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Ausgabe Nr. 21/2020 vom 18.05.2020, Foto: AdobeStock
Neue Alternative für Allergiker, die Angst vor Spritzen haben
Tabletten gegen Ragweed-Allergie
Die Pollen der Ragweedpflanze (Ambrosia) sind besonders stark allergieauslösend. Bereits wenige Körner in der Luft genügen, um Beschwerden zu verursachen. Nun gibt es gute Neuigkeiten. Allergiker können mit Tabletten Schutz aufbauen.
Diese Nachricht lässt Allergiker mit Spritzenphobie im wahrsten Sinne des Wortes aufatmen, denn seit Kurzem gibt es für Ragweedpollen-Allergiker die erste Therapie in Tablettenform.

Ragweed, Ambrosia, Fetzenkraut oder beifußblättriges Traubenkraut – die krautige Pflanze mit ihren mehr als eineinhalb Metern Wuchshöhe hat viele Namen. Das Problem, das sie bereitet, ist aber immer dasselbe. Ihr Blütenstaub (Pollen) ist stark allergieauslösend und kann schwere allergische Reaktionen auslösen. Sie reichen von Augenjucken, Niesen, einer rinnenden oder verstopften Nase bis hin zu trockenem Husten, Engegefühl in der Brust und Atemproblemen. „Ab vier Pollen pro Kubikmeter Luft werden allergische Symptome im Osten unseres Landes ausgelöst. Zum Vergleich, Gräserpollen-Allergiker reagieren erst bei 20 Pollenkörnern pro Kubikmeter Luft mit Allergie-Symptomen“, sagt Uwe E. Berger, MBA, Leiter des Österreichischen Pollenwarndienstes.

Umso größer ist die Gefahr für die Lungengesundheit, die von Ragweedpollen ausgeht. „Bei etwa vier von zehn Allergikern geht die Entzündung von den oberen auf die unteren Atemwege über und kann dort Asthma verursachen“, informiert Mag. Heidelinde Schopper, Geschäftsführerin von ALK, einem heimischen Hersteller von Allergie-Präparaten.

Vor allem im Osten unseres Landes ist die Belastung für die Menschen groß (siehe Karte), wenn ab August jede Ragweedpflanze millionenfach Pollen in die Luft abgibt. Einer von zehn Bewohnern aus Wien, Niederösterreich und dem Burgenland reagiert bei Kontakt mit dem Blütenstaub des Unkrautes mit allergischen Beschwerden. Langfristig rechnen Wissenschaftler damit, dass die Häufigkeit von Allergien auf Ragweed weiter zunehmen wird. Grund dafür ist die globale Erwärmung.

Um das Übel an der Wurzel zu packen, muss das Immunsystem lernen, Pollen wie Ragweed nicht als „Feind“ einzustufen. Dies gelingt am besten mit der allergen-spezifischen Immuntherapie, kurz AIT, durch einen Facharzt für HNO-, Lungen- und Haut-Erkrankungen. „Diese Behandlung ist auch unter den Begriffen ‚Allergie-Impfung‘ oder Hyposensibilisierung bekannt. Das Prinzip ist einfach. Über die regelmäßige Gabe einer bestimmten Menge Allergenextrakte, in diesem Fall aus dem Pollen der Ragweedpflanze, soll das Immunsystem eine Toleranz gegenüber den Pollen entwickeln. Im Idealfall stellt es die allergische Reaktion ganz ein. Sie trainiert das Immunsystem, sich wieder an den Allergieauslöser zu gewöhnen“, erklärt Mag. Heidelinde Schopper.

Neben der bisherigen Injektionstherapie, vor der jeder
Spritzenphobiker zurückschreckt, steht erstmals die allergen-spezifische Immuntherapie mit Tabletten zur Verfügung. „Die Patienten legen sich etwa drei Jahre täglich eine Tablette unter die Zunge, wo sie sich innerhalb von Sekunden auflöst und von der Mundschleimhaut aufgenommen wird. Diese Therapie kann nach der ersten Einnahme beim Arzt selbstständig zu Hause durchgeführt werden. Die Kontrolle erfolgt alle zwei Monate, um ein neues Rezept zu bekommen. Damit sind weniger Arztbesuche notwendig als bei der ‚Impfkur‘.“ Die Experten empfehlen, die Therapie schon jetzt, zwölf Wochen vor Beginn der Ragweedpollen-Saison, zu beginnen, um für den Pollenflug im Spätsommer und Herbst eine erste Schutzwirkung aufzubauen.

Eine mögliche weitere Hilfe könnte in Bälde von den Forschern der Medizinischen Universität Wien kommen. Sie arbeiten an einem synthetisch hergestellten „Impfstoff“ gegen Gräserpollen, mit vier Injektionen im ersten Jahr und einer Auffrischung im zweiten Behandlungsjahr. Er könnte auch Ragweed-Allergikern helfen. Die Voraussetzung für die allgemeine Zulassung
der Impfung soll ab dem Jahr 2021 geschaffen sein.
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