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Ausgabe Nr. 21/2020 vom 18.05.2020, Foto: picturedesk.com
V. li. n. re.: Innenminister, Vizekanzler, Kanzler und Gesundheitsminister bei einer Pressekonferenz.
Ungeliebte Masken
Seit Wochen gehören die Masken zu unserem Alltag. Nicht nur für Brillenträger ist das Tragen der Gesichts-Bedeckung eine Herausforderung, die so mancher gern hinter sich lassen würde. In der Schweiz sind Masken deutlich seltener verpflichtend. Auch in den „Öffis“ gibt es dort nur Empfehlungen zum Maskentragen.
Das Thema Masken lässt auch die bayerische Kabarettistin Monika Gruber nicht kalt. „Seit zwei Wochen laufen wir mit diesen Gesichtsmasken umanander, nachdem uns vor sechs Wochen diverse Experten erzählt haben, dass das für einen gesunden Menschen absolut sinnbefreit ist“, sagt sie in einem Facebook- und Instagram-Video und hinterfragt offenbar die Logik mancher Empfehlungen.

Jetzt würden wir herumrennen „wie die gesichts- und mimiklosen Lemminge“. In Bayern (D) gilt seit dem 27. April in vielen Bereichen eine Maskenpflicht.

Doch das deutsche Robert Koch-Institut (RKI), die dortige Bundesoberbehörde für Infektionskrankheiten, hat den Mundschutz für alle nicht immer befürwortet. Erst Anfang April hat das RKI seine Einschätzung des „Mund-Nasen-Schutzes“ geändert. Zuvor empfahl es eine Maske nur Menschen mit akuten Atemwegserkrankungen. Jetzt heißt es: „Das Tragen der Mund-Nasen-Bedeckung kann ein zusätzlicher Baustein sein, um die Ausbreitungsgeschwindigkeit von Covid-19 in der Bevölkerung zu reduzieren.“

Auch das hiesige Gesundheitsministerium beruft sich unter anderem auf das RKI. Und so müssen wir in Geschäften, in Museen, der Straßenbahn und in Taxis ebenso wie bei Fahrgemeinschaften den oft ungeliebten Mundschutz tragen.

Das bleibt fürs Erste so. „Das Tragen von Mund-Nasen-Schutz etwa in Geschäften und in den Öffis hilft, die Weitergabe von Tröpfchen bei Niesen, Husten oder Sprechen zu verringern und damit andere Menschen zu schützen. Das werden wir gerade in der Phase der kontrollierten Öffnung aufrechterhalten“, erklärt Grünen-Gesundheitsminister Rudolf Anschober.

Ob wir auch noch im Sommer mit der Maske einkaufen gehen müssen, lässt der Ressortchef offen. „Falls wir diese größte Herausforderung gut bewältigen und keine zweite Welle entsteht, werden wir überprüfen, ob der Mund-Nasen-Schutz schrittweise in einzelnen Bereichen abgebaut werden kann.“

Laut den offiziellen Testergebnissen war in der Vorwoche ein Drittel unseres Landes „Coronavirus-frei“, in 33 von 94 Bezirken wurden seit 14 Tagen keine Neuinfektionen registriert. Das könnte auch Auswirkungen auf die Maskenpflicht haben.

Der Mediziner Günter Weiss von der Universitätsklinik Innsbruck hat etwa kürzlich gemeint, wenn die Infektionen weiter sinken, müsse man schauen, „ob man dann schrittweise Maßnahmen lockern kann, das heißt, auch an gewissen Orten vielleicht von der Maskenpflicht abgeht, zum Beispiel im Supermarkt oder im Baumarkt“.

Die blauen, weißen oder bunten Stoff- und Wegwerf-Masken gehören zu den augenscheinlichsten Zeichen der Corona-Krise. Seit 6. April sind sie in Supermärkten obligatorisch, schrittweise kamen neue Bereiche dazu. Derzeit gilt eine Maskenpflicht „beim Betreten öffentlicher Orte in geschlossenen Räumen“, das sind etwa Bahnhöfe, U-Bahn-Stationen oder Geschäfte. Dort ist eine „den Mund- und Nasenbereich abdeckende mechanische Schutzvorrichtung“ zu tragen. Das kann auch ein Schal oder ein Plexiglas-Visier sein.

In Schulen gilt die Maskenpflicht außerhalb der Klassen im Gebäude. In Wirtshäusern müssen die Mitarbeiter bei Kundenkontakt Mund und Nase bedecken, für Gäste ist das allerdings nur „bis zum Einfinden am Verabreichungsplatz“ Pflicht. Der Gang auf die Toilette kann unmaskiert stattfinden.

Nicht nur Beschäftigte im Handel, die stundenlang die Masken tragen müssen, tun sich oft schwer damit. Auch so mancher Kunde ist weniger einkaufsfreudig. Brillenträger kämpfen zum Beispiel mit dem Beschlagen der Gläser. „Ich vermeide es, soweit es geht, einkaufen zu gehen. Und statt mit den ,Öffis‘ fahre ich jetzt mit dem Auto. Ich komme mit der Maske einfach nicht zurecht“, sagt ein unwilliger Maskenträger über die lästige Gesichtsbedeckung.

In der Schweiz geht die Regierung einen anderen Weg beim Thema Masken. „Gesunde Personen brauchen im öffentlichen Raum weiterhin keine Masken zu tragen“, hieß es dort anlässlich der Ankündigung von Lockerungsmaßnahmen Ende April. „Abstand halten und Hände waschen bleiben die wirkungsvollsten Schutzmaßnahmen.“

Auch im öffentlichen Verkehr gibt es in der Schweiz keine Maskenpflicht. Das Tragen von Hygienemasken wird den Fahrgästen allerdings „dringend empfohlen, falls der Abstand von zwei Metern nicht eingehalten werden kann.“ Anders als bei uns legt die eidgenössische Regierung den Bürgern einen Sicherheitsabstand von zwei Metern nahe. Hierzulande ist laut Verordnung ein Meter Mindestabstand „gegenüber Personen, die nicht im gemeinsamen Haushalt leben“, einzuhalten. Ausnahmen gibt es für die „Öffis“.

Doch auch in der Schweiz müssen Betriebe Schutzkonzepte vorlegen, die das Tragen einer Gesichtsmaske vorschreiben können, etwa bei Friseuren.
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