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Ausgabe Nr. 21/2020 vom 18.05.2020, Foto: AdobeStock
Während für die Allgemeinheit die
Grenzen dicht sind, dürfen dieser Tage
Jäger aus dem Ausland zu uns kommen.
Dem Töten keine Grenzen
gesetzt
Jagdpächter aus Ländern wie Italien oder Deutschland dürfen seit 30. April ohne Corona-Test oder Quarantäne in unser Land einreisen. Beschlossen hat das die Regierung und der Dachverband „Jagd Österreich“. Denn nur im Mai darf der begehrte, aber gleichzeitig bedrohte Birkhahn geschossen werden. Von der Balz in den Tod.
Derzeit gelten aufgrund der Corona-Krise für unser Land strenge Einreisebeschränkungen. In der Verordnung steht, dass Personen, die aus dem Ausland einreisen möchten, „ein ärztliches Zeugnis über ihren Gesundheitszustand mit sich zu führen und vorzuweisen haben, dass der molekularbiologische Test auf SARS-CoV-2 negativ sein muss. Das ärztliche Zeugnis darf bei der Einreise nicht älter als vier Tage sein.“ Einreisen darf auch, wer sich sogleich in 14-tägige Quarantäne begibt. Ausnahmen gelten für Berufspendler, für Saisonarbeitskräfte in der Land- und Forstwirtschaft sowie für Pflege- und Gesundheitspersonal.

Legenden sind nicht willkommen. Das musste dieser Tage der mehrfache Motorrad-Weltmeister Valentino Rossi, 41, erfahren. Der Italiener wollte sich mit Nachwuchsfahrern am Red-Bull-Ring in Spielberg (Stmk.) an einem Fahrsicherheits-Training beteiligen. Doch er bekam von den Behörden keine Einreisegenehmigung. Wenn er doch nur Jäger wäre.

Denn diese Gruppe bekam eine Sonderregelung. Genauer gesagt, Jagdpächter aus dem Ausland. Jäger, die in Deutschland oder Italien leben, aber hierzulande ein Jagdrevier gepachtet haben, dürfen seit 30. April ohne Corona-Test oder ohne sich in eine zweiwöchige Quarantäne begeben zu müssen, einreisen. Sie brauchen dafür lediglich eine Kopie des Pachtvertrages, eine gültige Jagdkarte und ein gültiges Reisedokument. Gemeinsam mit dem Bundesministerium für Inneres (BMI) und dem Gesundheitsministerium hat der Dachverband „Jagd Österreich“ diese bundesweite Regelung erwirkt.

„Insgesamt haben wir in unserem Land rund 12.200 Jagdreviere, wovon rund 500 an Jagdausübungsberechtigte verpachtet sind, die nicht bei uns leben. In Tirol liegt mit 300 von 1.300 Revieren und in Vorarlberg mit 134 von 499 Revieren der Schwerpunkt. Die übrigen Bundesländer haben nur wenige jagdverantwortliche Jagdausübungsberechtigte aus Nachbarstaaten. Insgesamt gibt es 521 ausländische Pächterinnen und Pächter. Vordringlich sind jene aus Liechtenstein, Deutschland, Italien und der Schweiz zu erwarten“, sagt Lutz Molter vom Dachverband „Jagd Österreich“.

Die Regierung begründet die Ausnahmeregelung mit „Systemrelevanz“. „Zu den Aufgaben der Pächter zählen
unter anderem die Kontrolle und Vorbeugung der Ausbreitung von Tierseuchen wie Tuberkulose oder die Afrikanische Schweinepest sowie die bestmögliche Reduktion von Wildschäden. Zudem sind die Jagd-
ausübungsberechtigten dazu verpflichtet, die behördlich verordneten Abschusspläne zu erfüllen. Bei Nichterfüllen drohen empfindliche Strafen. Diese Verpflichtungen und damit einhergehende Aufgaben sind auch in der Krise einzuhalten“, sagt Molter.

Für Dr. Rudolf Winkelmayer, 65, ist diese Argumentation hinfällig. „Regulierungsabschüsse sind das ganze Jahr über möglich, das können auch heimische Berufsjäger und Jagdhelfer erledigen. Das muss jetzt nicht innerhalb von ein paar Tagen geschehen. Vielmehr geht es jetzt um eine Menge Geld. Denn attraktive Jagdpachten, die ein Ausmaß von 500 bis 1.000 Hektar haben, kosten den Jäger einige 10.000 Euro Pacht im Jahr. Das wollen ausländische Jäger auch nutzen. Vor allem geht es dabei um so wertvolle Abschüsse wie den Birkhahn. Er ist eine unglaublich begehrte Jagdtrophäe, was an sich schon eine Perversion ist, weil diese Tiere so selten sind. Aber dass wir für deren Abschuss nun in der Corona-Krise Jäger aus dem Ausland einreisen lassen, ist unfassbar“, sagt Winkelmayer. Der frühere Amtstierarzt, der auch im Landesjagdverband Niederösterreich verankert war, weiß, wovon er redet. Er war selbst jahrzehntelang Jäger. Mit dem Töten von Tieren hörte er aber auf, weil dieses Hobby für ihn ethisch nicht mehr vertretbar war.

Die Jagdzeit für den Birkhahn fällt ausgerechnet in die Balz. Sie dauert nur kurz von Mitte Mai bis Ende Mai. Im Vorjahr wurden 1.500 Stück Birkwild geschossen. Insgesamt gibt es in unserem Land einen Gesamtbesatz von 26.000 dieser blauschwarzen Hühnervögel, die etwa 50 Zentimeter groß und bis zu 1,5 Kilo schwer werden. Der Birkhahn ist eine vom Aussterben bedrohte Tierart und steht auf der Roten Liste. Bis auf Slowenien und Deutschland ist die Birkhahnjagd in den Alpenländern aber nach wie vor erlaubt.

Lutz Molter kommt regelrecht ins Schwärmen, wenn er über diese schönen Tiere spricht. „Balzende Hähne sind ein einzigartiges Naturschauspiel, das jeder Jäger einmal erlebt haben muss. Als Erinnerung daran lässt der Jäger den Birkhahn dann ausstopfen.“ morri
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