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Ausgabe Nr. 20/2020 vom 12.05.2020, Foto: picturedesk.com
Narzissen verschönern das steirische Ausseerland
Hier erblüht unsere Heimat
Das Frühjahr zeigt seine volle Pracht, überall grünt und blüht es. Die Temperaturen laden zu allerlei Aktivitäten im Freien ein, aber immer noch beutelt uns das Corona-Virus. Darum, liebe Leser, bringen wir mit unserer Serie über die schönsten Plätze unseres Landes ein wenig Blütenpracht zu Ihnen nach Hause. Dieses Mal geht es um die Narzissenblüte im Ausseerland.
Einen weißen Blütenteppich gibt es jedes Jahr im steirischen Ausseerland zu bewundern. Ab Mitte Mai säumen Millionen von Narzissen Wiesen und Almen. Die sternförmigen Pflanzen finden im Salzkammergut optimale Wachstumsbedingungen. Das feuchte Klima sowie der nährstoffarme Boden lassen die Zwiebelpflanze gedeihen. Außerdem werden die Wiesen spät gemäht und nicht gedüngt.

Die sensible Blume bevorzugt saure Böden. „Würden die Wiesen gedüngt werden, würde die Narzisse langsam verschwinden“, erzählt Siegfried Zink, Obmann-Stellvertreter des Narzissenfestes, der zu dieser Zeit normalerweise in den Vorbereitungen des größten Blumenfestes unseres Landes steckt.

Für das Narzissenfest werden die weißen Blüten der Narzissen zu beeindruckenden Figuren zusammengesteckt. In diesem Jahr fällt das Spektakel, das im vorigen Jahr sein 60. Jubiläum feierte, aber aus. Zum ersten Mal in der Geschichte wird keine Narzissenkönigin gewählt.

Stattdessen bleibt die derzeitige Hoheit, Sabrina Kranabitl, für ein weiteres Jahr im Amt. Die 25jährige Innenarchitektin stammt aus Bad Aussee und ist mit der Narzisse aufgewachsen. „Es ist immer wieder ein schöner Anblick, wenn die Narzisse blüht. Von der Weite sieht es aus, als würde Schnee liegen. Vor allem für die Gäste ist die Narzissenblüte ein einzigartiges Spektakel“, sagt Sabrina Kranabitl.

Gemeinsam mit ihrer Familie hat die Ausseerin jahrelang beim Narzissenfest mitgemacht. „Wir haben viele erfolgreiche Figuren gesteckt, darunter einen Dinosaurier, die Comic-Figur Homer Simpson und einen weißen Elefanten, der auf seinem Rücken eine Decke trug, die aus anderen Pflanzen gemacht wurde“, erzählt die sympathische Steirerin.

Gut 130.000 Blüten braucht es, um eine große Figur zu stecken. „Als Kind war das Stecken der Höhepunkt des Festes. Dann hatten wir einen Grund, um bis spät in die Nacht aufzubleiben.“

Das Abpflücken schadet der Pflanze nicht. „Nur die Zwiebeln dürfen nicht herausgerissen werden. Narzissen wachsen nicht im Blumenbeet zuhause. Es hat daher keinen Sinn, die Zwiebeln mitzunehmen, um sie im eigenen Garten zu pflanzen“, erklärt Zink. Dafür können sich Besucher am Anblick der Wiesen erfreuen. Narzissenwiesen gehören zu den artenreichsten Blumenwiesen. Auf ihr wachsen auch verschiedene Orchideen, der Storchschnabel und die gelbe Trollblume.

Die Narzisse fällt nicht nur durch ihre sternförmige Blüte auf, sondern auch durch ihren Geruch. „Die einen sagen, sie stinke, für die anderen ist es ein ganz normaler Blumenduft. Wenn eine Garage voll mit Narzissenkübeln ist, die für das Fest gepflückt wurden, dann ist der Duft schon intensiv“, schmunzelt Zink.

In Aussee gibt es rund 80 Stellen, wo Narzissen blühen. „Einige davon halten wir geheim, es gibt aber welche, die öffentlich zugänglich sind. Viele Narzissen blühen auf der Blaa-Alm. Dorthin gelangen Wanderer auf dem ausgeschilderten Wiesenweg. Wunderschöne Narzissenwiesen gibt es auch in Zlaim und in Gössl am Grundlsee“, gibt der 39jährige einen Ausflugstipp.

In Gössl befindet sich auch der Heimathafen der Schifffahrt Grundlsee. Besucher können entweder in einem kleinen Holzboot oder auf einem Dampfer eine Runde auf dem größten steirischen See drehen, den die Bewohner liebevoll als „Steirisches Meer“ bezeichnen.

Die außergewöhnlichste Rundfahrt gibt es jedoch am benachbarten Toplitzsee. Dort kommen Plätten, das sind traditionelle Holzboote, zum Einsatz. Eine Plättenfahrt auf dem tintenschwarzen, schimmernden, 103 Meter tiefen Toplitzsee ist auch der einzige Weg, um zum versteckten Kammersee zu gelangen.

Sowohl der Toplitz- als auch der Grundlsee sind äußerst fischreich. In beiden Gewässern schwimmt der Saibling, der bekannteste Fisch des Ausseerlandes. Im Juli und im August darf der Grundlsee-Saibling aus dem See gefangen werden.

„Im saubersten Trinkwasser gedeihen die Wildfänge mehr als drei Jahre, damit sie sich mindestens einmal natürlich fortpflanzen können und eine nachhaltige Bestandssicherung garantiert wird. Den Seen wird nur so viel entnommen, wie wieder nachwächst. Die Fische müssen eine Mindestgröße erreichen, die mithilfe der Maschenweite der Netze kontrolliert wird“, erklärt Astrid Eder von der Fischerei Ausseerland.

Neben Wildfang wird auch Fisch aus Wildkultur angeboten. Fischer der Bundesforste fangen im November beim Laichfischen Mutterfische aus dem Wildbestand. „Dabei werden die Fische mit einem Zugnetz aus dem See geholt, um sie schonend abzustreifen, wie wir die Entnahme des Eimaterials nennen. Der Mutterfisch wird anschließend wieder in die freie Wildbahn entlassen, während das Eimaterial in unsere Bruteinsätze gelangt“, erzählt Eder. Sind die Nachkommen groß genug, übersiedeln sie in Quellwasser-Teiche.

Der Saibling und weitere Fische können vor Ort in den Fischerläden in Bad Aussee, Kainisch oder Grundl-
see gekauft werden. Wer nicht in der Nähe wohnt, kann sich den Fisch auch schicken lassen. In der „FlossenBox“ wird frischer, geräucherter oder gebeizter Saibling gut gekühlt geliefert. Der Fisch liegt vom Verpacken weg auf Eis. Der Versandkarton wird innen mit einer Hanfmatte isoliert. Kühlakkus aus reinem Wasser halten die wertvolle Fracht kalt, bis sie beim Empfänger ankommt.

Neben dem Seesaibling gibt es im Ausseerland zwei weitere Schätze. Der eine ist süß, der andere salzig. Seit dem Jahr 1584 werden in Aussee Lebkuchen in Handarbeit erzeugt. Weitaus länger, seit 1147, wird in der Region Salz abgebaut.

Der Legende nach verriet ein Wassermann aus dem Grundlsee, dass in dem 1.717 Meter hohen Sandling ein Salzlager zu finden sei. Heute ist der Berg die größte Salzgewinnungsstätte unseres Landes.

In den „Salzwelten Altaussee“, die derzeit noch geschlossen sind, können Besucher bei einer 90-minütigen Führung das Bergwerk besichtigen. Die Höhepunkte der zwei Kilometer langen Führung sind die aus Salzsteinen erbaute Barbarakapelle und zwei Bergmannsrutschen.

Der Salzhandel prägte Jahrhunderte hindurch die Wirtschaft des Ausseerlandes, das nun von einem Narzissenteppich überzogen ist. Auch wenn das Narzissenfest heuer entfällt, hofft die Narzissenkönigin Kranabitl, dass es vielleicht im nächsten Jahr wieder Auftritte geben wird.

„Im April hätte der Steiermark-Frühling am Wiener Rathausplatz stattfinden sollen. Die Veranstaltung wurde aber aufgrund der Corona-Pandemie abgesagt. Ich hoffe, sie findet nächstes Jahr statt, denn das Fest soll wunderbar sein“, sagt die Steirerin, der es nicht schwerfällt, mit anderen ins Gespräch zu kommen. „Das liegt wohl an der Krone. Mit ihr falle ich ein wenig auf“, sagt Kranabitl schmunzelnd. widlak
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