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Ausgabe Nr. 21/2020 vom 18.05.2020, Fotos: RM Europaschutzgebiete, picturedesk.com
Ein blaues Meer aus Sibirischen Schwertlilien
Richard Dietrich produziert Most und Riebelmais.

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Hier erblüht unsere Heimat
Das Frühjahr zeigt seine volle Pracht, überall grünt und blüht es. Die Temperaturen laden zu allerlei Aktivitäten im Freien ein, aber immer noch beutelt uns das Corona-Virus. Darum, liebe Leser, bringen wir mit unserer Serie über die schönsten Plätze unseres Landes ein wenig Blütenpracht zu Ihnen nach Hause. Dieses Mal geht es um die Sibirische Schwertlilie in Bangs-Matschels (Vbg.).
Wenn sich der Tag dem Ende neigt und die Nacht hereinbricht, ist in Bangs-Matschels (Vbg.) mit viel Glück ein sonderbarer Gesang zu hören. Es ist der Ruf des Wachtelkönigs. Der Vogel macht Weibchen mit einem
„krex krex“ auf sich aufmerksam.

Der Bodenbrüter braucht zum Überleben spät geschnittene Wiesen, die ihm eine gute Deckung bieten. Die findet er in der westlichsten Gemeinde unseres Landes im Naturschutzgebiet Bangs-Matschels, wo dem Vogel unter die Flügel gegriffen wird.

Die ersten Rufe sind ab Mai zu hören, wenn der Wiesenbewohner aus Afrika zurückkehrt. Einst weit verbreitet, ist der Wachtelkönig heute vom Aussterben bedroht. Ihn zu Gesicht zu bekommen, ist fast unmöglich. Nicht einmal Petra Häfele, die Gebietsbetreuerin des Europaschutzgebietes Rheintal, hat das Tier schon gesehen.

„Der Wachtelkönig ist äußerst scheu und nicht mehr so oft anzutreffen. Wir haben aber ein paar Brutpaare im Naturschutzgebiet“, sagt die 38jährige Vorarlbergerin.

Während das Tier seine Deckung genießt, stellt sich ein ganz anderer Wiesenbewohner in den Vordergrund. Ab Mitte Mai blüht die Sibirische Schwertlilie. Millionen dieser herrlichen Pflanzen verwandeln das Unterried in ein blaues Blütenmeer. „Die Blume wird bis zu 80 Zentimer hoch. Sie bevorzugt feuchte und nährstoffarme Böden“, erklärt Petra Häfele. Eine intensive Landwirtschaft und das Düngen der Wiesen würden diese Pflanze zum Verschwinden bringen. Deshalb wurde das Gebiet 1974 unter Naturschutz gestellt, allerdings war in der ursprünglichen Verordnung weiterhin die übliche landwirtschaftliche Nutzung möglich. Seit der novellierten Verordnung aus dem Jahr 1989 sind die Streuwiesen aber wirksam geschützt und wurden mittlerweile auch zu einem europäischen Natura-2000-Gebiet erklärt.

Das Bangser Ried bildet gemeinsam mit Matschels ein 450 Hektar großes Naturschutzgebiet und hat die Größe von etwa 630 Fußballfeldern. Von großer Bedeutung sind die Streuwiesen, die gut ein Fünftel des Gebietes bedecken.

Auf ihnen gedeiht die Sibirische Schwertlilie, die Besucher mit ihrer intensiven blauen Blüte betört. Auf ausgewiesenen Wanderwegen können sich Spaziergänger von der Schönheit dieses Landstriches überzeugen. „Wichtig ist, dass die Gäste auf den Wegen bleiben und keine Blumen pflücken. Die Wiesen sollten nicht betreten werden, weil sonst die am Boden brütenden Vögel gestört werden“, bittet Häfele.

Im Schutz der Streuwiesen baut auch das Braunkehlchen in einer Bodenmulde sein Nest. Der spatzengroße Vogel kehrt im April aus seinem Winterquartier in Afrika zurück. Im Naturschutzgebiet fühlen sich auch die Gelbbauchunke und der Skabiosen-Scheckenfalter, ein auffallend orange gefärbter Schmetterling, wohl.

Hier wachsen neben der Schwertlilie auch die Sumpf-Gladiole, der Frauenschuh und der Duft-Lauch. „Obwohl er mit Schnittlauch und Knoblauch verwandt ist, riechen die Blüten des Duft-Lauchs weniger intensiv. Sie duften sogar leicht süßlich“, erklärt die Vorarlbergerin.

Eine späte Mahd im Herbst sichert den Fortbestand dieser Pflanzen. Die Streuwiesen werden generell nur ein Mal im Jahr, frühestens Anfang September, gemäht. „Dem Duft-Lauch würde eine noch spätere Mahd gut tun. Seit vergangenem Jahr gibt es eine Förderung für Flächen, die erst ab Oktober gemäht werden. Einige Landwirte haben sich dazu bereit erklärt“, sagt Häfele.

Der Mähtraktor kommt auch zum Einsatz, um einer Pflanze den Garaus zu machen. Die nordamerikanische Späte Goldrute ist zwar schön anzusehen, doch sie überwächst inzwischen einige Streuwiesen und verdrängt andere Pflanzen. Hauptverantwortlich für die Ausbreitung ist das Absinken des Grundwasserspiegels.

„Die Flüsse wurden reguliert, allen voran der Rhein. Er wurde in ein enges Bachbett gezwängt. Das hat die Fließgeschwindigkeit erhöht und der Fluss hat sich tiefer nach unten gegraben. Insgesamt um sechs Meter“, erklärt Häfele.

Die Folge ist die Ausbreitung von Pflanzen, die trockenere Standorte bevorzugen, wie beispielsweise die Goldrute. Ein Rezept, diesen Eindringling komplett zum Verschwinden zu bringen, gibt es nicht. „Wir reißen die Goldrute entweder händisch büschelweise aus oder lassen sie maschinell mähen, bevor sie Samen gebildet hat. Dafür brauchen wir das Einverständnis der Behörden.“

Das Naturschutzgebiet Bangs-Matschels gehört zum Gemeindegebiet von Feldkirch. Ein Ausflug zur Schwertlilienblüte lässt sich gut mit einem Rundgang in der Innenstadt von Feldkirch verbinden. Bedeutende Gebäude in Feldkirch sind der achtgeschoßige Katzenturm, das Schloss Amberg und die Schattenburg. Sie war der Stammsitz der Grafen von Montfort. Im Rathaus befand sich früher ein Kornspeicher im Erdgeschoß.

Das wichtigste Getreide war lange Zeit der Riebelmais. Da er auf kleinen Flächen hohe Erträge lieferte, wurde er zur Selbstversorgung von vielen Familien angebaut.Nach dem Zweiten Weltkrieg geriet der Riebelmais aber in Vergessenheit. Richard Dietrich ist es zu verdanken, dass er im „Ländle“ wieder wächst. Der Vorarlberger und einige Landwirte bauen Riebelmais aus selbstgezogenem Saatgut an. Die Maiskolben werden händisch geerntet und abgerebelt. Jeder Kolben wird von Dietrich nach der Ernte begutachtet.

„Riebelmais ist ein Hartmais mit einer weiß-goldigen Farbe. Da in der Nähe auch Silomais angebaut wird, kann es passieren, dass ein oder mehrere Körner gelb-orange sind. Die entferne ich mit dem Schraubenzieher“, erklärt Dietrich, der Mitglied beim Verein „Ländle Bur“ ist. Das ist eine Vereinigung bäuerlicher Direktvermarkter, die regionale Produkte anbieten, etwa den Riebelmais.

Aus dem Getreide wird das traditionelle Gericht „Riebel“ gekocht. Dazu werden Wasser und Milch mit einer Prise Salz zum Kochen gebracht. Danach wird der Riebelgrieß eingerührt, bis ein Brei entsteht. Sobald die Masse ausgekühlt ist, wird sie in einer Eisenpfanne unter regelmäßigem Zerstochern, auch „Riebeln“ genannt, knusprig geröstet.

„Das Gericht macht lange satt und wurde früher von den Bauern gegessen, die hart gearbeitet haben. Riebel steigert auch die Leistungsfähigkeit von Ausdauersportlern, weil das Gericht einen guten Mineralstoffgehalt hat“, erzählt der Vorarlberger, der aus dem Hartmais auch Whisky, Polenta und Müsli herstellt. Außerdem ist er Obstbauer und produziert Most, Essig und Brände. widlak
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