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Ausgabe Nr. 19/2020 vom 05.05.2020, Foto: picturedesk.com
Hier graben Schürfer in Sierra Leone (Westafrika) nach Diamanten – mit der Hoffnung auf einen Sensationsfund.
Schuften für ein Säckchen Reis
Diamanten faszinieren die Menschen seit Jahrhunderten und gelten als Symbol für Unvergänglichkeit, Reichtum und Macht. Dabei sind sie nichts anderes als Kohlenstoff, also jenes Element, aus dem unsere Bleistiftminen bestehen. Der wertvollste Schatz der Natur hat auch eine dunkle Seite.
Er ritzt alles andere und alles andere vermag nicht, ihn zu ritzen. Diamanten sind durch ihre kompakte Gitterstruktur extrem stabil und gelten als der härteste natürlich vorkommende Rohstoff der Welt.

„Die begehrten Edelsteine entstehen erst ab einer Tiefe von etwa 150 Kilometern im glühenden Inneren unseres Planeten“, weiß die deutsche Wissenschaftlerin Dr. Nina Engwicht. Denn erst dort ist der Druck hoch genug, „um den Kohlenstoff bei Temperaturen von mindestens 1.500 Grad Celsius so fest zusammenzupressen“, erklärt die Fachfrau.

Genau so spektakulär ist aber auch die Art und Weise, wie er an die Erdoberfläche gelangt. Wie in einem Fahrstuhl drückt ihn das Eruptivgestein bei einem Vulkanausbruch nach oben. Dabei entstehen Schlote, in denen sich die Diamanten im Laufe der Zeit ablagern. Wenn der Vulkan erloschen ist, können Bergleute die Steine über riesige Krater oder unterirdische Schächte abbauen. So werden Orte wie das Flussbett in Sierra Leone (Westafrika) zu ertragreichen Plätzen der Rohdiamantensuche, denn hier gibt es viel Vulkangeröll. Eingeschlossen sind die „besten Freunde der Frauen“ im blauschwarzen Mineral Kimberlit, das vor Millionen Jahren aus erkaltetem Magma entstanden ist. Diamanten, die heute gefunden werden, sind also ein Stück Erdgeschichte.

„In der Regel liegt ihre Entstehung mehr als eine Milliarde Jahre zurück. Sie zu schürfen ist eine Knochenarbeit“, berichtet Nina Engwicht von ihren Erfahrungen in Sierra Leone. Allein um ein Karat Diamanten zu finden, also nur 0,2 Gramm, müssen im Durchschnitt 250 Tonnen Gestein durchsucht werden. Bis zu acht Stunden pro Tag stehen Männer, Frauen und erschreckenderweise auch Kinder dafür gebückt in einem Wasserloch und durchkämmen den schweren Schlamm mit Schüttelsieben. „Rund ein Viertel aller weltweit gehandelten Diamanten wird noch so geschürft“, sagt die Expertin.

Reich macht das die Arbeiter allerdings nicht. Schließlich verdient in Afrika jeder dieser Schürfer durchschnittlich nur 30 Euro pro Monat – gerade genug für einen Sack Reis. Für brillant geschliffene Diamanten werden pro Karat am Weltmarkt jedoch mehrere tausend Euro bezahlt. Kein Wunder, dass die Edelsteine auch immer wieder illegal geschürft werden, um damit Bürgerkriege und Rebellentruppen zu finanzieren. „Blutdiamanten“ nennen Experten solche Juwelen deshalb auch.

Insgesamt werden jedes Jahr 700.000 Karat Diamanten allein aus Sierra Leone exportiert. Weltweit sind es mit ganz Afrika, Russland, Kanada und Australien etwa 150 Millionen Karat, was einer Jahresproduktion von etwa 30.000 Kilo Diamanten entspricht. Ein Großteil der Ware landet in Antwerpen. Seit dem 16. Jahrhundert ist die belgische Stadt weltgrößter Handelsplatz für Edelsteine. Von der gesamten Fördermenge ist jedoch nur jeder fünfte Diamant so rein und schön, dass er in Schmuckstücken funkelt. Der große Rest endet als Beschichtung für Tunnel- und Zahnarztbohrer, Sägen oder Skalpelle. Wobei Diamanten für solche Gerätschaften inzwischen immer häufiger auch künstlich im Labor hergestellt werden. Doch mit den „Flunker-Funklern“ wollen sich freilich nur wenige schmücken. Und so schuften sich die Schürfer weiterhin die Rücken krumm. Hwie
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