt.

Wie schmeckt Ihnen Honig am besten?
Mein absoluter Favorit ist ein Butterbrot mit Honig. Mit Zimt bestreut, ist es mein Geheimtipp, mit dem ich die Menschen immer wieder überrasche. Beim Kochen mit Honig ist Vorsicht geboten. Denn ab 40 Grad Celsius werden wertvolle Inhaltsstoffe zerstört. Aber einen Braten bei niedriger Temperatur mit Honig zu überpinseln, ist genial.

Honig wird oft als „Heilmittel“ bezeichnet. Hat er Ihnen schon geholfen?
Wenn ich Halsweh hatte, vermischte Mama einen Teelöffel Essig und einen Teelöffel Honig, das hab‘ ich dann tröpfchenweise geschluckt. Obwohl‘s ein bisschen brennt, setze ich noch immer auf dieses Hausmittel, weil es natürlich ist und wirkt.
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