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Ausgabe Nr. 20/2020 vom 12.05.2020, Fotos: action press, zVg
Die finnische Sängerin und Texterin Alma hatte es in ihrer Jugend nicht leicht.
Das Debüt einer bislang im Hintergrund agierenden Sängerin.
„Ich wurde von Kindern tyrannisiert“
Bislang verhalf sie Kolleginnen wie Miley Cyrus, 27, und Ariana Grande, 26, mit ihrem Talent zu Texten, musikalische Höhenflüge hinzulegen. Nun möchte die finnische Sängerin Alma-Sofia Miettinen mit ihrem Debüt-Album „Have U Seen Her?“ aus dem Schatten treten und selbst die Lorbeeren ernten. Die WOCHE-Reporterin Katja Schwemmers hat mit der 24jährigen, die sich als Künstlerin Alma nennt, geplaudert. Nicht nur über ihre unübersehbare Haarpracht, sondern auch über Schikanen in der Kindheit.
Alma, in den Kommentaren unter Ihren YouTube-Videos lautet der Tenor, Sie seien als Künstlerin unterschätzt. Empfinden Sie das ebenso?
Unterschätzt zu sein ist besser, als überschätzt zu sein, oder? Ich denke, das ist ein gutes Zeichen. Ich bin jetzt schon einige Jahre dabei und habe bisher nur Singles herausgebracht. In den vergangenen zwei Jahren legte ich eine Pause ein, um für andere Künstler zu schreiben. Es hat ewig bis zu diesem ersten Album gedauert. Ich habe das Gefühl, dass meine Karriere erst jetzt beginnt.

Tatsächlich?
Ja, jetzt geht‘s erst richtig los. Ich bin ja immer noch jung, ich habe noch viel Zeit. Ich bin neugierig, wohin die Reise für mich gehen wird, allerdings habe ich nie vom großen Erfolg geträumt. Berühmt zu sein wie Rihanna – zur Hölle, nein, das will ich nicht.

Wer neongelb-grünes Haar trägt wie Sie, ist vermutlich
auch eher schwer zu übersehen

Ja, die Haare sind zu meinem Markenzeichen geworden. In einer Fernsehshow wurden mir sogar sechs Tänzer zur Seite gestellt, die Perücken in meiner Haarfarbe trugen. Aber gut, einer meiner ersten Hits hieß ja auch „Dye My Hair“ – ich färbe mir die Haare. Ich wurde zum Mädchen mit den gelb-grünen Haaren. Und nun ist es irgendwie zu spät, um aus der Nummer herauszukommen. Vermutlich werden sie mich einst so zu Grabe tragen.

Es ist nicht alltäglich, dass eine finnische Künstlerin noch vor ihrem eigentlichen Debüt mit Branchen-Größen wie Ariana Grande, Dua Lipa und Lana Del Rey zusammenarbeitet.
Viele Freunde von mir sind Produzenten und Sänger mit großen Namen, welch ein Glück. Das fing mit der britischen Künstlerin Charli XCX an – sie mochte mich einfach. Von da an hatten mich die Herrschaften irgendwie auf dem Schirm. Alle Künstler, die dann folgten, schickten mir eine Nachricht über Instagram oder Twitter. Kein Management war dazwischengeschaltet. Ich lernte meine Künstlerfreunde auf persönlicher Ebene kennen.

Auch Miley Cyrus?
Ja. Zwischen uns hat es sofort „klick“ gemacht. Wir trafen uns auf einer Party und feierten die ganze Nacht durch. Gleich am nächsten Tag gingen wir ins Studio und kamen zwei Wochen nicht mehr raus. Wir haben so viele Lieder zusammen geschrieben, wir waren voller Energie und menschlich auf einer Wellenlänge. Wir haben uns sogar dieselbe Tätowierung stechen lassen.

Das Lied für die drei Damen im Film „3 Engel für Charlie“ stammt auch aus Ihrer Feder …
Wenn mir mit 15 Jahren jemand gesagt hätte, was alles passieren wird, hätte ich ungläubig den Kopf geschüttelt. Ja, es ist verrückt und eine große Sache für mich. Es fühlt sich gut an, dass all diese Frauen mich im Studio haben wollten. Sie haben an mich und meine Fähigkeiten als Liederschreiberin geglaubt.

Sie haben auf Ihrem Album ein Lied Ihrer Mutter gewidmet, warum?
Meine Mutter ist meine Heldin. Weil sie – egal, was ich Dummes anstelle – immer hinter mir steht und mich unterstützt. Wenn alle aus meinem Leben verschwinden und mich hassen würden, meine Mutter wäre da für mich. Ihre Liebe ist unantastbar. Sie gab mir immer alle Freiheiten. Meine rebellische Seite habe ich von ihr. Sie ist heute 70 Jahre alt und immer noch eine Rebellin.

Waren Sie schon in der Schule so?
Nein, die Schule war schlimm. Ich hatte zwei harte Jahre. Die Kinder hassten mich. Sie haben mich schikaniert und tyrannisiert, wo sie nur konnten. Ich war wohl ein bisschen zu maskulin. Ich spielte Fußball, damit stand ich als Mädchen nicht hoch im Kurs. Und ich fragte mich: „Ist das das echte Leben? Das ist verdammt noch einmal beschissen.“ Dann wechselte ich auf eine eher künstlerische Schule – und wurde akzeptiert. Ich war glücklich und dankte Gott, dass das alte Leben vorbei war. Heute bin ich erfolgreich als jene Person, die ich bin.
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